Lieber IchBin,
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Zitat von IchBin
Aber da ich glaube dass du dich sehr intensiv mit der Bibel beschäftigt hast hab ich noch eine persönliche Bitte um deine Auslegung. Ich hab schon immer Probleme mit einer Stelle des NT gehabt, als nämlich Jesus einen Feigenbaum verflucht, so dass er stirbt und der ganze Zauber nur um seinen Jüngern seine Macht zu demonstrieren. Nimmt man das wörtlich muss das ein ziemlicher Aussetzer gewesen sein.
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Du meinst die Stelle in Markus 11:12ff? "Und des folgenden Tages, als sie von Bethanien weggegangen waren, hungerte ihn. Und als er von ferne einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er vielleicht etwas an ihm fände; und als er zu ihm kam, fand er nichts als nur Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Und er hob an und sprach zu ihm: Nimmermehr esse jemand Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten es."
wie gesagt, wenn man es wörtlich nimmt, kreuzigt man es. Man sieht es dann aus der Perspektive der 4, der Welt hier. Wenn ein weltlicher Mächtiger hier so etwas macht, klar, dann muß das Motiv eine Machtdemonstration sein.
Ich meine, das ist ja schon echt grotesk. Also da ist jemand, der eigentlich alles weiß. Dann geht er zu einem Feigenbaum hin und sucht nach Feigen, obwohl er weiß daß keine daran hängen. Dann weiß er eigentlich auch noch, daß er da sowieso nichts finden kann, weil es nicht Feigenzeit ist. Und dann verflucht er ihn. Das ist doch schon Dadaismus. Also viel absurder kann man eine Geschichte nicht konstruieren.
Nun ist die Frage, wie man mit Absurdität in Heiligen Schriften umgeht? Man kann sie im Unglauben zum Anlaß nehmen, die Schrift zu verwerfen, sie zu kreuzigen. Man könnte aber auch verstehen, daß der buchstäbliche Schriftsinn hier wohl eindeutig nur Unsinn ergibt, daß er also nicht gemeint sein kann. Viel deutlicher kann man eigentlich nicht werden. Wenn ich autobiografisch erzähle, daß ich im Alter von 97 Jahren geboren bin, im Alter von 81 Jahren erkannte, was das Leben nicht ist, mit 65 Jahren meinen Herrn erkannte, und mit 61 ihm folgte, mit 47 gekreuzigt wurde, mit 34 auferstand und bin nun 26 Jahre jung obwohl ich wie 19 aussehe, ist das genauso absurd (aber spirituell zutreffend).
Jesus Christus ist hier an dieser Stelle auf dem Weg nach Jerusalem. Das Jerusalem, das ihm genau nur drei Sätze vorher zurief: "Hosanna! gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Gepriesen sei das kommende Reich unsres Vaters David! Hosanna in der Höhe!" und nur drei symbolische Tage später kreuzigen wird.
Man muß diese Stelle unbedingt im Kontext der Erzählung sehen. Nur so zeigt sie ihren Sinn. Ich kann das unmöglich alles hier erklären, allein diese Stelle ist genug, um sich damit ein paar Jahre zu beschäftigen. Vom Kontext ist es wichtig, daß hier im 11. Kapitel ein ständiges Wechseln zwischen Bethanien und Jerusalem erfolgt. Jesus kommt nach Jerusalem, reitet auf dem Eselsfüllen (auch das müßte man nun alles erklären, was das wieder heißt), geht dort weg, obwohl er mit Hosanna begrüßt wird nach Bethanien, kommt nächsten Tages wieder, reinigt den Tempel mit Geißeln, geht nach Bethanien, kommt nächsten Tag wieder und dann kommt die weitere Auseinandersetzung mit den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten. Zwischenrein geschoben ist diese Episode mit der Verfluchung des Feigenbaumes und wie Petrus am nächsten Tag den verdorrten Feigenbaum sieht.
