Eine wunderbare Uebung, um sich zu Erden. ist die Qigong-Uebung "Den Mond tragen".
Man nimmt dabei einen Stand ein, der etwas ueber die Schulterbreite hinaus reicht und senkt das Becken sanft nach unten.
Wichtig ist, dass das Becken eine Linie bildet mit der Gesamthaltung des Oberkoerpers, damit die Energien im unteren Teil der Wirbelsaeule besser zirkulieren koennen.
Das waere nicht der Fall, wenn das Becken nach hinten ausgerichtet wird.
Meine Qigong-Lehrerin sagte dazu: "Steht nicht wie eine Ente, sondern wie junger dynamischer Bambus."
Die Knie werden in dieser Haltung leicht nach außen gedrueckt, Becken und Wirbelsaeule "gerade" gehalten.
Die Arme werden angehoben und bilden im Schulter-Kehl-Bereich einen Kreis, als wuerde man den Mond tragen.
Fuer visuell begabte Menschen ist es dann auch von Vorteil, sich vorzustellen, dass man den Mond tatsaechlich traegt.
Der Blick richtet sich in dieser Haltung auf einen "toten Punkt" am Boden, damit man nicht durch aeußere Phaenomene abgelenkt wird.
Das Bewußtsein selbst ist jedoch ins Innere verlagert mit Fokus in den Unterleib zwischen Damm und Nabel.
Dieses Zentrum wird "Qi Hai" oder "Meer der Energie" genannt.
Hier sammelt sich das Qi oder Prana des Menschen, um im Organismus seine wohltuende Wirkung zu entfalten.
Man achte darauf, dass die Schultern entspannt sind, was auch fuer alle anderen Muskeln gilt.
Der Koerper sollte nicht durch die Muskeln getragen werden, sondern durch die Knochen, Sehnen und Baender.
Je entspannter die Muskeln sind, um so mehr Energie koennen sie aufnehmen.
Man beginnt einfach mit der Uebung in korrekter Haltung und versucht diese Haltung beizubehalten, solange keine wirkliche Anstrengung notwendig ist.
Sobald selbige aber einsetzt, kommt es im Koerper zu Verspannungen.
Dies ist der Zeitpunkt, um die Uebung abzubrechen.
Am Anfang ist es nicht einfach, die Uebung laenger auszufuehren.
Das ist nicht tragisch.
Wesentlich ist, dass man die Uebung beendet, sobald sich Verspannungen zeigen.
Man kann der Koerper etwas schuetteln und auflockern, eine kleine Pause einlegen, um dann wieder erneut zu beginnen.
Das Ziel ist erreicht, wenn es uns gelingt, zehn Minuten in dieser Haltung zu verweilen, waehrend unser Geist in klarer Praesenz verweilt, waehrend er sich vorstellt, den Mond zu tragen.
Die Visualisierung hat zur Folge, dass wir uns mental mit dem Mond verbinden, um im Laufe der Zeit bewußt seine Einfluesse zu empfangen.
Wir werden bemerken, wie unser Organismus von der Kehle aus abwaerts wunderbar abkuehlt, was in der Lernphase der Uebung noch nicht der Fall ist, denn durch die "Anstrengung des Anfaengers" erhitzt er noch ziemlich stark.
Nach und nach wird das Herz jedoch ruhiger, das Blut kuehlt sich ab und das Qi beginnt harmonisch in den Bahnen zu zirkulieren.
Zu Beginn der Uebung ist es von Vorteil, dass man einige Male tief durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmet, damit Blut und Saefte ins Gleichgewicht kommen.
Am Ende der Uebung reichen zwei oder drei Atemzuege aus, um den Organismus zu lockern und verbrauchtes Qi auszuwerfen.
Der Mund ist waehrend der Uebung geschlosssen und man versucht, sanft durch die Nase ein- und auszuatmen.
Schon bald wird man bemerken, wie Stand und Haltung immer kraeftiger und sicherer werden.
Wir werden gewahr, wie das Qi in den Beinen pulsiert, um Schlacken und Ablagerungen zu loesen, waehrend es als Resultat davon Knochen, Sehnen, Baender und Muskeln stabilisiert.
Die Fuß-Zentren [hinter dem großen Ballen] beginnen sich langsam zu oeffnen, ebenso das Wurzel-Zentrum und jene, die sich darueber befinden.
Die "Kuehle des Mondes" beguenstigt diesen Vorgang.
Schon nach einigen Tagen spuehrt man einen deutlichen Wandel im Koerper respektive eine zunehmende Sicherheit in der Praesenz des Geistes.
Dies wirkt sich natuerlich auch positiv im Alltag aus; ein stabiler Stand, eine lockere Haltung sowie ein wacher Geist wird die gesamte Umgebung erhellen.
Wichtig ist, dass die Uebung Tag fuer Tag ausgefuehrt wird.
Ein Rat geht dahin, sie bis zum irdischen Ableben beizubehalten und nie mehr davon abzulassen.
Einerseits ist dies die staerkste Uebung, um sich zu erden, und zum anderen wird sie bewirken, dass sich Nerven, Blut und Saefte im Gleichgewicht befinden.
"Den Mond tragen" ist eine der aeltesten Qigong-Uebungen, und ihre Praxis kann verfolgt werden bis zu den Zeiten der ersten Kaiser.
Ein Dao-Sprichtwort sagt: "Was wirklich gut ist, ueberdauert Generationen und Zeitalter."
Und wer sich dieser Uebung mit Herz und Seele hingibt, wird enorm viel Nutzen daraus ziehen koennen.
Sie sieht zwar unscheinbar und harmlos aus, offenbart aber eine außergewoehnliche Potenz und Vitalitaet.
Die beste Zeit, um die Uebung zu praktizieren, ist die Zeit zwischen 17 und 19 Uhr, wenn der Nieren-Meridian geoeffnet ist.
Zu dieser Zeit ist der Organismus beweglicher und geschmeidiger als wie zu jeder anderen Tages- oder Nacht-Zeit.
Auch fuer Yoga-Praktizierende kann dies ein guter Hinweis sein.
Man kann natuerlich ueben, wann immer man den Drang danach verspuert; jeder muss versuchen, auf die Stimme seines Herzens zu hoeren.
Oft bringt Spontanitaet mehr Erfolg als jede Planung.
Wir sollten jedoch versuchen, den Willen dergestalt zum Einsatz zu bringen, dass die Uebung auch regelmaeßig und taeglich ausgefuehrt wird.
Diese Informationen dienen natuerlich nur den Leuten, die dafuer empfaenglich sind.
Ich teile lediglich mit, was ich gelernt habe.
Niemals wuerde ich verlangen, dass man meinem Weg folgt.
Jeder muss fuer sich erwaegen, was fuer ihn gut ist.
Das einzige, woran mir liegt, ist mein Wunsch, dass alle Wesen zur dauerhaften Gesundheit gelangen, zum inneren Frieden und zur Einsicht in die Natur der Dinge.
Mit guten Gedanken
Anzeraq