Hallo,
ich bin ein Schriftsteller und habe ein Buch geschrieben, das hier vielleicht gut passt, Homepage:
http://elihu.wolfgangwallnerf.com wo Ihr viele Rezensionen, Textbeispiele, Briefe, Gespräche, Motive etc. erfahren könnt.
Zum vor allem literarischen Buch "Elihu" eine Zusammenfassung meiner Gedanken:
Zunächst mache ich darauf aufmerksam, dass viele alte Mythen noch immer „in uns“ etwas auslösen oder bewegen können. Nachdem viele alte Sagen in Vergessenheit gerieten oder von der „Illusionsindustrie“ bereits verwendet wurden, werden immer wieder neue Mythen geschaffen, die ebenfalls in vielen Fällen eine Wirkung erreichen. Ich gehe davon aus, dass Mythen, sofern sie beim Konsumenten eine Wirkung erzielen, natürlich dessen Psyche in irgendeiner Weise ansprechen. Auch wenn Mythen nicht auf objektiven Wahrheiten beruhen sollten, besitzen sie zweifellos eine Wirklichkeit! C.G. Jung sprach davon, dass jede Wirklichkeit „wirkt“, in diesem Sinne ist die angeführte Wirklichkeit jedenfalls zu verstehen, auch wenn ihr eine „objektive“ Realität fehlen mag. Jeder Mensch verhält sich immer vernünftig, mag seine Vernunft auch einer Normalität weit entfernt sein.
So ist auch der Begriff eines Gottes entweder eine wissenschaftlich objektiv nachzuweisende Realität oder aber eine Wirklichkeit der Psyche, in jedem Fall aber vernünftig und notwendig. Nachdem es zweifellos ausschließlich die eigene Psyche ist, die einer Erscheinung Wert oder Unwert zuweist, muss die Existenz eines Gottwesens für die Menschheit von existenzieller Wichtigkeit gewesen sein und ist es vielleicht auch heute noch. So enthält zum Beispiel die Paradiesgeschichte im Buch Genesis der Bibel eindeutig eine Wirklichkeit. Ehe der Mensch vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, hatte er im Paradies seine Heimat und starb dort auch nicht. Solange ein Wesen kein Bewusstsein hat und keine Unterschiede feststellen kann, gibt es für dieses Wesen keine Vergangenheit und keine Zukunft. Und ausschließlich in der Gegenwart zu leben, bedeutet keinen Tod zu kennen. Das bedeutet aber, dass Moses vor ungefähr dreitausend Jahren hier ein Werk schrieb, das noch immer eindeutig Wirklichkeit beschreibt. Natürlich bedeutete das Erlangen eines Bewusstseins auch den Tod.
Warum hat der Verfasser der Genesis den Wächter vor dem Paradies im Osten postiert? Es handelt sich um zumindest Relikte eines ägyptischen Glaubens (siehe z.B. Sigmund Freud: „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“). Wie später der christliche Glauben war auch der ägyptische einer an einen „Sonnengott“, jedenfalls ein Glaube an Auferstehung, wie das die Sonne jeden Tag tut. Deshalb ist das Totenland in Ägypten westlich des Nils. Wenn jetzt ein Mensch das Paradies auf dem Weg von Osten nach Westen erreichen will, steht der
Engel mit dem Flammenschwert davor. Das bedeutet natürlich, dass es keinem Lebenden (oder Bewussten) gelingt, ins Paradies zu kommen. Folgerichtig hat Jesus das Paradies erst erreichen können, als er von den „Toten“ auferstanden war, da kam er ja auch vom Westen und da steht kein Engel!
Nun sind wir aber alle bewusste, und bis zu einem gewissen Grad auch aufgeklärte Menschen, sehnen uns nach einem sinnvollen Leben, warum boomen alte und neue Mythen, die doch einer Wissenschaft ferne sind? Ein Leben ohne (begründeten) Glauben an einen sinnvollen Inhalt wird spätestens in der „zweiten Lebenshälfte“ gefährdet. Eine vernunftmäßige Ethik könnte Hilfe schaffen, doch hat der Mensch noch immer Wesensinhalte, die einen Rückhalt in einem Glauben suchen.
Ich vermute, dass C.G. Jung mit seiner Annahme Recht hat, dass Mythen, die in ihrer Aufgabenstellung noch nicht „erledigt“ sind, immer wieder in neuen und alten Formen „auferstehen“. Ein solcher Mythos ist sicher die Annahme eines Gottes.
Nun möchte ich einige Erkenntnisse aus der Quantenphysik anführen. Eine mögliche Folge aus der „Debatte um die Quantentheorie“ (Franco Selleri) war die, dass „die Welt nicht in separierbare Elemente der Realität zerlegt werden kann“. Dass diese Erklärung aus der Quantenphysik eine richtige sein könnte, bewies Alain Aspect mit einem Versuch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Siehe Vorwort zu meinem Buch „Elihu; Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit“ auf der Seite
http://elihu.wolfgangwallnerf.com .
