Hallo Animalspirit!
Mit dem Thema befass ich mich jetzt schon ein Weilchen. Dazu ist zu sagen, dass taugliche Quellen in die Vergangenheit sehr dünn gesät sind. Regional rede ich jetztmal vom nördlichen Europa, von dem ich hier grade an der unteren Grenze sitze. Es ist ein bischen was vom Glauben überliefert aber Praktiken nicht wirklich. Zu nennen sind da die isländischen Sagas und die Edda, bei beiden ist zu bedenken, dass sie zu einer Zeit geschrieben wurden, als das Christentum schon etabliert war und wie schamanische Praktiken und Kirche zusammenpassen, das wissen wir ja

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Jedenfalls sind beide Werke nicht als Prtokoll oder Dokumentation, sondern als Unterhaltungsliteratur geschrieben worden. Aber zurück zu besagten schamanischen Praktiken. Wenn man da recherchiert, stößt man unweigerlich auf die altisländische Saga von Erik dem Roten und der Seherin Thorbjörg aus Grönland. Einfach mal googeln, da sit eine nette Beschreibung zu finden.
Zu den Begriffen: "Seher/in" ist da für unsere Breitengrade sicher geeigneter. In Island haben sich die alten Bräuche noch am Längsten gehalten, deswegen ist auch in der Sprache (zumindest wohl altisländisch) noch viel zu dem Thema erhalten. Da gibt es das Wort spà oder spae, was soviel wie spähen bedeutet. Auch wenn es sicher auch männliche Seher gab, hier die Begriffe für die Seherin: spàkona (kona = weiblich) oder auch Völva (übersetzt Stabträgerin). Was ist mit dem Stab gemeint? Um damalige Praktiken zu verstehen oder zu rekonstruieren, muss man den Glauben der Menschen damals verstehen. Ich erspare mir jetzt mal die nordische Kosmologie samt Götter, ist ja alles nachzulesen, nur soviel: die Seherin reiste wohl zur Weltenesche und von da in die entsprechende Welt. Weltenesche Yggdrasil=Baum=Stab. Dabei sind besonders 3 Welten zu nennen, einmal Helheim, die Unterwelt, in die gereist wurde, um die Ahnen/Verstorbenen zu befragen, Vanaheim mit Freyja, welche weissagen kann und wahrscheinlich oberste Göttin war, bevor die Asen dazukamen und Asgard mit Odin, der die Weissagekunst von Freyja gelernt hat. Außerdem sind die Nornen zu nenne, die sicher auch befragt wurden, denn schließlich sind sie die Schicksalsgöttinnen. Es ist überliefert, dass gerade die Verstorbenen ein wichtiger Anlaufpunkt waren, was ich sehr interessant finde, denn auch heute noch sind Medien, die Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen, sehr beliebt. Steckt wohl im morphogenetischen Feld.
Es gab sicher gewisse Rituale, vielleicht spielten Gesänge, Runen, Bewegung, Trommel eine Rolle - man weiß es nicht sicher - um in die Trance zum Reisen zu kommen. Aber auch hier muss man das Rad nicht neu erfinden, die menschlichen Gehirne sprechen überall auf der Welt auf die gleichen Dinge an. Die Kleidung war sicher eine andere, wie bei den asiatischen Schamanen, wobei es vielleicht bei den Samen oben Ähnlichkeiten gab, denn von dort gibt es ja die verbindung zu den sibirischen Schamanen.
In einigen Texten gibt es Andeutungen wie "unter dem Umhang gehen", vielleicht hat der seher, die Seherin einen Umhang oder Schleier über sich gelegt, um sich abzuschirmen und die entsprechenden Ratgeber zu befragen.
Da die Quellen sehr vage sind, ist es an die heutigen Seher, bzw. Schamanen hier, ihren eigenen Weg zu finden, Kontakt aufzunehmen. Es gibt da inzwischen sogar verschiedene größere Bewegungen. 2 will ich mal nennen. Zum einen die Gruppe Hrafnar in Amerika, in der z.B. Diana Paxson (Schriftstellerin) mitwirkt. Aus diesem Kreis hat Jeny Blain das Buch "Seidr" zum Thema geschrieben.
