HEUTE, Donnerstag, 9.11.2006 | 14.45 Uhr | 3SAT
Simons Weg - Ein normales Leben mit Down Syndrom?Simons Weg ist erfreulich und ermutigend auch für andere Behinderte: Er ist heute 20 Jahre alt und macht eine Ausbildung speziell für behinderte Menschen in der Kinderzoo-Abteilung des Zürcher Zoos. Täglich fährt er zur Arbeit, besucht einmal in der Woche die Gewerbeschule, hat Hobbys wie Saxophonspielen, Reiten oder Schwimmen.
Simon lebt zusammen mit Nichtbehinderten, orientiert sich an der Normalität und nicht an der Behinderung. Dadurch macht er große Fortschritte und ist selbständiger als andere Menschen mit Down-Syndrom. Dass seine Entwicklung derart positiv verlief, verdankt Simon seinen Eltern, initiativen Lehrkräften und Vorgesetzten. Sie alle waren bereit, sich auf den ungewöhnlichen Weg der Integration einzulassen.
Filmische Langzeitstudie
Dass dieser Weg aber steinig ist und oft an der staatlichen Bürokratie scheitert, zeigt der Film von Christophe Gut eindrücklich auf. Vor zehn Jahren begann der Autor Simons Entwicklung mit der Kamera zu beobachten und den ganzen Prozess von Simons schulischer und beruflicher Integration zu begleiten.
"Es entstand eine Langzeitstudie, wie sie im Journalismus leider viel zu selten vorkommen ... Ich kam dabei zur Erkenntnis, dass Integration nicht nur eine Schulungsform, sondern auch eine Lebenshaltung ist. Eigentlich erstaunlich, dass sie nicht mehr praktiziert wird."
Integration als wissenschaftliches Konzept
Schätzungsweise 10000 Menschen in der Schweiz sind vom Down-Syndrom betroffen. Es ist die am häufigsten auftretende geistige Behinderung, zurückzuführen auf ein überzähliges Chromosom. Noch immer ist die Ursache dieser Störung unbekannt. Früher starben Menschen mit Down-Syndrom meist schon im Kindes- und Jugendalter, Förderung fand - wenn überhaupt - nur sehr begrenzt statt. Heute können sich Menschen mit Down-Syndrom besser entfalten, haben eine Lebenserwartung von 60 Jahren und mehr. Die meisten besuchen heilpädagogische staatliche Institutionen, werden mit viel Aufwand in Sonderschulen und Werkstätten gefördert. Dies allerdings abseits von der Gesellschaft.
Im Ausland mehr praktiziert
Als aussichtsreiches Modell für ein engeres Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten zeichnet sich der Weg der Integration ab. Integration bedeutet die Rückkehr der Behinderten auf unsere Schulhöfe, in unsere Arbeitsprozesse. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt die Integration längst als wegweisendes sonderpädagogisches Konzept. In Deutschland, Österreich oder den Ländern Skandinaviens hat man realisiert, dass dank der Integration beim Staat auch Kosten eingespart werden können. In der Schweiz fristet die Integration leider noch immer ein Mauerblümchendasein.
Film von Christophe Gut
Quelle:
www.3sat.de
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