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Philosophie

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Alt 20.03.2008, 13:11   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #1 (permalink)
Marjul
Erfahrener Benutzer
 
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Registriert seit: 09.02.2007
Ort: bei Münster/Westf.
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Beiträge: 2.053
Blog-Einträge: 5
Auseinandersetzung mit dem Leid

Hallo!

Angeregt durch deine Aussage, Little Light, mache ich jetzt wahr, was ich auch schon wünschenswert fand: einen eigenen Thread zum Thema Leid.

Zitat:
Das Thema: "Leidvolle Konstruktionen und konstruierte Hilfe - Auseinandersetzung mit dem Leid" würde mich auch sehr interessieren, allerdings finde ich, ist das ein Thema für sich, oder? Würde mich sehr freuen, wenn Ihr dazu ein eignes Thema aufmacht,

Ich denke in letzter Zeit von der sprachlichen Seite her über das Thema nach. "Leiden" ist im älteren Sprachgebrauch nicht unbedingt etwas Schmerzhaftes, sondern Passivität. In der Grammatik heißt das Passiv "Leideform". Man findet diese Bedeutung auch noch in Ausdrücken wie "Ich mag dich leiden" oder "Leidenschaft".

Wenn ich einen Ausdruck wie "leidvolle Konstruktionen" lese, klingt mir das eher nach Aktivität. Da hat jemand - wahrscheinlich unbewusst - sich etwas Leidvolles aufgebaut.

.... So weit erst mal. Vielleicht fällt euch etwas dazu ein.

Herzliche Grüße
Marjul
Marjul ist offline  
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Alt 20.03.2008, 13:58   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #2 (permalink)
Crazy Angel
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 24.11.2006
Ort: Am schönen Niederrhein
Beiträge: 789
Hallo,
dazu fällt mir ein schöner Spruch ein:

"Wer Leiden liebt, hört auf, am Leiden zu leiden"...

LIebe Grüße,
Crazy
Crazy Angel ist offline  
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Alt 20.03.2008, 14:55   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #3 (permalink)
little Light
Kind des Lichts
 
Benutzerbild von little Light
 
Sternzeichen: Jungfrau
Registriert seit: 10.06.2006
Ort: Süddeutschland Lkr. RV
Alter: 36
Beiträge: 338
Hallo liebe Marjul,

vielen Dank dafür, dass Du dies Thema hier eröffnest
Ihr habt mich sehr zum Nachdenken angeregt.
Schmerz und Leid war bis gestern nichts, das ich getrennt gesehen hätte und doch: WENN (wovon ich ausgehe) wir alle Konstrukteur unseres eignen Lebens, unserer eignen Wahrnehmung sind, oft unbewusst und manchmal auch bewusst, dann können wir also auch entscheiden, inwiefern und wie lange wir Schmerz empfinden, oder?
Ich selbst arbeite ja nun seit einigen Jahren online als Moderatorin in der Kummerarbeit und es gibt immer wieder die Menschen, die im Leiden "feststecken" bleiben, die sich tatsächlich im Extremfall ihr ganzes Leben um dieses Leid herum aufbauen. Diesen Menschen kann man normalerweise nicht wirklich helfen. Man kann da sein, zuhören bzw. lesen, aber mehr auch nicht. Meist ist die Angst vor Veränderung bei diesen Menschen größer als das, was sie als ihr "Leid" ansehen.

Leid im Sprachgebrauch *grübel* Herzeleid, leidvoll, Mitleid, Leidenschaft

Leid ist ein sehr kraftvolles Wort, denke ich, gleichzeitig aber auch ein sehr hoffnungsloses Wort, so empfinde ich es. wenn ich leide bin ich meinen gefühlen "ausgeliefert". Wenn ich mitLEIDE anstatt Mitgefühl zu haben macht mich das starr, bewegungslos, obwohl das Gefühl an sich ja sehr stark ist...

