Die Sonne scheint auf das Wasser, wobei es sich langsam erwaermt und als Dunst zum Himmel steigt. Je hoeher der Dunst steigt, um so mehr laeßt er seine trueben Anteile zurueck. Hat er seinen hoechsten Punkt erreicht, ist er von kristallinischer Klarheit.
Jetzt empfaengt er das Licht der Sonne in seiner reinsten Form. Dadurch wird er traege und kristallisiert zu Wolken, die vom Sonnenlicht "geschwaengert", unterstuetzt vom Wind, gleich stets sich wandelnden Drachen am Himmel treiben.
Die Sonne, die das Wasser der Erde erwaermt, damit es als Dunst zum Himmel steigt, um hier die Kraft der Sonne zu empfangen, ist der aeußere Vorgang der "sexuellen Transformation".
Das Wasser, das schließlich vom Himmel faellt, durchtraengt die Erde in einer Wirkung, dass sie zur Bluete und Frucht gelangt. Dieser Vorgang spielt sich auch im Menschen selbst ab.
Wenn er durch seinen Geist, dessen Wirkfeld sich in seinem Kopf befindet, das "innere Wasser" erwaermt, dessen feinstoffliche Ebene sich auf Hoehe des Nabels befindet, wird er ploetzlich spueren, wie sich von dort ebenfalls ein Dunst loest.
Jetzt kann er sein Bewußtsein mit diesem Dunst verbinden, mit ihm verschmelzen und zur Einheit werden, und mit ihm sanft durch die Mitte seines Koerpers zum inneren Himmel aufsteigen, der sich in seinem Scheitel befindet.
Im Scheitel selbst kann sich der Mensch mit der Energie der astralen Sonne vereinigen, so dass sein aufgestiegener Dunst, wie in Analogie zur aeußeren Natur, ebenfalls geschwaengert wird.
Dabei wird er bemerken, wie sich sein Scheitel langsam dynamisiert, waehrend sich das Empfinden offenbart, dass sich eine subtile kuehle Fluessigkeit in seinen Kopf senkt.
Um ein passendes Beispiel zu finden, kann der Mensch sich stets den Vorgang in der aeußeren Natur in den Sinn rufen, denn eigentlich ist es keine Fluessigkeit, sondern aehnelt viel mehr den Wolken, die am Himmel ziehen.
Das I Ging sagt vortrefflich: "Die Wolken ziehn, der Regen faellt und alles Leben stroemt in seine Gestalt."
Wenn der Mensch jetzt eine Art Betrachtung des gesamten Koerpers vornimmt, d.h. dass er sein gesamtes Wesen mit "einem Blick" erfaßt, wird ihm innerlich deutlich, wie der Nektar des Himmels sein eigenes Feld befruchtet, so dass selbiges ebenfalls zur Bluete und Frucht gelangt.
Im Laufe der Zeit wird sich sein gesamtes Wesen veraendern. Er wird geschmeidig und biegsam wie ein junger Mensch, seine Haut bekommt einen seidenen Glanz, waehrend alles Denken, Reden und Handeln mit einer Kraft durchdrungen ist, dass er bestimmte "magische Wirkungen" entfalten kann.
Diese kommen ganz von selbst; niemand muss sie sonderlich lernen. Eigentlich sind es gar keine magischen Wirkungen, sondern die natuerlichen Kraefte eines Menschen, der es versteht, sich im Inneren dem Aeußeren anzupassen.
Durch den Nektar des Himmels geschwangert, wird sich im Menschen jegliche Krankheit aufloesen, falls er es versteht, zur Akzeptanz aller Welten, Wesen und Dinge zu gelangen.
Dies ist naemlich die Voraussetzung fuer den Prozess der Transformation, dass man sich nicht zum Richter ueber andere macht. Das heißt nicht, dass man seine Meinung zu dem Uebel der Welt nicht aeußern kann; die Meinung nimmt jedoch sofort richtende Formen an, sobald sie einen personifizierten Charakter gewinnt.
Ein Organismus, der vom Nektar des Himmels geschwangert wurde, ergreift keine Parteilichkeit.
Um den Einfluß des kosmischen Geistes zu empfangen, muss der Mensch nicht zum sexuellen Asketen werden. Er muss nur verstehen, wie er mit der Sexual-Kraft umgehen kann.
Wenn Mann und Frau sich paaren, verschmelzen zwei Pole einer Seele, d.h. das die Seele erst in diesem Augenblick ein Ganzes wird. Waehrend sie von einer Extase in die Nachste getrieben wird, muss der Mann lediglich darauf achten, dass er seinen Samen nicht verliert.
