Hallo Leute,
in letzter Zeit beschäftige ich mich mit den weiblichen Aspekten in der Spiritualität. In den alten Religionen wurden die weiblichen Aspekte Gottes in der Göttin Isis oder der Mondgöttin dargestellt. Auch im Alten Testament der Bibel (weiß jetzt leider nicht genau wo) gibt es die Aussage, daß uns "Gott ein Vater ist, aber mehr noch Mutter". Leider sind solche Schriftstellen nur wenig bekannt und geraten in Vergessenheit. Vielleicht liegt es auch daran, daß die meisten Menschen Probleme damit haben, Gott könne möglicherweise ein bisexuelles Zwidderwesen sein. So entwickelte sich das Christentum dahingehend, daß die Vaterrolle von Gott-Vater übernommen wurde und die Mutterrolle mehr und mehr auf die Jungfrau Maria überging. Ein einschlägiger katholischer Theologe sagte einmal: "Wer einen Vater hat, muß auch eine Mutter haben". Was er damit meinte, ist, was heute noch offizielle Lehre der RKK ist: Gott-Vater mit Christus als Urbild ist genauso unerlässlich wie die Mutter Kirche mit Maria als Urbild.
Im Zuge der Reformation wurden diese Zusammenhänge aber immer weniger verstanden. Man verwarf die Marienverehrung als unbiblisch und kam folgerichtig auch zu einem neuen Kirchenverständnis. Die Mutter (das Weibliche) wurde zum Opfer der in vielen Dingen berechtigten Reformation.
Heute erkennt man dieses, aber das Kind war schon zu tief in den Brunnen gefallen um das Rad der Zeit nochmal zurückdrehen zu können. Man versucht nun das fehlende weibliche Element in der Religion durch ein modernes Emanzipationsverständnis im Pastorenamt zu kompensieren. So politisch korrekt wie aus heutiger Sicht eine Gleichberechtigung der Frau im Pastorenamt auch sein mag, die durch die Reformation verlorengegangene weibliche Spiritualität kann so nicht mehr zurückgeholt werden.
Mein Fazit, welches ich zur Diskussion stelle könnte also folgendermaßen lauten:
Nichts ist so wie es anfänglich scheint. Während in der katholischen Kirche eine augenscheinliche Männerdominanz durch die Würdenträger vorherrscht, gibt es dennoch eine ausgeprägte weibliche Spiritualität in weiten Kreisen des gläubigen Kirchenvolkes.
Während in der evangelischen Kirche eine augenscheinliche Gleichberechtigung der Geschlechter und Demokratisierung der Kirche vorherrscht, wird dennoch oftmals einseitig Gott-Vater gepredigt.
Soweit erstmal meine Gedanken zu diesem Thema.