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Alt 26.06.2008, 10:18   Hermes Trismegistos: Schöpfung Beitrag #1 (permalink)
Marjul
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Hermes Trismegistos: Schöpfung

Hallo!

Vor kurzem habe ich einen Text von Hermes Trismegistos über die Schöpfung und die Erschaffung des Menschen in heutiges Deutsch übertragen, um ihn leichter verstehen zu können. Das Original ist aus dem 18. Jahrhundert: http://www.saar.de/~luci/Worte/Relig...Poemander.html
Vielleicht interessiert sich hier auch jemand dafür.
Den Inhalt des Textes wollte ich nicht verändern. Wenn jemand meint, die Übetragung wäre an manchen Stellen nicht richtig, freue ich mich über Verbesserungsvorschläge.

Herzliche Grüße
Marjul

Gespräch zwischen Hermes Trismegistos und Poimandres

Die Schöpfung

Hermes:
Ich sprach, ich begehre die wesentlichen Dinge zu lernen, derselben Natur zu verstehen und zu erkennen.
Darauf sprach er (Poimandres): halte mich wiederum in deinem Bewusstsein, so will ich dich lehren dasjenige, das du untersuchen willst.
Nachdem er dieses gesagt hatte, verwandelte er seine Gestalt und von Grund auf wurde mir alles in einem Augenblick eröffnet und ich sah ein unendliches Gesicht. Es wurde alles zu einem Licht, welches sehr lieblich und erfreuend war und ich erfreute mich in dem Anschauen.

Kurz darauf entstand in einem Teile eine Finsternis, die sich davon nach unten abtrennte, sie war erschrecklich und traurig, und sie schloss sich in einer Krümmung. Dabei erschien es mir in meiner Anschauung, dass diese Finsternis verändert würde in eine feuchte und unaussprechlich verwirrte Natur, welche einen Rauch wie von Feuer und unaussprechlich betrübte Laute von sich gab.

Danach brach aus dieser feuchten Natur eine undeutliche Stimme hervor, die ich für die Stimme des Lichtes hielt.

Aus dem Lichte stieg noch ein heiliges Wort auf, das an die Natur gerichtet war: Und das reine Licht erhob sich aus der feuchten Natur in die Höhe, es war leicht, durchdringend und mächtig.

Die Luft, die auch leicht war, folgte dem Geiste und fuhr auf von der Erde und dem Wasser bis an das Feuer, so dass es war, als ob sie über dieses hingehe.

Die Erde und das Wasser blieben untereinander vermengt, so dass die Erde wegen des Wassers nicht gesehen wurde, und sie wurden bewegt durch das geistige Wort, welches oben darüber schwebte.

Das Licht, sprach er (Poimandres), bin Ich, das Bewusstsein, dein GOTT, welcher aus der feuchten Natur ist, die aus der Finsternis erschien.

Das aus dem Bewusstsein leuchtende Wort ist der Sohn GOTTES.

Verstehe das so: Dasjenige, was in dir sieht und hört, ist das Wort des HERRN, das Bewusstsein aber ist GOTT der Vater, sie sind aber voneinander nicht unterschieden, denn die Vereinigung beider ist das Leben.

Indem er mich wiederum ansah, sah ich mit meinem Bewusstsein ein Licht von unzählbaren Kräften und eine in der Wahrheit unendliche Welt und dass das Feuer mit großer Kraft geschlossen und zusammengetrieben und so in Ordnung gebracht würde.

Hast du nun im Bewusstsein gesehen die unendliche Gestalt, welche vor dem Anfang von einem unendlichen Anfang ist? Dieses sprach Poimandres zu mir.
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Alt 26.06.2008, 10:26   Hermes Trismegistos: Schöpfung Beitrag #2 (permalink)
Marjul
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Die Erschaffung des Menschen

Ich sprach, woraus sind die Elemente der Natur zusammengesetzt?