Wenn er dies durch seinen Willen steuern kann, koennen sich beide Wesen bis zur Erschoepfung lieben. Sie schlafen dann wie kleine Kinder, waehrend sich die Licht-Wesen der Astral-Welt um sie versammeln, um die Energie der Liebe aufzunehmen, die beide wie einen Duft von Blumen verstroemen.
Der Mann, der es versteht, seinen Samen zu bewahren, zu pflegen und zu transformieren, gleicht Krishna oder Shiva oder dem Welten-Herrscher, denn er leuchtet im Glanz seiner Kundalini-Shakti.
Nur so kann der Mann bewirken, dass in seiner Geliebten stets das Feuer der Liebe lodert. Er muss naemlich verstehen, dass das Feuer nie versiegen darf, weder in seinem Seelenpartner noch in ihm selbst.
Sobald dies der Fall ist, zerbricht die Liebe, und wo dies geschieht, war der Mann der Ausloeser dazu. Mit jedem Orgasmus "stirbt er einen kleinen Tod", bis er keine Kraft mehr besitzt und es ihm sogar Anstrengung bereitet, die gewoehnlichen Dinge des Alltags in den Griff zu bekommen.
Wenn Partner wirklich die Natur des anderen verstehen, koennen sie zum hoechsten kosmischen Mysterium, der sogenannten Unio Mystica, gelangen.
Sie koennen z.B. in natuerlicher Umarmung sowie in koerperlicherlicher Vereinigung den Prozess der Transformation einleiten, und in diesem Augenblick steigen beide Seelen tatsaechlich als Einheit zum Himmel auf: als das archetypische Ur-Bild der Liebenden.
Dies ist im Osten der Ursprung des Tantra. Das Wort "Tantra" stammt aus dem Sanskrit. Die Wurzel "tan" bedeutet "sich ausbreiten", waehrend die Endung "tra" den Sinn von "retten" hat.
Erst durch die Vereinigung von Maennlich und Weiblich, kommt es zur echten Ausbreitung oder Entfaltung des seelischen Potenzials, wodurch beide Seelen ihrer "Rettung" entgegeneilen.
Dies ist im Osten auch der Sinn der Dakini, die auf dem Schoß des Buddha hockt und sich koerperlich, seelisch und mental mit ihm vereinigt.
Wer seinen Partner wirklich liebt, versucht sich fuer ihn zur Bluete des "begierdelosen Begehrens" zu entwickeln. Es ist naemlich ein Unterschied, ob der Mensch als Resultat seiner sexuellen Triebe das Verlangen zur Vereinigung entwickelt, oder ob er seinen Partner begehrt, weil er in ihm das Erbluehen der eigenen Seele erkennt.
Wenn sich Mann und Frau verstehen, koennen sie koerperlich, astral und mental die unglaublichsten Dinge bewrken, waehrend sie die Moeglichkeit besitzen, sich in tiefster Umarmung mit der Natur ihres Selbst zu vereinigen.
Ein Verstehen, das durch Liebe gepraegt ist, benoetigt keine Worte, weil eine staendige emotionale und mentale Verbindung besteht. Liebende unterhalten sich in einer Sprache, die aus den lichten Ebenen der Astral-Welt stammt.
Hier bedarf es keiner Worte, denn jeder kann empfinden, wie sich der andere offenbart.
Darum kennt Liebe keine Geheimnisse.
Wo es Geheimnisse gibt, verschließen sich die Tore der Seelen.
Ploetzlich kann der Mensch nicht mal mehr erahnen, was sein Partner denkt.
Geheimnisse in der Partnerschaft bilden das Fundament zur Luege.
Wenn sich zwei Menschen lieben, muss niemand Angst haben vor Verletzung oder davor, dass er sein Herz nicht oeffnen kann. Die Natur des Herzens ist naemlich jene, das es sich einem Menschen, der es mit Licht durchtraenkt, wie eine Blume zuneigt.
All dies steigt in mir auf, wenn ich auf der Wiese liege und in den Himmel schaue, wo sanft die Wolken durch das Blau der Spaehre treiben.
Ich erkenne es als Wasser der Erde, das von der Sonne befruchtet wird, und ich danke meinem Avatar, dass er mir gezeigt hat, wie ich diesen Vorgang in mir selbst bewirken kann.
Und falls die Wolken sich aufloesen, tauche ich ein in die Transparenz des tiefen Blau´s, das sich zum Lichtmeer der Astral-Welt entfaltet, wo die Natur meiner Seele ihre Heimat hat.
Mit guten Gedanken
Anzeraq