Mit der Annahme der untrennbaren Gesamtheit des Universums taucht natürlich die Frage auf, welche Stellung hier der Mensch, oder das Bewusstsein des Menschen haben könnte. Da muss unsere Phantasie die Strapaze auf sich nehmen, zurück zu einem möglichen „Anfang“ des Universums zu blicken. Möglicherweise war dies der „Urknall“. Jetzt kommt die erste Anforderung an unsere Vorstellungskraft: Es gibt nichts, was vor dem Urknall gewesen sein könnte. Erst mit dem Urknall bildeten sich Räume und Zeiten, ein „Vorher“ ist daher nicht möglich. Wenn ich hier zur Verdeutlichung eine Vorstellung anführe, die „vor“ dem Urknall gewesen ist, dann bezieht sich das auf eine mögliche „ewige“ Gegenwart „bis“ zum Zeitpunkt des Urknalls. Sollte es einen Urknall gegeben haben, war die Grundlage unseres Universums in dem enthalten, das „vor“ dem Urknall gewesen war. Es gab natürlich keinen Raum und keine Zeit, trotzdem ist es unmöglich, dass die Voraussetzung zur Entstehung z.B. der Materie nicht damals in irgendeiner Art bestand. Woher käme sonst z.B. die Materie, wenn es sich um ein geschlossenes System handelt. Natürlich könnte ich hier einen „Schöpfer“ annehmen, doch würde ich damit Schwierigkeiten nur „nach hinten“ verschieben. Jedenfalls muss zum Zeitpunkt des Urknalls sämtliche Erfordernisse zu einer weiteren Entwicklung des Universums bestanden haben und „vorher“ müssen alle Erfordernisse ebenso bestanden haben (ohne Raum und Zeit!), daher war „Alles eins und das Nichts alles“. Alle Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung waren vorhanden. Alles, was sich der Mensch ausdenken kann, hat seine Grundlage darinnen. Doch kann sich der Mensch auch Dinge ausdenken, die nicht einer Realität entsprechen. Woher kommen solche Vorstellungen? Solche Vorstellungen sind unmöglich, wenn sie nicht in den Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung enthalten gewesen waren, woher kämen sie sonst? Wenn solche Erscheinungen gedacht werden können, entsprechen sie aber unbedingt einer „Wirklichkeit“ (im Sinne C.G. Jung).
In der Wissenschaft kommt man zu Erkenntnissen, die eine Untrennbarkeit des Universums nahe legt. Aus dem Grund, da „man“ das sucht? Handelt es sich dabei auch um eine psychische Wirklichkeit? Eine, die Moses im Paradies suchte und die Physiker in der Quantenphysik? Ist der Unterschied in den untersuchten Medien nur ein zeitbedingter? Jede Entdeckung, jede Interpretation der Wirklichkeit wird von der menschlichen Psyche in die Wege geleitet und kommentiert. Retrospektiv hat unsere eigene Psyche unsere Entwicklung determiniert.
Jeder Mensch verhält sich so, dass sein Äußeres mit seinem Inneren größtmögliche Übereinstimmung hat. Aus diesem Grund erreichen Erscheinungen bei einem Menschen Wichtigkeit, bei einem anderen vielleicht nicht. Grundlage der Beurteilung der Wichtigkeit ist der momentane psychische Zustand des Beobachters. Es war also die Psyche der Menschen, die zum Beispiel die Bibelbücher schrieb. Sollten diese oder andere „Mythen“ für jemanden Wichtigkeit erlangen, ist das die Psyche, die berührt wurde und den Wert feststellt. Die Möglichkeit zur Entwicklung einer Psyche war zum Zeitpunkt des Urknalls ebenfalls gegeben.
Die Gottwerdung des Menschen ist also eine psychische Wirklichkeit!
Warum nimmt man sich ihrer nicht an?
Gott ist nicht etwas, das wir irgendwo anbeten oder bewundern oder auch ignorieren, Gott hat Auswirkungen ins tägliche Leben hinein:
Wenn wir Menschen unsere Mythen nicht wichtig und ernst nehmen, werden wir immer wieder andere Symbole entdecken, die uns immer wieder dieselben Inhalte anbieten (C.G. Jung, z.B. über UFOs).
Welche Folgen hätte nun das Annehmen der Gottwerdung? Da erscheint als grundlegend wichtig, dass jede Erscheinung des Universums mit dem Beobachter untrennbar zusammenhängt. So erhält das denkende und erkennende Wesen die unbedingte Verantwortung für das gesamte Universum, es ist mit ihm eins! Gott zu sein bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen!
Es scheint so zu sein, dass wir mit dem derzeitigen „Anbeten“ toter Materie, Gott, der wir selbst seit Anbeginn sind, ebenfalls töten. Wenn wir annehmen, selbst Gott zu sein, gäbe uns dieser Hintergrund die Kraft, das Universum so zu gestalten, wie es für alle Erscheinungen lebensgerecht, menschengerecht, gottesgerecht wäre.
Gott ist jedenfalls etwas, das dem Bewusstsein (hoffentlich dem des Menschen) noch bevorsteht, trotzdem er natürlich auch der Schöpfer bleibt, so widersprüchlich das auch erscheint.
Liebe Grüße aus Wien
Wolfgang Wallner-F.