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Religion, Glauben & Spiritualität

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Alt 07.09.2008, 14:55   Ungerechter Mammon? Beitrag #1 (permalink)
Marjul
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Ungerechter Mammon?

Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 16
Das Gleichnis vom klugen Verwalter
1 Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
2 Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
3 Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
4 Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
5 Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin und schreib «fünfzig».
7 Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib «achtzig».
8 Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

Vom rechten Gebrauch des Reichtums
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.
10 Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
11 Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
12 Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?
13 Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Hallo

Zunächst interessiert mich das "Gleichnis vom klugen Verwalter".
Ich habe es oft gehört und erklärt bekommen, bis ich verstanden habe, was der Verwalter tut: er macht die Schuldner seines Herrn zu Komplizen eines Betrugs, indem er sie ihre Schuldscheine fälschen lässt. Damit sind sie erpressbar und müssen ihn unterstützen, wenn er abgesetzt ist.
Und eine solche Klugheit lobt Jesus - wie kann das gemeint sein?

Hier noch die Bedeutung von "Mammon" aus Wikipedia:
Das Wort Mammon leitet sich ursprünglich vom aramäischen Wort mamona (Vermögen, Besitz) ab. (Einer anderen Quelle zufolge stammt es von dem aramäischen Wort aman ab und bedeutet das, worauf man vertraut.) Das Wort gelangte über seine griechische Schreibweise in die Bibel, in der Vulgata wird daraus lateinisch mam[m]ona. Martin Luther übersetzte das Wort nicht und so gelangte es als Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche. Daraus resultierte, dass Mammon in Volksglaube und Literatur als personifizierter Reichtum zu einem Dämon wurde, der den Menschen zum Geiz verführt.

Was, meint ihr, ist der "Ungerechte Mammon"?
Marjul ist offline  
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Alt 07.09.2008, 18:36   Ungerechter Mammon? Beitrag #2 (permalink)
glasikone
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Beiträge: 12
Ungerechter Mammon

Liebe Marjul,
so, jetzt ist mir das Geschriebene entflohen, also nochmals.

Da nach dem göttlichen Sinne die Welt Allgemeingut ist, handelt es sich bei Besitz um "ungerechten Mammon". Darum ist aus dieser Sicht das Teilen mit anderen, die nicht haben, noch wichtiger.
Ich denke da z.B. an die Menschen der 3. Welt und anderen Völkern, deren Leben sehr schwer ist.

Ich danke dir ganz besonders für deinen Eintrag, denn das Nachlesen hat mich doch nachdenklich gemacht. Obwohl ich meinen Beitrag dazu leiste, könnte er doch größer sein.

Herzlichst
glasikone
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Alt 08.09.2008, 11:34   Ungerechter Mammon? Beitrag #3 (permalink)
Marjul
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Liebe glasikone

danke für deine Antwort.

"Ungerechter Mammon" muss meiner Meinung nach nicht bedeuten, dass Besitz immer ungerecht ist. Ich denke, dass es ein Grund-Bedürfnis des Menschen ist, etwas zu besitzen.
Die Frage ist, wieviel man besitzt und in welcher Weise.
Wenn man sich von den Gütern der Erde mehr nimmt als man wirklich braucht, halte ich das für ungerecht.
Und - wie es in dem Satz heißt: Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. - das Besitz-Verhältnis muss klar sein: der Mensch besitzt den Mammon und nicht der Mammon den Menschen.
Besitz ist ein Werkzeug. Wir können ihn so gebrauchen, dass er uns irdisches Leben ermöglicht und sogar auch so, dass er uns himmlisches Leben ermöglicht. (Verse 9-12)

Herzliche Grüße
Marjul
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Alt 09.09.2008, 14:58   Ungerechter Mammon? Beitrag #4 (permalink)
AronSienna
kalachnarartshar
 
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Registriert seit: 13.08.2007
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Alter: 23
Beiträge: 388
Zitat:
Zitat von Marjul Beitrag anzeigen
Hier noch die Bedeutung von "Mammon" aus Wikipedia:
Das Wort Mammon leitet sich ursprünglich vom aramäischen Wort mamona (Vermögen, Besitz) ab. (Einer anderen Quelle zufolge stammt es von dem aramäischen Wort aman ab und bedeutet das, worauf man vertraut.) Das Wort gelangte über seine griechische Schreibweise in die Bibel, in der Vulgata wird daraus lateinisch mam[m]ona. Martin Luther übersetzte das Wort nicht und so gelangte es als Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche. Daraus resultierte, dass Mammon in Volksglaube und Literatur als personifizierter Reichtum zu einem Dämon wurde, der den Menschen zum Geiz verführt.

Was, meint ihr, ist der "Ungerechte Mammon"?

Dieser ungerechte Mammon treibt seinen Spaß auch in den esoterischen Foren. Und so verschwenden die meisten ihre Kraft damit ihren eigenen Standpunkt(Besitz) zu vertreten.
AronSienna ist offline  
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Alt 09.09.2008, 16:29   Ungerechter Mammon? Beitrag #5 (permalink)
Zhantee
Chaosmagier
 
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Registriert seit: 21.01.2008
Beiträge: 4.473
Es gibt in der Bibel viele Beispiele von "gerechten" Personen, die "ungerecht" handelten und trotzdem dafür nicht getadelt wurden:

1. Mose 9: Noah verflucht Kanaan für ein "Vergehen" seines Vaters, obwohl er selbst sich besoffen und nackig gemacht hat.

