bei den Unmengen unterschiedlichster Interpretationen von Bibeltexten, die im Laufe von über 1600 Jahren und durch Milliarden unterschiedlichster Menschen entstanden sind, würde ich zunächst mal fragen: wie glaub-würdig erscheint mir diese oder jene Interpretation? Und gibt es Interpretationen, die ich noch nicht kenne, mit denen ich aber vielleicht mehr anfangen könnte?
Andererseits empfinde ich gerade das als DAS Geniale an der Bibel -was sie in meinen Augen zum Buch der Bücher gemacht hat: dass sie so viele, immer jeweils dem Interpretierenden gemäße Interpretationen zulässt und in den meisten Interpretationen immer noch ein Stückchen förderlich wirkende Wahrheit enthalten ist.
Das könnte daran liegen, dass im Kern so übermäßig viel Wahrheit dahintersteht, dass in einem Maße verschwenderisch damit umgegeangen werden kann, wie mir das von keinem anderen Buch bekannt ist.
Und Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Hintergründen fühlen sich gerade so angesprochen, wie es ihrer Momentanen Entwicklungssituation entspricht.
So gesehen ist die Bibel in meinen Augen das genialste Buch - so tiefgreifend genial, dass ich behaupten möchte, dass kein Menschenhirn sich so etwas ausdenken konnte, dass dazu spirituelle Inspirationen von weitaus intelligenteren Geistwesenheiten nötig waren.
Zur Eingangsfrage:
Es wurde unübersehbar viele Götter verehrt, weil die Menschen in alten Zeiten unzählige Geistwesenheiten als real erlebten
darin verloren sie sich so, dass sie nicht in ausreichendem Maße zu sich selbst, zu selbstverantwortlichem Selbst-Bewusstsein kommen konnten (mal von den höchsten Eingeweihten, die dazu eine spezielle jahrelange Schulung durchmachen mussten, abgesehen).
Um deutlich, kraftvoll und authentisch das Ich-Bin erleben zu können, war es notwendig, sich auf einen Gott zu konzentrieren.
Etwas platt ausgedrückt käönnte man das als "pädagogische" Maßnahme der geistigen Welt bezeichnen.
Heutzutage droht die Verdichtung des Einzelnen in das Gegenteil umzuschlagen: verkrampfter, verhärteter Egoismus und rücksichtslose Selbstbezogenheit. Aber auch ein Aufgeben der über Jahrtausende so mühsam errungenen Konzentrationsfähigkeit auf ein Zentrum/Punkt (was nicht bedeuten soll, dass es immer das eigene sein muss).
So haben wir heute ein buchstäblich spannendes, äußerst interessantes Spannungsfeld, in dem sich -und uns- zu entwickeln wirklich Neues verspricht, aber auch die Möglichkeit besteht, dass man in das eine oder andere Extrem so weit hineingeht, dass man darin hängen bleiben kann.