Dann die Gruppe Yggdrasil in Schweden, über deren Arbeit Galina Lindqist geschrieben hat (hab die Bücher aber bisher nur in englisch gesehen).
Beide Gruppen arbeiten nach dem Prinzip, dass eine oder mehrere Seherinnen/Seher unter den Umhang gehen und entweder Fragen für ein Puplikum beantworten oder Antworten für eine bestimmte allgemeine Fragestellung holen. Bede Gruppen haben da so ihre Techniken. Dabei werden aber alle Teilnehmer auf verschiedene Art mit eingebunden.
Aber das ist sicher kein Muss, es gibt sicher auch Viele, die alleine für sich arbeiten.
Ich möcht zu dem Thema auch noch das Buch "Seidwärts" von Jan Fries anmerken. Ich habe es selbst nicht gelesen, aber da geht's auch um dieses Thema.
Zu den Begrifflichkeiten nochmal: Wenn man sich mit dem Thema befasst, landet man unweigerlich bei dem Begriff Seihr/Seidh/Seidr. Das ist auch altisländisch und bedeutet sieden. Wenn man sich mit den Quelltexten befasst, kommt man allerdings zu dem Schluß, dass Seidh
Magie bezeichnet und vom Völventum klar getrennt wird! Mag sein, dass heute Menschen beides praktizieren, aber damals war das nicht üblich. Entweder Seher/in oder Magier/in! Den Schamanen, wie wir ihn hier vestehen stecke ich dabei aber eindeutig in die erste Schublade! Denn ja, es wurde dort (in der Anderswelt) nicht nur geschaut, sondern auch was bewirkt. Allerdings nicht wie bei der Magie. Und auch die Magie war damals eine andere als heute. Die Magie, wie wir sie hier und heute kennen, stammt aus der Richtung Ägypten. Einige Stichworte dabei sind Okkultismus, Hermetik, Rituale...
Die Germanen hatten aber ein völlig anderes Verständnis von der Welt! In der Magie wurden keine Götter oder andere Wesen herangezogen oder gar in Dienst gestellt. Es ging eher um pragmatische, empirische, naturwissenschaftliche Beobachtungen. Die Kräfte, die die Welt beeinflussen, wurden verändert. Wie genau das vonstatten ging, weiß ich auch nicht, da forsche ich selbst grad dran, denn wie gesagt, Quellen gibt es im Grunde nicht. Also nix mit einfach lesen und nachmachen, sondern harte geistige Arbeit, reisen, fragen, Logiklücken füllen, usw

... Aber um Magie geht es hier ja auch nicht.
Ich stelle immer mehr fest, dass es für Vieles auch deutsche Begriffe gibt und das alleine finde ich schon klasse! "Draußensitzen", "unter dem Umhang", "der doppelte Blick", "Seher/in" usw... Das ist doch schon mal was!
Und weil's ja um Persönliches geht, noch kurz überrissen: ich selbst bin seit meiner Kindheit auch andersweltlich unterwegs und hab mir das bis heute bewahrt. Und ich mache immer mehr draus! Denn es fällt mir leicht, dort hin zu gelangen und auch, dort Kontakte zu knüpfen und was zu bewirken. Also tue ich es! Ich hab gemerkt, dass der Schamanismus in der traditionellen sibirischen Richtung mich schon anspricht, aber nicht zu 100% meins ist. Aber wie ich feststellen durfte, ist es der nordeuropäische Schamanismus, das Völventum, absolut! Momentan lerne ich noch das drumrum und wie ich es ausbauen kann und wie ich anderen noch besser damit helfen kann, bzw. wie ich das, was 'eh schon immer tue, den Menschen vermitteln kann, damit sie es nicht nur verstehen, sondern meine Arbeit auch für sich nutzen können. Ich arbeite sozusagen an dem öffentlichen Rahmen für das Ganze.
Liebe Grüße, Sharii Weißschnauze