Den Spruch:
Zitat:
"Wer Leiden liebt, hört auf, am Leiden zu leiden"
kann ich allerdings nicht bestätigen. Selbst diejenigen, die das Leiden vermeintlich lieben leiden ja dennoch weiter.



soweit ersteinmal meine ersten Gedanken zu Thema.

alles Liebe Euch

Light


little Light ist offline  
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Alt 21.03.2008, 09:53   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #4 (permalink)
Marjul
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Beiträge: 2.053
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Hallo Angel, hallo Light

danke für eure Beiträge, sie geben mir zu denken.

Leiden wird überwiegend als etwas Passives erlebt, wie der Sprachgebrauch sagt. Nach dem Yin-Yang-Prinzip muss es aber auch ein aktives Element enthalten. Dass ich leide, damit verfolge ich ein Ziel. Es ist mir unbewusst, denn wenn ich es kennte, würde ich es aktiv verfolgen, anstatt zu leiden.
Ich finde es für mich hilfreich nach meiner Absicht zu suchen, die mich krank sein oder "Pech haben" lässt.

Ich bin zur Zeit damit beschäftigt, zwischen Schmerz (oder Unannehmlichkeit) und Leiden zu unterscheiden. Unangenehmes gibt es immer wieder, aber meine innere Stimme sagt mir, dass ich deshalb nicht leiden muss. Wenn ich mich beobachte, tue ich es auch nicht. Ich frage mich, was den Unterschied ausmacht, ob ich eine und die selbe Situation als Leiden erlebe oder nicht. Ich komme immer wieder darauf, dass ich im Zustand von Betrachtung oder Meditation nicht leide, ganz gleich, was gerade geschieht, und dass ich ohne Betrachtung oder Meditation leide, auch ganz gleich, was gerade geschieht.

Herzliche Grüße
Marjul
Marjul ist offline  
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Alt 21.03.2008, 10:47   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #5 (permalink)
Satyanetra
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 19.12.2006
Beiträge: 3.771
Ich denke nicht, daß Gott das Leid erschaffen hat. Natürlich gibt es Situationen, in denen Menschen unendliches Leid ertragen müssen. Davon möchte ich hier jetzt nicht sprechen. Aber, in der Regel habe ich mich selbst, bewußt oder unbewußt für das Leiden entschieden. Ich richte mich in diesem Leid ein, weil es mir, so verrückt es auch klingt, eine subtile Freude schenkt. Dieses selbstgewählte Leid, das bis hin in eine tiefe Depression gehen kann, schenkt mir dann einen Zustand der Vertrautheit und Sicherheit. Wie ein Kamel, das ständig Dornenbüsche frißt. Das Maul des Kamels blutet und blutet und trotzdem frißt es diese Dornenbüsche weiter mit Genuß. Ich denke, daß, wenn ich erkenne, daß diese subtile Freude, die ich im Leid zu empfinden glaube, keine wirkliche Freude ist, erst dann bin ich eventuell bereit, nach wahrer Freude im Leben zu suchen und die gleichen Fehler nicht noch einmal zu begehen. Wir Menschen sind nicht aus dem Leid hervorgekommen, sondern aus dem göttlichen Licht und der göttlichen Freude. Die Quelle des Lebens aus der wir hervorgekommen sind, ist grenzenloses Licht und nicht Dunkelheit. Und nach und nach wachsen wir bewußt in Licht, größeres Licht und schließlich grenzenloses Licht hinein. Ich brauche nicht zu leiden, um in meine eigene Quelle hineinwachsen zu können. Welch absurder Gedanke. Leid hat hier nichts zu suchen. Wenn Leid in meinem Leben erscheint, sollte ich es zwar annehmen, aber nicht in ihm verharren oder gar einen höheren Sinn darin vermuten. Meistens bin ich es doch selbst, der sich in das Leid hineinmanövriert hat. Gott hat mir ein gewisses Maß an Freiheit geschenkt und Er schaut, wie ich jetzt mit dieser Freiheit umgehe. Niemand, auch Gott ist dafür nicht verantwortlich zu machen. Leid ist Leid und Glücklichsein ist Glücklichsein. Beides ist völlig verschieden. Es ist schlußendlich eine tiefe, innere Entscheidung, eine Entscheidung für das Glücklichsein, dass mich in den meisten Fällen von meinem Leid befreien kann und es auch tut.
Satyanetra ist offline  
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Alt 24.03.2008, 02:38   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #6 (permalink)
odysseus05
Ithaka ist nah.
 
