HEUTE (6.3.2006) | 20:40 - 22:35 Uhr | ARTE
Good bye, Lenin!
Spielfilm, Deutschland 2002, WDR, Erstausstrahlung
Regie: Wolfgang Becker, Drehbuch: Bernd Lichtenberg, Kamera: Martin Kukula, Musik: Yann Thiersen, Kostueme: Aenne Plaumann, Redaktion: Katja de Bock, Andreas Schreitmüller, Schnitt: Peter Adam; Ausstattung: Lothar Holler; Maske: Lena Lazzarotto; Ton: Wolfgang Schukrafft, Produktion: X-Filme Creative Pool, Produzent: Stefan Arndt
Daniel Brühl (Alex Kerner), Katrin Saß (Christiane Kerner), Chulpan Khamatova (Lara), Maria Simon (Ariane), Florian Lukas (Dennis), Alexander Beyer (Rainer), Burghart Klaussner (Robert Kerner)
Sommer 1990: Alex' Mutter lag acht Monate lang im Koma und hat seelenruhig die Wende verschlafen. Um ihr den sicheren Herzattackentod zu ersparen, belebt Alex die DDR auf 79 Quadratmetern wieder...
Ostberlin, Sommer 1990: Deutschland steht vor der Wiedervereinigung. In irrwitzigem Tempo wird der sozialistische Traum entsorgt. DDR-Produkte verschwinden aus den Regalen, Coca-Cola-Banner schmücken Plattenbauten. Eine Übernahme im Handstreich. Nur für den 21-jährigen Alex geht nichts voran. Kurz vor dem Fall der Mauer fällt seine Mutter Christiane, eine verdiente Aktivistin der Deutschen Demokratischen Republik und Gorbatschow-Anhängerin, nach einem Herzinfarkt ins Koma - und verschläft den Siegeszug des Kapitalismus. Als sie wie durch ein Wunder nach acht Monaten die Augen wieder aufschlägt, erwacht sie in einem neuen Land. Sie hat nicht miterlebt, wie West-Autos und Fast-Food-Ketten den Osten überrollen, wie man hastig zusammen wachsen lässt, was zusammen gehört. Lenin ist von seinem Sockel gestiegen. Die Faust zum sozialistischen Gruß gereckt schwebt er von einem Helikopter baumelnd ein letztes Mal durch die Straßen der Hauptstadt. Good bye, Lenin! Welcome D-Mark. Erfahren darf sie von alledem nichts: Zu angeschlagen ist ihr schwaches Herz, als dass sie die Aufregung überstehen könnte. Alex ist keine Atempause gegönnt. Um seine Mutter zu schützen, lässt er nun auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR wieder auferstehen. Schnell stellt er fest, dass sich dieser Plan schwieriger umsetzen lässt als erwartet...
Das kleine Extra
In München wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet, an den Kinokassen schlug er alle Rekorde. "Good bye, Lenin!" ist ein skurriler Trip in eine Zeit, die noch gar nicht so lange vorbei und doch so fern ist. Regisseur Wolfgang Beckers Szenario ist ebenso absurd wie denkbar. Genau diese Spannung zwischen Satire und Realitätsnähe verleiht dem Film seinen besonderen Charme, zumal es sich der Regisseur nicht nehmen lässt, an beiden Systemen leise, aber dennoch hörbare Kritik zu üben. Über sechs Millionen Zuschauer haben den Film gesehen, einer der größten Erfolge des deutschen Kinos. "Good bye, Lenin!" räumte 2003 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises insgesamt neun Trophäen ab, gewann bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises drei Haupt- und drei Publikumspreise, holte drei Bambis, den Bayerischen Filmpreis, den César in Frankreich und war für den Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert.
Daniel Brühl ist ohne Frage der Shooting Star unter den deutschen Schauspielern. Für seine Rolle eines an Schizophrenie erkrankten jungen Mannes in Hans Weingartners "Das weiße Rauschen" wurde er 2002 mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller und mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt er den Deutschen Filmpreis für seine darstellerischen Leistungen in Benjamin Quabecks "Nichts bereuen". Der Durchbruch gelang Daniel Brühl kurz davor mit dem Kinoerfolg "Schule" (2000) von Marco Petry. 2003 stand er in "Was nützt die Liebe in Gedanken" mit August Diehl vor der Kamera. 2004 spielte er in Oliver Hirschbiegels ambitionierten "Der Untergang" und sorgte für Aufsehen an der Croisette, wo er mit "Die fetten Jahre sind vorbei", einer erneuten Zusammenarbeit mit Hans Weingartner, den ersten deutschen Wettbewerbsbeitrag seit elf Jahren vorstellte. Seinen ersten internationalen Auftritt hatte er 2004 in dem Drama "Der Duft von Lavendel" an der Seite von Judi Dench. Im November 2005 startete die internationale Koproduktion "Merry Christmas", in der Daniel Brühl in der Rolle des deutschen Leutnants zu sehen ist.
Die 1956 in Schwerin geborene Schauspielerin Katrin Saß war eine der populärsten Darstellerinnen der DDR. Bereits mit ihrem ersten Leinwandauftritt, dem 1979 unter der Regie von Heiner Carow entstandenen Ehedrama "Bis dass der Tod euch scheidet", avancierte sie zur gefragten Charakterdarstellerin. Filme wie "Die Verlobte" (1980) von Günther Rücker, "Bürgschaft für ein Jahr" (1981) von Herrmann Zschoche, der ihr bei der Berlinale einen Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin bescherte, die beiden Roland-Gräf-Arbeiten "Das Haus am Fluss" (1984) und "Fallada - Das letzte Kapitel" (1987) sowie "Heute sterben immer nur die Anderen" (1989) von Siegfried Kühn gehören dank der Mitwirkung von Katrin Saß zu den wichtigen Hinterlassenschaften der DEFA. Nach der Wiedervereinigung war Katrin Saß in Fernsehproduktionen zu erleben, bis sie in Janek Riekes Kinofilm "Härtetest" (1997) nach längerer Pause wieder in einem Kinofilm ihre Wandelbarkeit unter Beweis stellen konnte. Für ihre herausragende Leistung in Michael Kliers "Heidi M." (2001) feierte sie mit dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ein furioses Comeback. 2003 erschien ihre Autobiografie "Das Glück wird niemals alt", worin die Künstlerin ganz offen von den Höhen und Tiefen ihres Lebens erzählt.
Wiederholungen:
13.03.2006 um 00:10
20.03.2006 um 14:55
Quelle:
www.arte-tv.com
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