HEUTE (Do, 16.3.06) | 16:00 Uhr | ARTE
Die Kloster GmbH
Dokumentation, Deutschland 2005, Erstausstrahlung
Regie: Ulrike Breme
Die Kasse muss stimmen - auch bei den Klöstern. So will es die Benediktinerregel "ora et labora", "bete und arbeite", aus der Frühzeit der Klöster, die bis heute gilt. Die Klöster müssen wirtschaftlich autonom sein und sich selbst tragen. Keine einfache Aufgabe in diesen globalen Zeiten, wo der Konkurrenzkampf auch vor den Mauern der frommen Gemeinschaften nicht Halt macht. Aber kann die Balance gelingen, christliche Nächstenliebe mit Profitdenken zu versöhnen? Die Dokumentation zeigt, wie die Klöster, ihre Nonnen und Mönche mit ihrem "Unternehmen" umgehen, das den weltlichen Gesetzen von Gewinn und Verlust gehorchen muss.
Dass viele Klöster ihre Brauereien und Weinberge erfolgreich betreiben, gilt geradezu als Teil ihrer Kultur. Doch mittlerweile haben sich viele Klöster auch andere Einnahmequellen erschlossen. So baut das fränkische Kloster Münsterschwarzach vor allem auf seinen fast legendären Cellerar
Pater Anselm Grün. Er ist ein gefragter Reisender in Sachen Spiritualität, hält im Kloster begehrte Managerseminare ab und seine einschlägigen Publikationen werden nicht nur im klostereigenen Verlag gedruckt, sondern sind auch in kommerziellen Verlagen Bestseller. So lebt das ganze Kloster von seinem Charisma. Andere Wege geht das Franziskanerinnenkloster von Waldbreitbach im Westerwald. Ihm gehören Kliniken in vier Bundesländern. In insgesamt 50 Einrichtungen sind 11.000 weltliche Mitarbeiter beschäftigt. Es ist inzwischen zu einer Art klösterlichem Großkonzern gewachsen. Aufsichtsratsvorsitzende der "Marienhaus GmbH" ist Schwester Edith Maria, die über beste Managerinnen-Qualitäten verfügt. Aber entspricht diese Dimension noch dem Sinn jener Benediktinerregel "ora et labora", "bete und arbeite", die sicherlich nicht die Kapitalisierung der Klöster meinte? Viel bescheidener geht es im Kloster Marienthal in der Nähe von Görlitz zu, das zwar nicht arm ist, aber dennoch um seine Bewirtschaftung und den Erhalt seiner sozialen Einrichtungen kämpfen muss. Ökonomisches Denken führt nicht selten dazu, dass Arbeitsplätze wegrationalisiert werden müssen, und christliche Nächstenliebe kollidiert mit den Gesetzen der Marktwirtschaft. Es ist kein einfaches Unterfangen für die Klöster, das gewählte fromme Leben ihrer Nonnen und Mönche zu finanzieren. Die Regeln der harten Realität gelten auch hier, was nicht ohne innere und äußere Widersprüche bleiben kann.
Quelle (URL):
http://www.arte-tv.com
Schalom