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[FONT=Comic Sans MS]Herausgegeben von der Fachschule für asiatische Kampfsportarten,
Horst Beling, Kreuzwertheim und Marie-Luise Hock-Westhoff
Tai Chi Chuan heißt wörtlich übersetzt:
,,Die große ultimative Faust".
Diese, über 700 Jahre alte chinesische Bewegungskunst,
beinhaltet drei Grundprinzipien:
Gesunderhaltung des Körpers
Kampfkunst
Gesunderhaltung des Geistes durch Meditation
Um den Hintergrund dieser uns im Westen doch eher fremden Bewegungsweise ein wenig besser verstehen zu können, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf die chinesische Philosophie zu werfen.
Die Bewegungen im Tai Chi Chuan orientieren sich an der Jahrtausende alten taoistischen Lehre des Yin und Yang.
In der chinesischen Philosophie geht man davon aus, daß alles Existierende einen Gegenpol hat:
Yin und Yang
Frau und Mann
Mond und Sonne
Dunkel und hell
Und dass das Eine nicht ohne das Andere existieren kann.
Die permanente Interaktion zwischen diesen Gegensätzen bedingt- laut chinesischer Philosophie- den konstanten Wandel und somit alle Aktivitäten im Universum.
In der chinesischen Medizin weiß man, das ein Ungleichgewicht im, "Yin und Yang Haushalt" eines Menschen Krankheiten hervorruft.
Daher ist die beste Krankheitsvorbeugung, sein körperliches, geistiges und seelisches Gleichgewicht bewußt in Balance zu halten.
Der Bewegungsablauf der Tai Chi Formen ist getreu diesen Prinzipien ausgerichtet. Das heißt, wenn z. b. eine Bewegung nach vorne geht, ist die Rückwärtsbewegung schon in dieser Bewegung enthalten.
Über die positiven körperlichen und geistigen Auswirkungen einer täglichen Übung der Form, wurden in Schanghai und New York wissenschaftliche Langzeitstudien angestellt. Das Ergebnis dieser Studien bestätigt eindeutig, was die chinesischen Mönche schon seit Hunderten von Jahren wissen:
Durch regelmäßiges und - vor allem - richtiges praktizieren der Form, verbessern sich Herz- und Muskeltätigkeit, zu hoher Blutdruck kann dauerhaft gesenkt werden, Diabetes und Arthrose wird eindeutig gemildert, ein stabileres Kreislaufsystem und stabilere Knochen resultieren daraus. Atem- oder Lungenbeschwerden werden gemildert, teilweise verschwinden sie ganz.
Der Grund hierfür findet sich im Ansatz der ganzheitlichen chinesischen Medizin. Ganzheitlich bedeutet die Anerkennung der Tatsache. Das wir nicht nur aus Körper bestehen, sondern aus Geist und Gefühl gleichermaßen.
Dabei gilt es zunächst, dem Körper zu geben was er braucht. Dazu gehört neben einer gesunden Ernährung vor allem Bewegung. Diese Bewegung sollte so natürlich sein wie möglich. Keine ruckartigen Bewegungen, keine Erschütterungen, sondern dem Körper angepaßte, weiche und in ebenmäßiger Geschwindigkeit verlaufende Formen.
Durch die Ausübung der Form wird, in Kombination mit der richtigen Atmung, das Chi (die Lebensenergie) durch alle 12 Funktionskreisläufe (Meridiane) geschickt. (Meridiane sind Energieverlaufsbahnen und bekannt aus der Akupunktur, deren Nutzen und Wirksamkeit, auch hierzulande immer mehr - auch schulmedizinische -Anerkennung findet)
Dadurch werden Blockaden in den Funktionskreisläufen aufgehoben und die Durchblutung im gesamten Körper gefördert.
Die gerade Haltung der Wirbelsäule, auf welche bei der Ausübung der Tai Chi Formen besonderen Wert gelegt wird, entlastet den Rücken und kann Schulterverspannungen abbauen.
Da man in China um diese Zusammenhänge schon lange weiß, hat das Komitee für Volksgesundheit Tai Chi Chuan mit in den Sportunterricht der Schulen aufgenommen.
Die positiven Auswirkungen regelmäßigen Übens auf den Geist, zeigen sich in der enormen Verbesserung des Durchhaltevermögens und der Konzentration.
Die Meditation zeigt sich hier in der Bewegung. Hohe Konzentration und somit ungestörte Aufmerksamkeit werden in der Form verlangt.
Da jede einzelne Position einer Form aus dem Kampfsport kommt, fließt hier auch noch das Wissen um deren Anwendung und die Visualisierung eines Gegners mit ein.
Von den großen Tai Chi Meistern sagte man: "Ihr ganzer Körper scheint aus in Waffe gepackter Stahl zu sein". Das ist auch Yin und Yang, nach außen sehr sanft und nachgiebig, doch im Inneren sehr stark und konzentriert. Daraus, so sagen die Chinesen, erwächst wahre Kraft.
Über die Gründung der Bewegungsform gibt es verschiedene Theorien:
Chang San-Feng, ein taoistischer Priester (1279 - 1368) der Sung Dynastie, wird gewöhnlich als Gründer der "sanften Schule des Boxens" angegeben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich fünf verschiedene Hauptstilformen herausgebildet, welche die Namen Ihrer Begründer tragen.
Die bekanntesten sind:
der Yang - Stil
der Chen- Stil
der Wu - Stil
Der traditionelle Yang Stil, entwickelt von Yang Lu Ch'an (1799 - 1872), beinhaltet in seiner Form 106 Positionen. Entsprechend lange dauert die Ausführung.
Das chinesische Komitee für Volksgesundheit hat schließlich 1956 von anerkannten Tai Chi Meistern verkürzte Formen entwickeln lassen, um dem gesamten Volk des Üben der Tai Chi Form auch in der zeitlichen Hektik des Alltags zu ermöglichen.
Eine Yang-Stil Standartform von damals heißt 24-step Tai Chi Chuan und wird heute überall in China praktiziert. Zeitgleich wurde noch eine weitere Form entwickelt, weiche die Hauptelemente der Stile Yang, Chen und Wu vereint. Sie heißt 48- step Tai Chi Chuan und ist ebenso populär.
Auch in Amerika und Europa sind diese standardisierten Formen mittlerweile weit verbreitet und erfreuen sich bei Jung und Alt größter Beliebtheit.
Unsere Tai Chi Lehrerin Marie-Luise Hock-Westhoff hat während ihres vierjährigen Aufenthaltes auf den Philippinen verschiedene Formen in täglich mehrstündigem Training bei einem philippinischen Tai Chi Meister gelernt. Sie hat ihrem Lehrer vor Ihrer Rückkehr nach Deutschland versprochen, sich der Aufgabe zu widmen, diese Bewegungskunst Interessierten weiterzuvermitteln.
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