Nachdem auch im vorigen Jahr wiederholt Weiße versucht haben, sich die Teilnahme an sakralen Zeremonien anlässlich indianischer Feierlichkeiten zu erkaufen, verkündete im Frühjahr Häuptung Arvol Looking Horse, in 19. Generation Bewahrer der heiligen White Buffab Calf Pipe, eine Proklamation zum Schutz des zeremoniellen Erbes:
Am 8. und 9. März 2003 sind die spirituellen Führer und Bündelbewahrer der Lakota, Dakota und Nakota Nationen, der Cheyenne Nation und der Arapaho Nation zusammengekommen, um darüber zu diskutieren, wie unsere Zeremonien vor Mißbrauch und Ausbeutung geschützt werden könnten. Das Treffen fand im Cultural Center von Eagle Butte, South Dakota, statt. Gastgeber waren die Cheyenne River Sioux. Ich möchte der Praine-Island-Dakota-Gemeinde für die Finanzierung des Treffens danken. Während unseres Treffens wurde über Störungen, die während unserer Zeremonien stattfinden, ungebührliche Nach-ahmungen, die Vermischung von New-Age-Elementen und finanzielle Be-rechnungen für Zeremonien gesprochen - Dinge, die in unserer gesamten uralten Zeremonialgeschichte nie vorkamen. Es wurde ferner über den Gebrauch ande-rer ,,Medizinen" - nämlich Drogen -während und im Umfeld von Zeremonien diskutiert.
Als uns einst White Buffalo Calf "Ptecin´cala Ska Wakan Winan" (Weiße-Büffel-Kalb-Frau) das heilige Bündel brachte, forderte sie, daß nur jene, die reinen Geistes und Herzen sind, die Chanupa berühren dürfen. Die Zeremonien, um die es geht, betreffen alle Plainsstämme. Es handelt sich um die Inipi (Reinigungszeremonie), Wi-wanyangwa-c'i-pi (der Sonnentanz) und Han-ble-c'i-ya (die Visionssuche).
Nach ausführlichen Diskussionen und Stellungnahmen über die Besorgnisse und die beschriebenen Vorfälle wurde entschieden, daß ich, der Hüter der heiligen White Buffalo Calf Pipe, für alle sprechen solle. Es war ein gutes Gefühl, den Beginn einer Einigkeit unserer Völker zu spüren. Darum habe ich mich jahrzehntelang bemüht ... Wir müssen mit gemeinsamer Stärke hinter unseren Zeremonien stehen!
Ich werde meine Entscheidung jetzt verkünden und begründen. Ich werde über unsere Sieben Heiligen Riten sprechen, deren Protokolle mir übergeben wurden, als ich im Alter von 12 Jahren zum Hüter der Heiligen Pfeife wurde. In diesen Protokollen ist unser traditionelles Wissen niedergelegt, das mündlich durch die Generationen weitergereicht wurde. Wir müssen uns darauf besinnen, um unsere sakralen Altäre (Ho-c'o-ka) wieder zu stärken. Ich wende mich dabei auch an jene Gebiete, in denen ich keine Verantwortung trage. Ich bin zuständig für die Sieben Heiligen Riten.
Ich habe entschieden, daß vom 9. März 2003 an es keinem Nicht-Indianer mehr gestattet ist, sich unseren heiligen Altären zu nähern, wo immer unsere Sieben Heiligen Riten betroffen sind. Der einzige rechtliche Schutz, den uns die Regierung in dieser Frage bietet, ist das Gesetz, das es nur eingeschrie-benen Stammesmitgliedern erlaubt, Adlerfedern zu tragen.
Alle Sieben Heiligen Riten aber, wie es uns überliefert ist, verlangen von den Teilnehmern, daß sie sich Adlerfedern verdient haben und diese tragen. Die Adlerfeder steht für das Wissen unserer Völker und die Führung auf unseren spirituellen Wegen.
Die Wi-wanyang-wa-c'i-pi (die Sonnentanzzeremonie):
Die einzigen Teilnehmer, denen es gestattet ist, daran teilzunehmen, sind Indianer. Nicht-Indianer müssen diese Entscheidung verstehen und respektieren. ... Wir wollen, daß der Sonnentanz in erster Linie und vor allem für künftige Generationen bewahrt wird. Nicht-Indianer, die dieses Ziel verstehen, werden diese Entscheidung verstehen und begreifen, daß ihre Entfernung von unserem heili-gen Altar einen ehrlichen Beitrag für das Oberleben dieser Zeremonie für kommende Generationen darstellt.
Jeder sollte verstehen, daß die Wi-wanyang-wa-c'i-pi Zeremonie nicht nur in der Mitte des Platzes stattfindet, wo sich der Altar mit den Tänzern befindet. Auch alle Unterstützer abseits des Mittelpfahls, die sich im Gebet befinden, spielen eine Rolle in der Zeremonie. Vom Tor über die Kochhütte bis zu den Feuerbewahrern und den Unterstützern rings um den Baum, sogar bis zum Mond-Lager sind alle Anwesenden Teil dieser heiligen Zeremonie.
