Zitat:
Zitat von Yona
In meinem Ehrenamt der Hospizarbeit/Sterbebegleitung bin ich vielen verschiedenen Menschen begegnet. Egal, ob gläubige Christen, atheisten oder auch Kinder, alle hatten eines gemeinsam: Als die Zeit begann, in der man merkte, dass es mit dem jeweiligen Menschen nun rapide Berg ab ging und es nicht mehr lange dauern wird, bis er in den Sterbeprozess kommt, in dieser Zeit begann jeder der Menschen, selbst jene, die ihr Leben lang gottlos und atheistisch gelebt hatten, zu Gott zu sprechen und zu beten.
Das war jetzt nur die Kurzfassung davon, aber das Gesamtergebnis bei meinen Beobachtungen ist wohl eindeutig: Egal ob gläubig oder atheistisch, am Ende findet man automatisch den Weg zu Gott. Entsprechend hatte sich auch meine Anfangsfrage beantwortet, dass jene, die den Weg mit Gott gehen, den eigentlichen "erfüllten" Weg beschreiten. Und, in dieser Erkentnis bin ich mir auch deshalb so sicher, weil ich selbst den "gottlosen" Weg gewählt hatte und somit nicht als Christ spreche.
Vielleicht hat jemand ähnliche- oder gegenteilige Erfahrungen gemacht...
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Hallo,
psychologisch läßt sich dies gut nachvollziehen.
Wir sind es gewohnt einen Körper zu haben,
der uns durch das Leben trägt und
der unserem Ich Ausdruck verleiht.
Und genau das endet.
Die Situation, dass man in Kürze sterben wird,
wir Alles wirklich Alles zurücklassen, was uns so lieb war,
ist Tragik pur und kann von schweren Gefühlen begleitet werden,
wie Hilflosigkeit, Verzweiflung und Angst.
Wenn wir unseren Halt verlieren, dann suchen wir
nach Etwas was uns Zuversicht und Halt gibt.
Und Gott eignet sich gut dazu.
Es mag gut sein, zu Lebzeiten diesen Halt auszubauen,
um in schweren Zeiten Frieden im Innen zu finden.
Aber vielleicht tut es auch not,
dass wir uns mit dem Tod aussöhnen,
dem Tod den Schrecken nehmen.
Den größten Schrecken hat der Tod,
weil wir in Ungewissheit leben,
was nach dem Tod passiert
und wir verdrängen die resultierende Angst
der Ungewissheit so gut es uns möglich ist,
bis es irgendwann nicht mehr möglich ist zu verdrängen,
weil der Tod unausweichlich auf uns wartet.
Dieser Ungewissheit muss Jeder selbst begegnen
und diesen Durst nach Wissen bestmöglich stillen,
um nicht in Angst und Panik zu verfallen,
wenn die Zeit gekommen ist.
Ich denke, dass die ehrenamtliche Arbeit
in der Sterbegleitung nicht nur edel ist,
sondern sehr wohl geeignet ist,
um den Tod mit anderen Augen zu sehen.
Was Gott betrifft, gibt es Kulturkreise,
die sehr wohl ohne einen Gott auskommen
und dem Tod in Frieden entgegensehen können.
Dies liegt widerum daran, dass diese Leute
es halt geschafft haben, sich mit dem Tod auszusöhnen.
Ich arbeite an meiner Ungewissheit regelmäßig.
An diesem Punkt meines Lebens ist meine Überzeugung,
dass ich wie jedes Wesen und jedes Ding
nie getrennt von Gott war und das Gott
nicht ein losgelöstes Wesen ist,
sondern die Gesamtheit allen Seins,
dass alles Leben komplett durchdringt und erfüllt.
Ich bin ein Teil dieser Gesamtheit.
Was sich im Tod ändert ist,
dass ich die Trennung,
die mein Ich so gern produziert,
mit einem Schlag wegfällt und erkenne,
dass wir Alle zusammengehören.
Ich kehre zurück woher ich kam,
um irgendwann in einem anderen Leben,
die Wunder des Lebens weiter zu studieren.
Wir können dieses Gefühl tiefer Verbundenheit,
dem was der Wirklichkeit viel eher entspricht,
bereits zu Lebzeiten spüren,
z. Bsp. wenn wir einem Menschen, der bald gehen muss
unser tiefstes Mitgefühl und unsere Liebe schenken.
Und ich denke, dass man dies im Hospiz sehr gut praktzieren kann.
Liebe Grüße
Stefan