1. Mose 12 und 20: Abraham gibt Sara als seine Schwester aus, wofür andere bestraft werden.

1. Mose 19: Lot bietet seine jungfräulichen Töchter dem Pöbel zur Vergewaltigung an.

1. Mose 27: Jakob und Rebecca erschwindeln durch einen Betrug den Segen Isaaks.

usw.

Fazit: Gottes Diener dürfen schlechtes tun, andere werden dafür bestraft. Eine Einstellung, die bis heute in "christlichen" Religionen vorzufinden ist.
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Alt 09.09.2008, 16:39   Ungerechter Mammon? Beitrag #6 (permalink)
maria45
Banned
 
Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
Geliebter Zhantee,
Zitat:
Zitat von Zhantee Beitrag anzeigen
Es gibt in der Bibel viele Beispiele von "gerechten" Personen, die "ungerecht" handelten und trotzdem dafür nicht getadelt wurden:

1. Mose 9: Noah verflucht Kanaan für ein "Vergehen" seines Vaters, obwohl er selbst sich besoffen und nackig gemacht hat.

1. Mose 12 und 20: Abraham gibt Sara als seine Schwester aus, wofür andere bestraft werden.

1. Mose 19: Lot bietet seine jungfräulichen Töchter dem Pöbel zur Vergewaltigung an.

1. Mose 27: Jakob und Rebecca erschwindeln durch einen Betrug den Segen Isaaks.

usw.

Fazit: Gottes Diener dürfen schlechtes tun, andere werden dafür bestraft. Eine Einstellung, die bis heute in "christlichen" Religionen vorzufinden ist.
und wieder nichts verstanden und wieder am kritisieren...

Die Bibel gibt klare Anweisungen, daß sie spirituell zu verstehen ist und nicht buchstäblich. Fehler in der Anwendung dieser simplen Instruktion gehen ausschließlich zu Lasten des Anwenders...

maria45 ist offline  
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Alt 09.09.2008, 16:47   Ungerechter Mammon? Beitrag #7 (permalink)
Zhantee
Chaosmagier
 
Benutzerbild von Zhantee
 
Registriert seit: 21.01.2008
Beiträge: 4.473
Zitat:
Zitat von maria45 Beitrag anzeigen
Die Bibel gibt klare Anweisungen, daß sie spirituell zu verstehen ist und nicht buchstäblich.
Wo denn das?

Und wie verstehst du Jakobus 4:6 "Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte"?
Zhantee ist offline  
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Alt 10.09.2008, 07:44   Ungerechter Mammon? Beitrag #8 (permalink)
Marjul
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Beiträge: 2.053
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Lieber Zhantee

die Erzählungen der Bibel sind meiner Ansicht nach nicht mit moralischen Maßstäben zu messen, ganz sicher nicht mit unseren heutigen.
Ich bin keine Verfechterin des Christentums, bin ja ausgetreten. In der Bibel lese ich nur noch selten. Manche Geschichten sprechen mich aber immer noch oder wieder an, denn ich finde, sie enthalten allgemein Menschliches.

Über die Geschichte von Jakob und Esau habe ich jetzt lange nachgedacht. Schwindel und Betrug - das sieht so aus.
Aber ist es ein absoluter Wert immer die Wahrheit zu sagen? Du betonst doch selbst immer wieder, dass der Gegenpol auch berechtigt ist.
Ein Beispiel: stell dir vor du lebst im 3. Reich und hältst einen jüdischen Mitbürger in deinem Haus versteckt. Dann kommt jemand von der Gestapo und fragt dich: Sind hier im Haus Juden? Sagst du dann ja?
Moralische Prinzipien sind dem Sinn nach zu befolgen, nicht dem Buchstaben nach.
So sehe ich es auch bei Jakob und Esau. Die Vorschrift, dass immer der Erstgeborene den Segen, also die Führung des Beduinenstammes, bekam, hatte den Sinn, dass es immer einen geeigneten Nachfolger gab. Die Wahrscheinlichkeit, dass der älteste Sohn ein geeigneter Nachfolger ist, ist hoch, aber es ist nicht sicher. Bei Esau war es anders: er war offenbar von einfachem Charakter: ein Linsengericht war ihm wichtiger als sein Erstgeburtsrecht, er lebte also seinen körperlichen Trieben, und was das Erstgeburtsrecht bedeutete, wusste er offenbar gar nicht so recht. An ihm ist auch kein Betrug verübt worden, denn er hatte sein Recht verkauft.
Seine Mutter sah, dass er zur Führung nicht geeignet war. Der alte Vater war blind (wohl auch im übertragenen Sinne) und sah es nicht. Rebekka wird sich verpflichtet gefühlt haben den Segen dem geeigneten Führer übertragen zu lassen. Dass dieses dem Jakob auch persönlich gefallen hat, ist anzunehmen. Motive sind im Leben meistens gemischt. Das gefällt mir an der Bibel - viele Figuren dort sind Menschen mit Licht- und Schattenseiten, wie ich auch.

Die Geschichte mit Lot hat sich in Sodom zugetragen. Die moralischen Verhältnisse dort waren so, dass sie zum Untergang der Stadt in Feuer und Schwefel führten. Aber Lot lebte nun einmal dort. Er befand sich in einem Wert-Konflikt. Das Gastrecht war damals etwas so hoch Geachtetes, dass es über der Verpflichtung gegenüber der eigenen Familie stand. Lot konnte wohl nicht anders entscheiden.

Herzliche Grüße
Marjul
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