Darauf antwortet er: der Rat GOTTES, der das Wort empfangen und die schöne Welt angesehen hat, hat dieselbe nachgeahmt und so durch sein eigenes Element und die Ausfließung der Seelen die Welt geschaffen.

Aber das Bewusstsein (GOTT), welches Mann und Weib, Leben und Licht ist, hat durchs Wort eine andere wirkende Natur geboren, welche sieben Regenten gemacht hat, die die empfindende Welt in Kreisen umfassen, deren Regierung Fatum oder Schicksal genannt wird.

Von Stund an ist aus denselben heruntergesunkenen Elementen GOTTES das Wort GOTTES als ein reines Werk der Natur hervorgekommen, welches mit dem wirkenden Bewusstsein vereinigt worden ist, da es mit ihm eines Wesens war.

Und die heruntergesunkenen Elemente der Natur wurden ohne Vernunft gelassen, auf dass sie alleine die Materie wurden.

Aber das wirkende Bewusstsein samt dem Wort, welches die Kreise umfasst und mächtig treibt, hat sein Wirken drehend gemacht und bestimmt, dass sie von dem Anfang ohne Anfang bis an das Ende ohne Ende umgetrieben werden, denn sie fangen immer wieder dort an, wo sie enden.

Die Drehung der Werke hat nach dem Willen der Bewusstseine aus den heruntergesunkenen Elementen die unvernünftigen Tiere gezeugt, denn sie selbst hatten keine Vernunft.

Die Luft hat das Fliegende hervorgebracht und das Wasser das Schwimmende, und das Wasser und die Erde sind voneinander geschieden, so wie es das Bewusstsein gewollt hat. Dann hat die Erde die Tiere, die sie gehabt hat, von sich gegeben, nämlich kriechende und vierfüßige, wilde und zahme.

Aber der Vater aller Dinge (das Bewusstsein als Leben und Licht) hat den Menschen sich gleich geboren und ihn geliebt als seine eigene Geburt, denn er war sehr herrlich und trug des Vaters Ebenbild, gewisslich hat GOTT seine eigene Gestalt geliebt und alle seine Werke an denselben übergeben.

Aber als der Mensch die Schöpfung des Werkmeisters sich in ihrem ganzen Wesen zu Bewusstsein gebracht hatte, da wollte er auch selbst Werkmeister sein. Darum wurde er von dem Vater abgesondert und ihm zu den wirkenden Kräften Zugang verschafft.

Und als er alle Gewalt hatte, suchte er die Werke der sieben Regenten zu ergründen, welche ihn dann geliebt und ein jeder seiner Ordnung teilhaftig gemacht haben.

Nachdem er ihr Wesen erlernt und ihrer Natur teilhaftig geworden war., so wollte er den Umlauf der Kreise ergründen und die Gewalt desjenigen, der über das Feuer herrscht, mit dem Bewusstsein begreifen.

Und nachdem er über die sterblichen und unvernünftigen Tiere der Welt alle Gewalt hatte, wollte er durch die Erforschung der Übereinstimmung der Dinge auch die Kraft der Kreise durchbrechen. Da sah er ganz tief durch die Harmonie des Kosmos und bewies, dass die heruntergesunkene Natur ein schönes Bild GOTTES sei.

Als er die Natur gesehen hatte, welche in sich selbst unersättliche Schönheit, alle Wirkung der Regenten und das Bild GOTTES hatte und aus Liebe lachte, da sie das Bildnis von der allerherrlichsten Gestalt (nämlich der Menschen) im Wasser sah und ihren Schatten auf der Erde,

und als der Mensch seine ihm gleichförmige Gestalt im Spiegel des Wassers sah, gewann er sie lieb und begehrte ihr beizuwohnen, und da geschah von Stund an der Wille durch das Werk und gebar ein unvernünftiges Bild.

Die Natur hat ihren Geliebten umfangen und sich ganz und gar in ihn geflochten, und sie wurden beide miteinander vermengt, da sie einer den anderen liebgewonnen hatten.

