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03.12.2008, 09:44
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #1 (permalink)
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Erfahrener Benutzer
Sternzeichen:
Registriert seit: 09.02.2007
Ort: bei Münster/Westf.
Alter: 59
Beiträge: 2.053
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Furcht vor dem Wissen?
Hallo 
Gestern habe ich in dem Buch gelesen "Das Rad der Zeit: Das Vermächtnis des Don Juan" von Carlos Castaneda.
Dort fiel mir auf, dass es heißt, wer Wissen erlangen will, brauche Fruchtlosigkeit. So klar ausgedrückt habe ich das sonst noch nirgendwo gefunden: Der Mensch macht sich auf den Weg zum Wissen, wie er in den Kampf zieht: hellwach, mit Furcht, Achtung und absoluter Zuversicht.
...
Furcht vor dem Wissen ist nur natürlich; wir alle erfahren sie, und wir können nichts dagegen tun. Doch ganz gleich, wie Furcht gebietend das Lernen ist, der Gedanke an einen Menschen ohne Wissen wäre noch furchtbarer.
Herzliche Grüße
Marjul
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03.12.2008, 09:56
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #2 (permalink)
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Chaosmagier
Registriert seit: 21.01.2008
Beiträge: 4.473
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"Denn in der Fülle von Weisheit gibt es eine Fülle von Verdruss, so dass, wer Erkenntnis mehrt, Schmerz mehrt." (Prediger 1:18)
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03.12.2008, 10:32
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #3 (permalink)
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Gast
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Hallo Marjul, hier einige Gedanken zu diesem Thema und insbesondere zu seinem Aspekt "Wissen erlangen, um Furcht zu vertreiben":
Stillung des Sturms, Mt 8,23-27; Lk 8,22-25
Und an jenem Tag sagt er zu ihnen, als es Abend geworden war: Laßt uns zum jenseitigen Ufer übersetzen. Lehrer, kümmert es dich nicht, daß wir umkommen? Und er wachte auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See: Schweig, verstumme. Warum seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben? Und sie fürchteten sich mit großer Furcht und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, daß auch der Wind und der See ihm gehorchen?
Der Mensch im gewöhnlichen Zustand verwechselt das dharma des Nicht-Selbst mit dem Selbst und leidet darunter. Erkennt er das Selbst und wohnt in Ihm, dann ist damit alle Furcht, aller Zweifel zu Ende.
Die sogenannte metaphysische Reflektion ist nichts anderes als die reinste Form jenes Strebens nach Einheit, das im Wesentlichen das philosophische Denken ist, der ausschlaggebende Moment, in dem sich der Geist nicht ohne Furcht entscheidet, außerhalb der Welt nach der vereinigenden Erklärung dieser Welt zu suchen.
Das Denken scheitert an seinem eigenen Unvermögen, um jenseits seines Seins und Wirkens die reine und freudige Schönheit der unendlichen Liebe mit dem ihr innewohnenden Aspekt, der Weisheit, zu erkennen. Das Denken, der Wunsch nach Sinneserfahrung und die Furcht vor Unzulänglichkeit, die niederschmettert und versteinert, schweigen, da sie schließlich von der pax profunda überwältigt werden, in der alle Gedanken und Worte ihren Sinn verlieren.
Nur durch die Gnade Gottes
geschieht es
dass Menschen
die von Sehnsucht erfüllt sind
den köstlichen Duft der Nicht-Dualität wittern,
die sie von großer Furcht befreien wird.
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03.12.2008, 11:20
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #4 (permalink)
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Gast
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Denn : "Zuerst muß du handeln und Wissen erwerben, damit du dir bewußt werden kannst, daß du nicht weißt und niemend bist."
Und das ist in der tat Erschreckend......zuerst.
alles liebe..magd ------------------------ "ERKENNE DICH SELBST"
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03.12.2008, 13:39
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #5 (permalink)
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Gast
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Zitat:
Zitat von Zhantee
"Denn in der Fülle von Weisheit gibt es eine Fülle von Verdruss, so dass, wer Erkenntnis mehrt, Schmerz mehrt." (Prediger 1:18)
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Hmmh, Zhantee, diese Stelle lässt mich grübeln, denn wie kann die Fülle der Weisheit Verdruss bereiten? Wenn sie sagen möchte, dass die Selbsterkenntnis schmerzhaft ist, so ist es verständlich. Aber in echter Weisheit liegt kein Schmerz.
Falls es hier einen Anklang zu weltlichem Wissen im Gegensatz zu spirituellem Wissen geben sollte, finde ich die folgenden Zitate von Thomas von Kempen aus Die Nachfolge Christi sehr schön (Moderation: Dieses Buch ist 500 Jahre alt):
# Jeder Mensch hat einen natürlichen Wissenstrieb, aber was nützt die Wissenschaft ohne Gottesfurcht.
# Ein demütiger Landmann, der Gott dient, ist sicher besser als ein stolzer Gelehrter, der beim Erforschen des Laufes der Gestirne sein Seelenheil außer Acht lässt.
# Wer sich selbst (in seinem wahren Wesen) erkennt, der schätzt seine Persönlichkeit gering und bildet sich auf Lobsprüche von Menschen nichts ein.
