HEUTE, 18. Oktober 2006 | 22.15 Uhr | PHOENIX
Die unbequeme Klima-Show
Al Gore und der planetarische ErnstfallEs drohen extreme Dürren, ein steigender Meeresspiegel und verheerende Stürme. Doch keine Panik. Bei Bedarf lassen wir einfach vom Helikopter aus einen riesigen Eisblock in den Ozean werfen, so einfach ist die Erderwärmung in den Griff zu bekommen - seit seiner Niederlage in der US-Präsidentschaftswahl karikiert Al Gore als Vortragsreisender den leichtfertigen Umgang Amerikas mit der drohenden Klimakatastrophe. Ein Film dokumentiert nun sein Engagement.
"Hallo, ich bin Al Gore. Ich war mal der nächste Präsident der Vereinigten Staaten": Mit diesen Worten wandert der leger gekleidete Mann über die Bühne, hinter sich eine große Leinwand mit poppigen Grafiken, dazwischen Szenen der bereits sichtbaren Folgen des Treibhauseffekts. Mit großem Engagement klärt Al Gore über Mythen und Missverständnisse beim Thema "Globale Erwärmung" auf und macht Vorschläge zur Abhilfe.
Die Reportage begleitet ihn auf einem Teil seiner Europa-Tour. Eine bemerkenswerte Tournee, die große Klima-Show, um den planetarischen Ernstfall erst zu inszenieren und dann zu verhindern. Und um einen Film zu promoten. Beim Edinburgh International Book Festival diskutiert Al Gore mit führenden Wissenschaftlern über die Fakten und Zusammenhänge der globalen Erwärmung. Die Kamera versucht die Annährung, beobachtet den Mann, der zum medialen Klima-Experten geworden ist. Bruchstücke aus seinem Leben sehen wir, seine Kindheit, seine College-Zeit - Puzzlesteinchen einer Erklärung für sein Handeln.
Eine Umfrage der Nachrichtenagentur ap bei 100 Wissenschaftlern überzeugt: Er hat das wichtigste Material und stellt es richtig dar. Es bleiben uns nur noch zehn Jahre, um eine große Katastrophe abzuwenden, die das Klima unseres Planeten zerstören wird. Die Folge: Extreme Wetterveränderungen, Fluten, Dürren, Epidemien und tödliche Hitzewellen von ungekanntem Ausmaß. Bilder vom Kilimandscharo und vom Himalaja zeigen, wie schnell die größten Gletscher der Erde auf dramatische Weise schmelzen. Al Gore präsentiert Beweise, die nicht zu widerlegen sind.
Die nächsten Stationen: Südfrankreich, und danach London. Stehende Ovationen für Gores Dokumentation, minutenlang, begeisterte Kritiken. Die Kamera begleitet Al Gore auch nach Berlin. "Eine unbequeme Wahrheit" - kaum einen besseren Titel hätte man für Gores Film wählen können. Ab dem 12. Oktober 2006 wird seine "Klima-Show" in den deutschen Kinos anlaufen und für Diskussionsstoff sorgen.
Was ist er für ein Mensch, was treibt ihn an, warum hat er als US-Vize-Präsident nicht mehr bewegen können? Fragen, die nicht nur von Greenpeace gestellt werden. Vielleicht erreicht der Medien-Mann Gore mehr als so manche Klimastudie. Denn es ist eine Mission, fast ein Kreuzzug: Al Gore und der planetarische Ernstfall.
Film von Carola Lichtenberg (2006)
Quelle:
www.phoenix.de
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