Seit ca. 15 Jahren treffen sich im Zuge eines zunehmenden Interesses am
Esoterik, mystischer Romantik und neuem Brauchtum immer mehr Besucher zu bestimmten Tagen an den Externsteinen (Ostwestfalen); Nähe Detmold, bei Horn Bad Meinberg.
Zuerst nur wenigen Insidern bekannt, hat sich fast ausschließlich über Mundpropaganda - neuerdings auch über das Internet - eine mehrtausendköpfige Community gebildet, die in rätselhafter Eigendynamik regelmäßig die Externsteine aufsuchen.
Wann und was wird gefeiert?
Hauptfest ist Walpurgis am 30.4. in der Nacht auf den ersten Mai. Im Grunde handelt es sich um das neuentdeckte, adaptierte keltische Fruchtbarkeitsfest Beltane/Beltain. Im deutschsprachigen Raum im Mittelalter zum "Hexenfest" mutiert, ist es die Hauptattraktion an den Externsteinen, zumal der nächste Tag immer ein Feiertag ist; bei gutem Wetter kommen mehrere tausend überregionale Besucher.
Sommersonnenwende (Solstice) am 21.6. als der längste Tag des Jahres ist ebenfalls Besuchermagnet. Der ursprünglich weitverbreitete Brauch ist in der Gegenwart eher aus Skandinavien bekannt. Falls der 21. in die Woche fällt, sind an den Wochenenden vor und nach dem 21. zahlreiche Personen vor Ort.
Zu Hallow'een (Samhain), den Tag- & Nachtgleichen (Frühling/Herbstanfang) und der Wintersonnenwende finden sich - wetterbedingt - weniger Besucher ein.
Wie gestalten sich die Festivitäten?
Nähert man sich von den Parkplätzen der Peripherie der Felsgruppe, fällt als erstes ein Soundteppich hunderter Trommeln ins Ohr. Dichter Lagerfeuerrauch hängt im Talkessel. Hat man das große Waldareal durchquert, erblickt man auf der Wiese direkt unter den Felsen eine regelrechte Zeltstadt und ein bunt gemischtes mehrtausendköpfiges Publikum, welches sich in den letzten Jahren etwas Richtung Mainstream bewegt hat. Waren die Feste früher nur spirituell-esoterisch Interessierten bekannt, so findet man heute neben den neuheidnischen Gruppierungen mit schamanistischem Selbstverständnis auch ein ganz allgemeines Publikum.
Ein beeindruckender Blick auf das bunte Treiben erschließt sich von den Aussichtsplattformen der Externsteine (die Plattform des Haupfelsens ist nach Einbruch der Dämmerung aus Sicherheitsgründen nicht immer zugänglich).
Mit zunehmender Dunkelheit wurden in den letzten Jahren Lagerfeuer, hunderte Fackeln und unzählige Teelichter entzündet, die bengalisch illuminierte Felskulisse mit den vielen die Steine einrahmenden Lichtakzenten ist ein phantastischer Anblick, für den allein sich der Besuch lohnt! Nach Meinung vieler macht dies auch den Hauptreiz der Feste aus.
Leute versammeln sich um Feuer und tanzen zum vorerst monotonen Percussion- & Didgesound. Poi Dancer schwingen Ketten mit Fackeln. Feuerspucker besteigen die Felsen, Feuerkugeln erleuchten blitzartig die Nacht. Didgeridoos brummen, Obertongesang verhallt in den Felsgrotten. Mehr Trommler finden sich zu einem gemeinsamen Rhythmus, der bald eine interessante Dynamik zeigt: Erst erklingen einige wenige Djemben, Bongos steigen ein, immer mehr Percussion variiert den Sound, einige Leute steigen aus, wandern zu anderen Lagerfeuern ab und improvisieren einen neuen Rhythmus. Trotz des stetigen Geschwindigkeits- und Taktwechsels stellt sich bald eine regelrecht massenhypnotische Wirkung ein.
Jeder, der einmal eine solche Frühlings- oder Sommernacht an den Steinen mit dem hypnotischen Rhythmus der Trommeln unter funkelndem Sternhimmel vor der von Lagerfeuern bengalisch illuminierten Felskulisse erlebt hat, jeder, der das wilde Treiben der Feuergaukler auf sich hat wirken lassen, der findet sich wieder zu den Festen ein. Archaische Romantik pur.
Die Bedeutung der Externstein-Anlage ist bis heute nicht umfassend geklärt; gesichert ist: Die Externsteingrotten wurden im Mittelalter eine gewisse Zeit als Einsiedelei genutzt. Von überragender kultureller Bedeutung ist das in Mitteleuropa einzigartige romanische Kreuzabnahmerelief, in dem die Konfrontation der Sachsen mit dem Christentum dargestellt sein könnte. Möglicherweise waren die Externsteine in vorchristlicher Zeit Kultstätte der Sachsen; evtl. sogar Standort des Stammesheiligtums "Irminsul". Noch älteren Datums könnte eine Nutzung der Externsteine als astronomisches Observatorium im Rahmen eines Sonnenkultes sein (s. Spiegel 48; 2002) .
Die Kontroverse zu Datierung und Zweck der Anlage hält an; überspitzt formuliert: Tendenziöse Expertenmeinungen trifft abstruse Laienforschung.
Sehenswert:
Solange das Sazellum/Observatorium/Höhenkapelle tagsüber zugänglich ist, sollte man auf jeden Fall einmal hochsteigen: Die Anlage ist einzigartig.
Ebenso einzigartig: Das Kreuzabnahmerelief.
Bei Einbruch der Dämmerung lohnt sich ein Blick vom Kamm des Knickenhagen bzw. von der 2. Aussichtsplattform auf die von Lagerfeuern beleuchtete Zeltstadt.
Poi Dance & Feuergauklerei: Zuschauermagnet
Hot Spots der Feste:
Grottensystem: Beliebt bei Obertonsängern und Didgeridoospielern für Schall & Hall.
Steinsarg: Die menschliche Konkavform läd zu einer Liegeprobe ein.
Das jeweils größte Lagerfeuer: Da spielt die Musik.
CAVE: Es handelt sich um unorganisierte & unkommerzielle, eigendynamische Events. Alle obige Angaben beruhen auf Erfahrungen der letzten Jahre. Alle Infos natürlich ohne jede Gewähr! Jeder Besucher sollte beachten: Keinen Müll liegen lassen; kein Feuerholz schlagen!: Offenes Feuer bis auf ein Lagerfeuer ist offiziell nicht gestattet. Das Externsteinareal ist NSG; die Forstverwaltung war in der Vergangenheit jedoch immer recht kooperativ und hatte das Zelten für eine Nacht auf der Wiese unterhalb der Steine toleriert und gel. Feuerholz zur Verfügung gestellt. Jeder sollte durch sein Verhalten dafür sorgen, daß die Externsteinfeste erhalten bleiben!
Wie lange die Feste in der jetzigen Form fortbestehen ist ungewiss; Müll- oder sonstige Exzesse könnten über kurz oder lang zu restriktivem Verhalten seitens der Verwaltung führen!