Nur ein paar Anregungen zu ersten Ansätzen von Verständnis. Was sind Blätter an einem Baum? Sie sind wie Seiten eines Buches, einer Heiligen Schrift. Sie können Nahrung bieten, so daß der Baum wachsen und Frucht geben kann. Auch eine Heilige Schrift kann Nahrung bieten, so daß der Mensch wachsen und zur Frucht werden kann.
Man könnte versuchen, an den Blättern eines Baumes seine Art zu bestimmen. Die Blätter sind wie das buchstäbliche Bekenntnis, so wie mancher "Christ" eben einen christlichen Taufschein hat. Der Taufschein sagt aber gar nichts über das wirkliche Leben desjenigen aus. Und bezüglich der Bestimmung der Art eines Baumes wird in esoterischer Hinsicht eben sehr viel mehr Wert auf das gelegt, was jemand tut, also die Früchte, als auf das, was jemand sagt.
"An der Frucht erkennt man den Baum."
Selbst ein bekennender Atheist kann viel mehr von Liebe leben als ein noch so frommer Schriftgelehrter.
Und eigentlich ist das das Bild hier, jedenfalls im Zentrum. Jesus kommt nach Jerusalem, und es werden ihm "Blätter", wunderschöne, scheinheilige Blätter in Form von Lippenbekenntnissen entgegengehalten. "Hosanna!!!!" und vier Tage später kreuzigen sie ihn.
In gleicher Weise hält dieser Feigenbaum ihm seine Blätter entgegen. Natürlich sucht Gott an jedem Menschen "Frucht", wenn der Mensch sagt: "Ich liebe Gott" oder "ich liebe meinen Nächsten". Und obwohl Gott bereits erkennen kann, daß es nicht die "Zeit der Feigen" ist, obwohl Gott eigentlich bereits weiß, daß dort nichts zu holen ist, verbirgt er dieses Wissen vor sich selbst in Gnade, und gibt dem Freien Willen des Menschen eine weitere Möglichkeit zur Entfaltung, vielleicht doch auch wirklich Frucht zu bringen.
Nun, was ist die Feige? Die Feige ist die Frucht des vierten Tages, die Frucht der 4. So wie der Weinstock die Frucht des dritten Tages ist. Der Wein symbolisiert die Freude, die Feige die Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit.
Man muß die ganze Schrift sehen. Die erste Erwähnung von Feigen tritt im Kontext des "Sündenfalles" von Adam und Eva auf. Sie machten sich "Feigenblätter" zum Schurz. Das Feigenblatt ist dann im Negativen ein Symbol der Selbstgerechtigkeit. In ähnlicher Weise hielten sich die Schriftgelehrten und Hohenpriester natürlich auch alle für gerecht.
So wie jede Frucht ein Symbol einer Verwirklichung ist, so ist die Feige in ganz besonderer Weise ein Symbol der Verwirklichung, weil sie eben auf der Ebene der 4, der Verwirklichung selber, arbeitet.
Jesus sucht nicht an irgendeinem Baum eine Frucht, sondern am Baum der 4. Der Baum der 4 ist aber gleichzeitig der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Das Zahlenverhältnis der Worte "Baum des Lebens", 233, und "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse", 932=4*233, ist exakt 1 zu 4.
Jesus Christus ist hungrig und sucht also eine 4 an dem Baum der 4. Gewissermaßen eine 4*4=16. Er findet im Außen keine Frucht und verflucht das Außen. Aber ist Jesus Christus nicht Alles in Allem? Also verflucht er sich selbst an dieser Stelle?
Eigentlich ist er selbst dieser Feigenbaum, dieser Gerechte. Und er sucht Frucht an sich selbst. Kann er in diesem Zustand, zu dieser Zeit, wirklich Frucht bringen? Es ist nicht die Zeit der Feigen. Es ist nicht wirklich die Zeit seines Wiederkommens in Herrlichkeit nach Jerusalem. Obwoh die "Blätter", die Hosannarufe, ihm entgegenschallen, findet er keine wirkliche Frucht.
