Ihr Lieben,
Es ist schön, wenn man hier viele Darstellungen von Träumen liest, um deren Interpretation gebeten wird. Ich selbst beschäftige mich seit etlichen Jahren damit und habe ein Merkblatt zusammengestellt, das aus aktuellem Anlass ergänzt habe und das ich in Auszügen hier gern posten möchte. Es ist nicht als Eigenwerbung zu verstehen, sondern soll vor hier und das gestellten vielleicht allzu hohen Erwartungen bewahren

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Was sind Träume?
Zunächst einmal eine sehr komplexe Angelegenheit. Da für die Wissenschaft selbst der Schlaf noch ein nicht völlig gelöstes Rätsel ist, sind es Träume umso mehr. Vor langer Zeit schon versuchten die Menschen, in den Träumen Botschaften ihrer Götter zu erkennen und aus ihnen Handlungsanweisungen zu ziehen. Wir können heute hingegen mit Gewissheit sagen, dass nächtliche Gedankenspiele auch als bedeutender Teil der eigenen Persönlichkeit angesehen und akzeptiert werden sollten.
Im 20. Jahrhundert gab es wissenschaftlich noch zwei strikt getrennte Betrachtungsweisen für Träume: Die aus psychologischer und die aus neurologischer Sicht. Die psychologische Sichtweise gründete sich über einen langen Zeitraum auf die Aussagen von Sigmund Freud, der in den Träumen den Königsweg zum Unbewussten sah. Dort waren seiner Meinung nach die Spuren unterdrückter Urtriebe, vor allem Aggression und Sexualität angesiedelt. Ebenfalls versuchte Freud, den Trauminhalten Symbolcharakter zu verleihen und sah in so ziemlich allen Dingen Symbole für die Sexualität. Nach und nach aber lösten sich die Psychologen mehrheitlich von der vornehmlich sexuellen Fixierung.
Die neurologische Sichtweise lässt sich am besten mit dem beschreiben, was in Schlaflabors praktiziert wird: Vor allem wurde und wird untersucht, welche Phasen im Schlaf von Träumen beherrscht werden und, welche Hirnregionen im Traum besonders aktiv, welche normal aktiv sind oder welche sich in einem Ruhezustand befinden.
Diese beiden vom Grundsatz her verschiedenen Betrachtungsweisen (Messtechnik gegen Interpretation) haben aber nach und nach ihre (auch ideologischen) Schranken überwunden und sich einander angenähert. Es zeigte sich nämlich, dass sich die psychologisch vermuteten Eigenheiten mit den messtechnischen teilweise hervorragend ergänzten (und umgekehrt!). Als Ergebnis dieser Annäherung können wir heute von der Aussage ausgehen, dass Träumen eine ganz eigene, besondere Art des Denkens darstellt. Auch müssen wir nach dem letzten Stand der Forschungen davon ausgehen, dass Träume wahrscheinlich mehr als nur eine Funktion haben, sie sind eine Art Denken in einem biochemischen Zustand, der im Wachsein nicht erlebt wird. Offenbar dien(t)en Träume auch in der Geschichte der biologischen Entwicklung dazu, im Schlaf für Gefahrensituationen zu trainieren.
Im Schlaf ist das Gehirn vornehmlich mit sich selbst beschäftigt und verarbeitet das, was im Wachzustand erlebt wurde. Es schaltet auf eine andere Gangart um und arbeitet in einem Modus, der vielmehr dem kindlichen Denken voller Fantasie und Emotionen vergleichbar ist. Auffällig aktiv im Traum ist das Sehzentrum, was auch durch eine unmittelbare Steuerung der Augäpfel deutlich wird und als „REM-Phase“ (Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegung) bekannt ist. Merkwürdig ist das vor allem, weil im Schlaf ja die Augen gewöhnlich geschlossen sind. Weiterhin ist das Lymbische System aktiv, was für unsere Gefühle zuständig ist. Als Besonderheit mag gelten, dass das Merkzentrum für Ängste (Amygdala) ebenfalls hochtourig arbeitet.
Ich- und Zeitgefühl dagegen sind auf einen Spargang geschaltet, die Zeit gerät im Traum aus dem Takt und aus den Fugen. Das Gehirn kann sich sehr lange mit einem kleinen Zeitabschnitt beschäftigen; andererseits aber kann es passieren, dass auf einen äußeren Reiz hin (z.B. ein Geräusch) das Gehirn blitzschnell im Nachhinein einen passenden Traum zusammenreimt, der einen wesentlich längeren Zeitraum behandelt. Sie kennen so etwas sicherlich: Sie hören im Schlaf ein Geräusch oder werden sanft angestoßen und wundern sich, dass das absolut in den Traum passt, den Sie gerade träumen. Tatsächlich hat sich Ihr Gehirn aber den Traum erst auf den Reiz hin blitzschnell zusammengeträumt! Auch die logisch-analytischen Regionen des Gehirns arbeiten im Traum nur eingeschränkt. Das hat zur Folge, dass auch Gedanken geknüpft werden können, die Sie im Wachzustand niemals haben würden und die Ihrem eigenen Charakter völlig zuwider laufen. Ein Staatsanwalt kann im Traum zum Bankräuber werden und eine strenge Lehrerin ihre Schüler verführen. Im Gegensatz zu Freud’s These werden hier aber keine unterdrückten Urtriebe hervorgekramt, sondern das Gehirn spielt alle möglichen und unmöglichen Gedankengänge und Kombinationen durch und knüpft diese praktisch neu. Gedanken und Ideen, die einem „im Schlaf“ kamen, sind dieser Eigenart zuzuordnen.
Die Traumsymbolik, auf die sich besonders die esoterische Traumdeutung stützt, wurde von Traumdeutern schon vor langer Zeit entwickelt und wird immer weiter ausgebaut. Sie darf allerdings nicht als absolute Größe und unantastbar gesehen werden. Die Entschlüsselung der Träume ist eine oftmals heikle Gratwanderung zwischen Symbolik und psychologischer Interpretation. Je mehr man sich mit ihr beschäftigt, desto komplexer wird sie – sie ist eine Kunst, keine Wissenschaft! Vielleicht verstehen Sie jetzt auch, dass es problematisch sein kann, aus einem einzigen Traum eine allgemeingültige Analyse zu erstellen. Es können in diesem Traum, auch wenn er besonders heftig war, Gedanken „außerhalb der Reihe“ entwickelt worden sein, die mit der Person des Träumers in keinem rationalen Zusammenhang stehen. Daher ist es sinnvoller, die Traumdeutung auf mehrere Träume auszudehnen, um Gemeinsamkeiten und Tendenzen sowohl im Erlebten, als auch in der Symbolik zu erkennen. Noch einmal: Es ist eine Kunst, keine Wissenschaft!
Bitte bedenken Sie, dass die in einer Traumdeutung gemachten Aussagen Tendenzen darstellen, die auf Ihren eigenen Erlebnissen und Gedankenverknüpfungen basieren. Es können lediglich Ihre eigene Verfassung und Ihre eigenen Befindlichkeiten analysiert werden. Auch die Handlungen anderer Personen oder deren Gefühle sagt das aus, von dem Sie meinen, wie es andere täten oder meinen würden. Tatsächliche Aussagen über fremde Befindlichkeiten sind kaum möglich; ebenso wie die Vorhersage zukünftiger Ereignisse. Träume können zwar Zukunftsvisionen enthalten, die aber nicht mit Weissagungen verwechselt werden dürfen.
Mit den besten Grüßen-
manubrius