Wer am Sonnentanz teilnehmen will, sollte sich zuvor durch die Visionssuche (Han-ble-c'i-ya) vorbereiten
Die Vorbereitungen des Tanzes werden nach den alten Protokollen durchgeführt, die das Verhalten vor und wahrend der Zeremonie beschreiben. Nur diejenige, die den Traum oder die Anweisung empfangen haben, an der Zeremonie teilzu-nehmen, weil sie um die Gesundheit eines anderen besorgt sind, sollten tanzen. Die Tänzer sollten von anderen Teilnehmern an der Zeremonie abgesondert werden, um nicht durch die Energie oder Gedanken anderer Menschen geschwächt zu werden. Sie sollen während der viertägigen Zeremonie keinerlei Nahrung oder Wasser zu sich nehmen. Falls sie gesundheitliche Probleme befürchten, sollen sie eine Person aussuchen, die ihre Verpflichtung übernehmen und beenden kann. Diese Zeremonie soll aber jenen vorbehalten sein, die glauben, daß sie die erforderlichen vier Tage teilnehmen können.
Han-ble-c'i-ya (Visionssuche):
Die Visionssuche soll ausschließlich Indianern vorbehalten sein, die einen entsprechenden Traum oder eine Vision hatten. Ferner ist dieser Ritus für junge Männer und Frauen gedacht, die das Alter von 12 Jahren erreicht haben.
Inipi (Reinigungszeremonie):
Wer diesen heiligen Ritus durchlaufen will, sollte imstande sein, mit Tun-ka´shila (unseren Heiligen Großvätern) in ihrer Stammessprache zu kommunizieren.
Das Recht an der Teilnahme sollen sie sich durch ein vollständiges Han-ble-c'i-ya -Ritual und die viertägige Teilnahme am Wi-wanyang wa-c'i-pi verdienen.
Die anderen vier heiligen Riten, das Verwandschaftmachen (Hun-ka ka-g'a), das Werfen des Heiligen Balls (Tapa kah'-g'o-ya), die Frauwerdungszeremonie (Wi-yan is' na ti), die Geistbewahrungszeremonie (Na-g'i glu-ha) sollen ausschließlich legitimierten Lakota, Dakota und Natkoka vorbehalten sein.
Ferner wurde entschieden, daß ausschließlich legitimierte Lakota-, Dakota- und Nakota-Medizinbündelbewahrer die Zeremonien durchführen dürfen, die mit unseren Altären in Verbindung stehen, also etwa die Lo-wa-pi- und die U-wi-pi-Zeremonien.
Es darf keinen Preis dafür geben, an einer unserer Heiligen Zeremonien teilnehmen zu dürfen. Nur das benötigte o-pa-g'i darf angeboten werden, das bedeutet ein Opfer einer Chanupa oder des Tabaks, mit dem gebetet wird...
Medizinpersonen müssen leben, und wenn Menschen ihnen Geld oder andere Geschenke anbieten, nachdem ihnen durch eine Zeremonie geholfen wurde, und wenn es von Herzen kommt, sehen wir darin kein Problem. Wir vertrauen darauf, daß die Großväter uns helfen werden, den Lebensunterhalt in dieser modernen Gesellschaft zu bestreiten, entweder durch Geld, Pferde, Decken, Lebensmittel oder anderes, das zeigt, wie sehr unsere Hilfe geschätzt wird. Einige Menschen können große Geschenke geben, andere können das nicht - es gleicht sich alles aus.
Meine Haltung betrifft nur die Sieben Heiligen Riten. Ich kann unseren Medizinleuten nicht vorschreiben, wem sie die Teilnahme im Hinblick auf Nicht-Indianer erlauben. Ich kann ihnen nicht vorschreiben, ob sie Ärzte bei ihren Zeremonien zulassen. Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, wohin sie zu einem Arzt gehen.
Ich habe meine persönliche Meinung darüber, wer der Hüter unserer Heiligen Pfeife (Chanupa) sein sollte. Die Chanupa ist sehr heilig, und der Bewahrer sollte durch einen Traum bestimmt werden und von indianischer Herkunft sein. ... Grund für meine Sorge ist, daß mir bewußt ist, daß die Chanupa eine internationale Bedeutung erhalten hat und zum Geschäft geworden ist. Ich weiß, daß die meisten Nicht-Indianer unsere grundlegenden Überlieferungen nicht verstanden haben. Ihnen fehlt auch der traditionelle Hintergrund, mit diesem heiligen Gegenstand richtig umzugehen. Mir ist bewußt daß es menstruierenden Frauen und Männern, an deren Händen Blut klebt (weil sie einem anderen das Leben ge-nommen haben) erlaubt wurde, die Chanupa zu berühren und zu tragen. Derartiges hätte nie erlaubt werden dürfen. Ich drücke meinen Dank jenen Nicht-Indianern aus, die die Chanupa an unser Volk zurückgegeben haben, nach dem ich ihnen meine Besorgnis mitgeteilt habe. Ich erkenne ihre Aufrichtigkeit an, unseren Nationen zu helfen, ihren traditionellen Weg im Namen unserer künftigen Generationen zu bewahren. Sie haben uns geholfen, Ehre und Respekt für unsere heiligen Ho-co-ka und Chanupa zurückzugewinnen.
Es wird ein weiteres Treffen zum Schutz unserer Zeremonien mit Diskussionen und Reden über diese ernste Angelegenheit geben. Dieses Treffen wird von der Cheyenne-Nation gefördert werden...
Im Heiligen Ring des Lebens, wo es weder Anfang noch Ende gibt!
Mitakuye Oyasin.