Das Naturgeborene (hier symbolisch in Form des jüdischen Volkes und des Feigenbaumes) jubelt ihm entgegen. Es spürt instinktiv, daß dort Erlösung naht. Doch das Naturgeborene kann nicht einfach jubelnd ins Reich des Geistes eingehen. Es muß selbst ersterben.
Später, wenn das Naturgeborene, also der Leib, durch das Leid hindurchgeht, wie in Markus 13:26-27, wo die Zeit der Drangsal und der wirklichen Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit beschrieben wird, gibt es genau das andere Bild. Markus 13:28 "Von dem Fiegenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennet ihr, daß der Sommer nahe ist."
Also auch hier Blätter am Feigenbaum, aber dann wirkliche Frucht. Der Unterschied ist klein: "weiche" Zweige...
Jesus Christus ist als Zahl 2368=16*148. Die 148 ist die 148 des pessach, des Passahlamms, und die 16 ist das Schlachten, das Kreuzigen des Lammes.
Er selbst sieht den "harten Zweig" des buchstäblichen Glaubens, hier des Judentums seiner Zeit, und er selbst verflucht nicht das Judentum, sondern den Feigenbaum, der er selber ist. Er selbst "verdorrt von den Wurzeln an." Kreuzigung ist ein Tod des Verdurstens, des langsam Ausblutens.
Er nimmt diesen Fluch auf sich, auf seinen Körper, um den Körper sterben zu lassen, das "harte" "weich" werden zu lassen.
Jesaja sagt: "Wir aber hielten IHN für bestraft."
Das Äußere muß aussehen wie ein Fluch. Es heißt: "Verflucht ist, wer am Kreuze hängt."
Dies ist aber ein innerlicher Prozeß!!!
Wer selbst zum Fluch geworden ist, wer selbst zum Bösen geworden ist, in der mystischen Nacht der Seele, wo maschiach(Messias)=358=nachasch(Schlange), dem erstrahlt das Licht der Ewigkeit.
Das ist wieder völlig analog zu den anderen Aussagen: "Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer es aber verliert um meinetwillen, der wird es zum ewigen Leben gewinnen."
Wer seinen eigenen Feigenbaum, der keine Früchte trägt, retten will, seine eigene Selbstgerechtigkeit, der wird keine Gerechtigkeit gewinnen, sondern auch das was er noch hatte, die Blätter und die "Restlebendigkeit", verlieren.
Ach ja, spannend ist ja auch, daß das, was "Jesus", diese Kraft, im ganzen nicht an dem Feigenbaum findet, also am "jüdischen Volk" (ein Bild des Körpers als Tempel des heiligen Geistes übrigens), das findet er in Johannes im ersten Kapitel ab Vers 45 in einer bestimmten Haltung. Dort kommt die Kraft "Nathanael" und von dieser Haltung sagt "Jesus": Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem kein Trug ist." Und Nathanael ist eben als "Frucht" unter dem Feigenbaum...
"Nathanael" ist also die Kraft, die sich von der Position des "rechten Bekenntnisses", des Seins unter dem Feigenbaum, hin zur lebendigen Begegnung mit dem "Jah ist Hilfe", dem Jehoschua begibt. Und diese Kraft kann tatsächlich erkennen. "Nathanael" ruft aus: "Rabbi, DU bist der Sohn Gottes, DU bist der König Israels".
Naja, so ein paar unsortierte Gedanken dazu. Wie gesagt, man könnte Jahre damit zubringen, das alles ganz genau zu erklären. Aber viel schöner ist es, so ein paar Anregungen zu bekommen und das alles selbst zu erleben - dann erklärt sich das Leben schon selbst.
In Liebe und Wahrheit, Eva-Maria