Hallo,
es ist kein leichtes Thema.
Ich sage nicht,
es gebe kein Ich.
Wenn ich das behaupten würde,
wäre hier sofort eine heftige Diskussion.
Ich meine nur,
dass das Ich nichts ist,
was man greifen kann.
Man kann es nirgendwo richtig lokalisieren.
Und irgendwie scheint sich das Ich
in verschiedenen Situtationen
wie ein Gespenst aufzulösen.
Buddha meinte,
dass das Ich durch unsere Wahrnehmung
und durch unser Denken zustande kommt.
Da es nichts Festes ist,
scheint es etwas Fiktives zu sein.
Wir nehmen Getrenntheit wahr
und wir denken in Getrenntheit.
Dies ist eine Ursache,
dass es ein Ich überhaupt gibt.
Das Ich zu verleugnen ist nicht sinnvoll.
Aber diese Wahrnehmung der Getrenntheit,
ist laut Buddha nicht die Wirklichkeit.
Es hängt Alles irgendwie miteinander zusammen.
Diese Weisheit ist hier bestimmt nichts Neues.
Und da Getrenntheit ein Widerspruch
zu der Tatsache ist, dass
Alles miteinander verbunden ist,
erzeugt diese Getrenntheit oft Leiden.
Wer leidet?
Diese Frage ist recht interessant.
Das Ich bzw. die Vorstellung vom Ich
ist durch das Denken
sehr tief in uns vergraben
und mit dem Körper verbunden.
So kann das Leiden körperlich gefühlt werden.
Mein Leid manifestiert sich häufig in einer Kette,
angefanden bei negativen Gedanken und Gefühlen,
die sich dann im Körper fortpflanzen
und sich zuletzt ihren Weg
durch Reden und Tun nach draußen suchen.
Oft ist diese Kette
vollkommen automatisch und blitzschnell.
Hinterher fühle ich mich oft
sehr unglücklich und ausgebrannt,
weil ich nicht Herr im Hause
und einmal mehr eine Marjonette
meiner Konditionierungen war.
Ohne ein starkes Ich
hätte ich kein Leid
und ich würde nicht lernen.
Da es sehr stark war,
habe ich tüchtig leiden dürfen.
Dies ist ein sehr starker Antrieb,
um sich mit dem Leiden zu beschäftigen,
damit es irgendwann erlischt.
Zu Deinem P.S.:
Ich zweifle Deine Wahrnehmung nicht an.
Ich finde es nur eigenartig,
mit welcher Sicherheit
Du über Jesus und Buddha sprichst.
Kennst Du Buddhas Ansichten über das Ich?
Ich fühlte in diesem Satz
einen Widerspruch zu dem,
was Buddha lehrte.
Auch habe ich es anders erlebt.
Du darfst Deine Meinung natürlich behalten.
Ich nehme sie Dir nicht.
Vielleicht teile ich Dir nur mit,
dass ich ähnlich wie Du gedacht hatte,
mein Leiden aber kein Stück weniger wurde.
So bin ich denn weitergegangen.
Liebe Grüße
Stefan