oh du mein mund, schweig still.
schweig still.
auch wenn das herz schier überquellen will.
pathetisch?
ja, absolut.
manchmal brauchts halt auch ein bissle pathos, ein bissle schwulst, ein bisschen übertriebenheit, um die einfachheit der sache zu unterstreichen.
das thema trag ich jetzt schon ein paar tägle so mit mir rum.
ausgelöst durch einen thread in einem anderen forum, wo es um schattenarbeit geht.
darum solls hier jetzt aber nicht gehen - nicht um schattenarbeit.
es soll ums schweigen gehen.
ums stille sein, auch wenn eine fast übergeht von dem, was sie erlebt hat. teilen möchte, mitteilen möchte, es in die welt schreien möchte ... und damit alles kaputt machen würde, was sie mit dem erreicht hat, über das sie erzählen möchte.
schon relativ früh, als ich begann mich mit
magie und dergleichen zu beschäftigen, war die situation so, daß im umfeld niemand da gewesen wäre, um darüber zu sprechen. (heut sag ich "was ein glück" *gg*)
und so mußte viel, sehr viel, erlebtes unerzählt bleiben.
als ich dann anfang 20 kontakt mit menschen bekam, die sich ebenfalls für derlei interessierten, wurde ich recht rasch mit dem prinzip des schweigens konfrontiert.
wer kennts nicht? "wisse, wolle, wage,
schweige!"
grad anfangs hatte ich dieses "schweige" als ganz schlimme einschränkung gesehen, die mich von den wahren hintergründen abhalten sollte.
erst viel später begriff ich, was dieses "schweige" eigentlich wirklich bedeuten sollte.
das war zu dem zeitpunkt, als ich meinen schamanischen lehrer traf.
nicht nur, daß er oft auf so manche meiner fragen mit schweigen und lächeln reagierte(was mich zutiefst ärgerte aus dem grund, den ich oben angeführt habe. bis die dinge passierten, die wohl jeder ernsthaft arbeitende kennt. die dinge, wo es einem dann einfach an worten fehlt, wo man nicht mehr jemanden etwas erklären kann, wenn dieser nicht die erfahrung selber gemacht hat. *o-t*) machte er mich auch mit dem prinzip des schweigens bekannt aus dem grunde der kraft- und machtgewinnung und -erhaltung.
kraft löst sich sehr schnell auf, wenn man über die ereignisse spricht, durch die man sie gewonnen hat. kraft und macht gehen verloren, wenn man darüber plappert und plaudert gegenüber unverständigen.
es hat einige zeit gebraucht, bis ich das verstanden habe und noch einiges gedauert, bis ich gelernt hatte, das maul zu halten, auch wenn das herz übergeht.
zu meinem glück, muß ich sagen, waren da so ziemlich von anfang an meine verbündeten in bereitschaft, und haben mir den mund zugehalten ... oft genug im wahrsten sinne des wortes, wenn ich grad wieder überschwänglich menschen, die eigentlich nix damit anfangen konnten, erzählen wollte, um was es eigentlich geht und wie ich es erreicht hätte.
da sind schon mal grundlos glühbirnen zerplatzt, übertöpfe von tischen gesprungen und mit knall am boden zerdeppert und ähnliches ... so schrecksachen waren halt notwendig, um mir deutlich zu machen, daß jetzt jedes weitere wort zuviel wäre.
*gg*
dem prinzip des schweigens zur kraft- und machterhaltung bin ich dann im laufe der zeit auch in anderen ausbildungen begegnet.
das letzte mal z.b. beim mantraheilen.
beim rezitieren von heilmantras passieren oft die seltsamsten dinge an einem selber. etwas, das mich sehr verblüffte, und über das ich eigentlich in meinem blog berichten wollte, der für mich recht oft zur selbstreflektion dient.
in dem fall kam ein striktes "nein, bloß nicht" von meinem tibetischen lehrer.
grund: "damit zerstückelst du die macht, die kraft, die du durchs rezitieren gewonnen hast" - wieder dasselbe, das ich bereits vor jahren von einem anderen lehrer zu hören bekam.
und - die eigene erfahrung zeigts - es stimmt.
wie schnell verflüchtet sich kraft, wenn man über deren gewinnung spricht, einzig dadurch, wie andere menschen mit dieser erzählung umgehen, wie sie darüber sprechen, fragen oder denken.
grade im schamanischen ist aber persönliche kraft- und machtgewinnung und -erhaltung ein wesentlicher teil, um möglichst gut zu arbeiten.
nur wenn man genug kraft und macht besitzt, kann man gegen diverse gegner(krankheitsgeister, etc.) erfolgreich antreten.
nur mit genug kraft und macht kann man widerstehen und nicht selber unterliegen (u. vll. dann selber erkranken oder gar sterben).
oh du mein mund, schweig still.
schweig still.
auch wenn das herz schier überquellen will.
schweige!
lucia