Und darum ist der Mensch, im Unterschied zu allen anderen Geschöpfen auf Erden, zweifältig, nämlich sterblich dem Leibe nach und unsterblich nach dem wesentlichen Menschen.

Denn obwohl er unsterblich ist und Gewalt über alle Dinge hat, muss er dennoch die sterblichen Dinge erleiden, welche dem Schicksal unterworfen sind, und obwohl er vornehmer ist als der geschaffene Kosmos, so ist er dennoch ein Knecht dessen geworden, aber Mann und Frau zugleich aus dem Vater, der Mann und Frau zugleich ist, und er herrscht ohne Schlaf in der Macht dessen, der ohne Schlaf ist.

Das ist bis zu diesem Tag ein verborgenes Geheimnis, denn als die Natur sich mit dem Menschen vermengt hatte, hat sie ein Wunder über alle Wunder zum Vorschein gebracht.

Denn als der Mensch die Schöpfermacht der sieben Regenten von dem Feuer und von dem Geist hatte, so blieb sie nicht stille, sondern gebar von Stund an sieben Menschen nach der Natur der sieben Regenten, die Mann und Frau zugleich und hoch erhöht waren.

Die Geburt dieser sieben Menschen ist auf eine solche Weise geschehen: die weibliche Luft und das schwebende Wasser hat aus dem Feuer die Reifung und aus der allerreinsten Luft den Geist genommen, und die Natur hat nach dem Bilde des Menschen den Leib hervorgebracht.

Aber der Mensch ist aus dem Leben und dem Lichte zur Seele und zum Bewusstsein geworden, aus dem Leben zu einer Seele und aus dem Lichte zu einem Bewusstsein, und so wurde er über alle Glieder der empfindenden Welt bis an das Ende der Umkreises herrschend und gebärend.

Nachdem der Umkreis angefüllt war, wurde nach dem Rat GOTTES von allen Dingen der Bund aufgelöst, denn alle Tiere, die zugleich männlich und weiblich sind, wurden zugleich mit dem Menschen aufgelöst und das eine Teil wurde männlichen und das andere Teil aber weiblichen Geschlechts.

Und GOTT sprach durch sein heiliges Wort von nun an: Wachset in Wachstum und vermehret euch in der Vermehrung, alle ihr Geschöpfe und Werke, und wer das Bewusstsein in sich hat oder verständig ist, der erkenne sich selbst, dass er unsterblich sei und wisse, dass die Liebe zu dem Leibe die Ursache des Todes sei, und erkenne alle Eigenschaften.

Und als GOTT dieses gesprochen hatte, hat die Vorsehung durch das Schicksal und die Zusammenstimmung die Vermengung eingeführt und die Gebärung eingesetzt, und alle Dinge sind in ihrem Geschlechte vermehrt worden, und wer sich selbst erkannt hat, der ist in das Gute (welches über alles Gute ist) gekommen, aber wer aus Verleitung der Liebe den Leib geliebt hat, der bliebt in der Finsternis irrend und leidet empfindend das, was des Todes ist.

Ich sprach, was haben die Unwissenden so hart verschuldet, dass sie der Unsterblichkeit beraubt werden?

Warum sind diese des Todes würdig, die in dem Tode sind; ist’s darum, weil vor dem Leibe eine traurige Finsternis vorhergeht, aus welcher die feuchte Natur und aus welcher der Leib in der empfindenden Welt gemacht ist, woraus der Tod entsteht?

Dieses hast du nun recht verstanden.
Aber wie kommt der zu GOTT, der sich selbst erkennt, wovon das Wort GOTTES spricht?

GOTT und der Vater, aus welchem der Mensch geboren, ist Licht und Leben: Wenn du deshalb lernst, wie du aus Licht und Leben bestehst, so wirst du wieder in das Leben eingehen. Also sprach Poimandres.
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