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Blog-Einträge: 89
Hallo Marjul,

Leiden gehört zum Leben dazu.
Die Buddhisten nennen Leid dukkha.
Dukkha ist einer der mächtigsten Lehrer.

Die meisten Menschen identifizieren sich komplett mit dem Leid.
So wird das Leid häufig schlimmer und es bleibt auch länger und wir leiden sehr stark drunter. Weil wir Leid grundsätzlich ablehnen und so schnell wie möglich loswerden wollen, verpassen wir die Chance von dem Leid zu lernen.

Viele Leiden erdenken wir uns selbst. Die Gedanken haben einen großen Einfluss. Lösen Gedanken andauernd Streß aus, wird der Körper irgendwann krank. Sind die Gedanken fast immer dunkel, dann kommen Depressionen.

Der Weg aus dem Kreislauf der krankmachenden Gedanken, ist die Achtsamkeit. Hat man diese Gedanken rechtzeitig erkannt, läßt sie los und transzendiert sie sogar in Liebe, dann ist es möglich viel Leid von vornherein zu verhinden. Gänzlich werden wir dem Leid auch so nicht entkommen. Es gibt Krankheiten, die mit dem Altwerden einfach kommen. Was wir allerdings steuern können, ist die unsere Reaktion darauf.

Ich beschäftige mich erst so seit einem Jahr mit der buddhistischen Philosophie. Deswegen sorry, wenn ich das eine oder Andere noch nicht ganz korrekt wiedergeben kann. Ich kann aber schon jetzt sagen, dass die 2500 Jahre alte Lehre sehr wirksam ist, wenn man täglich an sich arbeitet.
Genügend Dukkha ist ja vorhanden.

Liebe Grüße

Stefan
odysseus05 ist offline  
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Alt 24.03.2008, 05:24   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #7 (permalink)
Marjul
Erfahrener Benutzer
 
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Ort: bei Münster/Westf.
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Beiträge: 2.053
Blog-Einträge: 5
Hallo Stefan

danke für deinen Beitrag.
Ein bisschen habe ich mich auch mit Buddhismus beschäftigt.
Jemand, der dort viel gelesen und geforscht hat, meinte, das Wort "dukkha" hat zu tun mit "unrund laufen", "holpern". Das ist etwas Unangenehmes, aber ob man daran leidet, liegt in der eigenen Entscheidung. Es gibt eine Geschichte vom Buddha, in der er klar macht, dass man nur leidet, wenn man an jemandem (oder etwas) hängt. Wenn der Zusammenhang einem gleich-gültig ist, leidet man nicht. Die Geschichte steht in den "Reden des Buddha". Wenn dich sehr anschaulich erzählte Geschichten aus dem Buddhismus interessieren, kannst du hier mal schauen:
http://www.kommundsieh.de/stories.html

Liebe Grüße
Marjul
Marjul ist offline  
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Alt 06.04.2008, 15:59   Auseinandersetzung mit dem Leid Beitrag #8 (permalink)
Gast9280
Gast
 
Beiträge: n/a
Hallo Marjul,

es gibt ein Zitat von Osho (sinngemäß), man könne sich entweder für das Leiden oder aber den Schmerz entscheiden.

An anderer Stelle heißt es, Schmerz ist wie das Zerbrechen eines Kruges, das Aufbrechen hin zu einer neuen, weiteren Sichtweise.

Ich finde beide Betrachtungen irgendwie sinnvoll. Das Leiden entsteht -weitergedacht- dann daraus, den Schmerz noch nicht vollständig dasein lassen zu können. Das ist ja auch eigentlich die klassische psychotherapeutische Auffassung. So leidet man wohl immer wieder und immer weiter --- bis zum letztendlichen Zulassen-Können von allem, auch von Leid...

Gruß von Emmie
 
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