# Hätte ich Kenntnis von allen Dingen dieser Welt, und fehlte mir nur das EINE, die Liebe, was würde mir dieses Wissen vor Gott nützen, welcher mich nach meinen Werken richten wird?
# Lass ab von der überspannten Wissbegier; denn man setzt sich dabei vieler Zerstreuung und Täuschung aus.
# Vielwisser wollen gern für Weise gelten und als solche bezeichnet werden.
# Es gibt vieles, was zu wissen für die Seele wenig oder gar keinen Wert hat; deshalb ist derjenige unweise, der nach anderen Dingen trachtet als nach denen, die dem Heile der Seele dienen.
# Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein göttlicher Lebenswandel erquickt das Gemüt, und ein reines Gewissen erfüllt das Herz mit starkem Gottvertrauen.
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03.12.2008, 15:15
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #6 (permalink)
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Erfahrener Benutzer
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Registriert seit: 09.02.2007
Ort: bei Münster/Westf.
Alter: 59
Beiträge: 2.053
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Hallo 
No-tsou-wu, ich zitiere hier einmal, was du zu einem anderen Thema geschrieben hast:
Zitat:
Der wahrnehmbare Kosmos, heißt es auch in vielen alten Texten, sei gerade das Ergebnis des Vergessens des ursprünglichen Seins. Weshalb dann für viele Lebewesen darin die Frage einer Wiedererinnung auftaucht. ...
Oder anders ausgedrückt: Ohne Vergessen könnte die Schöpfung nicht entstehen. Oder: Jedes Ding im Kosmos drückt auf seine Weise einen mehr oder weniger hohen Grad an Vergessen bzw. bewusster Erinnerung aus.
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Mir kommt die Idee, dass mein Ich sich mit seinem gegenwärtigen Grad an Vergessen oder Erinnern identifiziert. Meine "Bildung" ist mein Bild von mir selbst.
Dass es ein Mehr an Wissen bzw. Erinnerung geben könnte, ist für mein Ich eine Herausforderung. Es sieht sich in Frage gestellt. Und es fürchtet sich davor, was mit ihm geschehen könnte, wenn es sich ändert. Bin ich dann immer noch ich? Fast ein kleiner Tod...
Herzliche Grüße
Marjul
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03.12.2008, 18:26
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #7 (permalink)
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 27.03.2007
Beiträge: 544
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Hallo Marjul!
Ich unterscheide zwischen Wissen und Gewissheit... es gibt für mich Wissen, das ich mir aneignen kann, und womit ich wohl als klug gelten kann... Aber dennoch ist dies nicht alles, was zählt... ja es ist sogar recht armselig nur zu wissen... ohne Gewissheit zu haben. Mit Gewissheit meine ich eine Weiheit des Herzens... einen Blick in die allwissende Weltenseele zu erspähen.
Maria schrieb mir mal, Das Herz des Weisen wohnt im Hause der Trauer... und so sehe ich es auch.
Desto tiefer ich blicken kann... darf... desto größer wird der Schmerz in meinem Herzen... und noch lange kann ich nicht alles erblicken... vielleicht nie.
Ist es also ratsam nach wahrhaftigem Wissen zu streben? Oder ist es falscher "Ehrgeiz" alle Geheimnisse erkennen zu wollen... ??
Und wenn ich es erkennen könnte, wäre es nicht menschlicher, es für mich zu bewahren... wenn es doch in 1. Linie nur Schmerzen bringt... und Trauer...??!
Ich würde es nicht "Furcht" nennnen, das uns Menschen davon abhält, diesen tiefen Blick zu wagen... ich würde es Respekt vor der Schöpfung nennen... denn mit dem Erkennen zerstören wir den "Zauber", der allem innewohnt. Die Welt wird "klein"... und Gottes Werk entzaubert...
In Demut verneige ich mich vor Gottes Werk
dem Universum
und vor allen Wesen, die darin wandeln
LG
Schwarz-Erle
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03.12.2008, 18:42
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Furcht vor dem Wissen? Beitrag #8 (permalink)
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Erfahrener Benutzer
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Registriert seit: 09.02.2007
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Alter: 59
Beiträge: 2.053
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Zitat:
Nur durch die Gnade Gottes
geschieht es
dass Menschen
die von Sehnsucht erfüllt sind
den köstlichen Duft der Nicht-Dualität wittern,
die sie von großer Furcht befreien wird.
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Furcht ist durch die Vorstellung von Dualität bedingt, so sehe ich es auch.
Das Ich sieht sich einem Nicht-Ich gegenüber und gezwungen, die naive, unbewusste Vorstellung von sich als alleiniger Existenz aufzugeben.
Wenn das Ich das Gegenüber erkennt (Adam erkannte sein Weib Eva...), entsteht ein gemeinsamer Bewusstseins-Raum, in dem Furcht sich in Ehrfurcht wandelt. Die Furcht ist der Anfang der Weisheit. (biblisch)
... und die Ehrfurcht ist ihre Vollendung, möchte ich fortfahren. DIE WEISHEIT
Nimm, was mein ist.
Gib, was dein ist.
Hege, was klein ist.
Stärke, was schwach ist.
Wahre, was rein ist.
Ehre, was heilig ist.
Herzliche Grüße
Marjul
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