da ich privat auf advaita vedanta angesprochen wurde, möchte ich hier ein paar Gedanken zu vedanta verlieren, also zur "Vollendung der Veda".
Zunächst zum Thema, über das ich schreibe:
Die meisten Esoteriker dürften von
advaita vedanta zumindest gehört haben; dabei handelt es sich um das Konzept einer monistischen Weltauffassung, bei der alle Phänomene auf ein einziges Ursachenprinzip zurückgeführt werden und tatsächlich mit diesem identisch sind (die berühmte Formel atman = brahman) bzw. wo diese Einheit nicht unmittelbar ersichtlich ist, auf Maya zurückgeführt werden, auf illusionäre Verzerrung der Wirklichkeit.
Weit weniger bekannt dürfte sein, dass advaita vedanta nur eine von fünf vedanta ist, die sich im Grad der Distanz vom Dualismus unterscheiden, wobei advaita vedanta noch nicht einmal jene Lehre ist, welche diesen Weg am weitesten gegangen ist.
Diese Ehre gebührt
shuddhadvaita, eine Philosophie der reinen Nichtdualität, in der auch Shankaras Maya-These überwunden ist. Für Vallabha ist die gesamte Welt in allen ihren Erscheinungen Energie Gottes und trotz ständigen Wandels real (bei Shankara tritt Maya quasi zur Einheit dazu, es gibt die Einheit und Maya).
dvaita vedanta (ohne "a" am Anfang) von Madhva postuliert das genaue Gegenteil, atman und brahman sind wesensverschieden und bleiben auf ewig voneinander getrennt. Statt dessen seien alle Menschen Individuen (jivas), von denen jeder einen eigenen Geist habe. Auch untergrabe die Gleichsetzung von Gottseele einerseits und den Seelen der Individuen andererseits die absolute Autorität Gottes, der allein das Höchste Brahman sei, von dessen Gnade allein alles abhänge.
Dazwischen angesiedelt sind Ramanujas
vshishtadvaita vedanta und Chaitanyas
achintya bhedabheda; die erstere postuliert, Gottexistiere als Einziges, jedoch bliebe die Pluralität der Welt als eine reale Erscheinungsform Gottes erhalten und sei nicht, wie bei Shankaras advaita, eine Illusion; letztere besagt, dass sowohl die Gesamtheit aller Seelen als auch die Gesamtheit der Materie (Prakriti) Umwandlungen der Energie der höchsten Wahrheit sind. Als Gottes Energie sind sie einerseits mit ihm identisch und gleichzeitig auf ewig von ihm verschieden, sind „bheda-abheda“.
Die genannten Personen sind nicht die Erschaffer der jeweiligen Richtungen, sondern historisch ihre prominentesten Denker.
nach dieser eher akademischen Einführung in das Thema eine persönlich Stellungnahme.
Nondualismus bleibt letztlich Spekulation oder bloßer "Eindruck". Aus meiner Sicht können die vedanta daher nur Zwischenlösungen sein, wenn man noch nicht bereit ist, auf Spekulationen zu verzichten, also die Welt doch immer noch lieber gläubig statt demütig begreifen möchte. Zur äußersten Erkenntnis wird nur gelangen, wer demütig genug ist, einzusehen, dass über den Charakter der Wirklichkeit nur spekuliert, nicht gewusst werden kann, und dass auch Gefühle und "Eindrücke" in dieser Hinsicht kein Hinweis auf irgendetwas sind.
Daher liebe ich Zen so sehr. Er geht hinsichtlich der Abwesenheit von Spekulationen im Rahmen der Lehre noch über die vedanta hinaus. Ich erachte die vedanta jeder Beschäftigung für wert, da zwar nicht die einzelnen vedanta, aber alle zusammen in ihrem Nebeneinander, deutlich machen, dass ein Entscheid über das Wesen der Wirklichkeit nicht gefällt werden kann. Als Quintessenz der Veda, die sie ja alle enthält, halte ich das für beachtlich. Zen geht nur insofern darüber hinaus, als er sich dessen enthält, Spekulationen über das Wesen der Wirklichkeit überhaupt noch zu formulieren; er belässt es bei der Eigenevidenz.
In der Praxis meines Empfindens spielen weder Nondualismus noch Dualismus noch irgendeine Rolle. Es ist mir gegenstandslos geworden, darüber zu spekulieren. Es gibt eine Wesensidentität zwischen mir und der mich umgebenden Welt; das genügt diesem Stückchen mit Ichbewusstsein versehenem Sternenstaub vollkommen, auch emotional.