Mittwoch, 15. März 2006 | 20:15 Uhr | BR-ALPHA und
Donnerstag, 16. März 2006 | 13.00 Uhr | BR-ALPHA
Gott und das Universum
zum Verhältnis von Wissenschaft und ReligionHubert Schöne im Gespräch mit Prof. Dr. Eugen Biser, Prof. Dr. Gerhard Börner, Prof. Dr. Wolfhart Pannenberg und Antje Tesche-Mentzen
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir? Die Fragen nach dem Ursprung des Universums und nach unserem Platz darin gehören zu den großen Fragen der Menschheit. Mit dem "Urknall" soll vor 14 Milliarden Jahren alles Leben begonnen haben. Unser Glaube legt uns jedoch nahe, dass bereits vor diesem Urknall etwas gewesen sein muss. Kosmologie und Religion waren von der Antike bis zur Renaissance eng miteinander verbunden. So galt etwa die Geburt des Mose als Präfiguration der Geburt Christi - zwischen beiden Konstellationen bestand der christlichen Lehre zufolge ein kosmologisch begründeter Zusammenhang. Bis ins 17. Jahrhundert hatte jedoch die Lehre Bestand, dass es vermessen und ein unzulässiger Eingriff in den göttlichen Heilsplan sei, sich mit der Natur der Sterne und mit der Geschichte der Erde sowie ihrer Ausdehnung und Beschaffenheit forschend zu befassen. Die Kirche, aber auch konservative Humanisten, verhängten über die auf Erfahrung und messende Erforschung fundierte Wissenschaft gar das Verbot der "Curiositas", der "wissenschaftlichen Neugierde".
Mitte des 17. Jahrhunderts vollzog sich wissenschaftsgeschichtlich ein radikaler Paradigmenwechsel: Der junge Isaac Newton verbesserte 1668 das erste Spiegelreflektorteleskop, das bereits 1663 von James Gregory entwickelt worden war. Über ein Jahrzehnt zuvor hatte Christian Huygens mit seinen Fernrohren den sechsten Saturntrabanten entdeckt und damit den Beginn der modernen Astronomie eingeleitet. Seither hat die astrophysikalische Erforschung des Weltalls mit immer komplizierterer Technik und komplexeren Methoden unser Bild von der Welt verändert - es ist heute naturwissenschaftlich geprägt. Mit der Ablösung des geozentrischen, ptolemäischen Weltbildes durch ein differenzierteres Bild des offenen Universums geht auch ein bedeutender Einschnitt für die Lebensorientierung des Menschen einher: an die Stelle des überschaubaren Kosmos tritt der Blick in dessen unendliche Weite. Der moderne Mensch muss sich mit Vernunft neu verorten. Naturwissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse allein reichen dafür nicht aus. In Religion und Glauben suchen daher viele auch heute noch Halt und Orientierung.
Welche Bedeutung haben naturwissenschaftliche Forschung und religiöser Glaube für das Selbstverständnis und das Bewusstsein des Menschen? In welchem Verhältnis stehen Wissenschaft und Religion heute zueinander? Sind naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit religiösen und philosophischen Vorstellungen von der Schöpfung und vom Wirken Gottes vereinbar? Vermag in diesem Spannungsfeld vielleicht die darstellende Kunst alleine das Mysterium der Schöpfung zu lösen?
Über Gott und das Universum aus naturwissenschaftlicher, theologisch-philosophischer sowie aus künstlerischer Perspektive diskutieren
Prof. Dr. Dr.h.c. Eugen Biser, em. Professor für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie sowie Leiter des Seniorenstudiums an der LMU,
Prof. Dr. Gerhard Börner, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching und Professor für Physik an der LMU,
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfhart Pannenberg DD (mult.), em. Professor für Systematische und Ökumenische Theologie sowie für Fundamentaltheologie an der LMU und die Malerin und Bildhauerin
Antje Tesche-Mentzen, die sich in ihrem Werk der Schöpfungsthematik widmet. Moderation:
Hubert Schöne.
Quelle (URL):
http://www.br-online.de/alpha/forum/...20060315.shtml
Schalom