Malaria
Die Leute hier in den Wäldern Boliviens heilen sich mit der Chinarinde. Sie wird zum Gebrauch zerquetscht, mit Alkohol- und Zuckerrohrschnaps angesetzt und vor dem Fieberanfall getrunken. Auch ich habe später gegen die Malaria nur noch die Chinarinde verwendet und damit ausgezeichnete Erfolge erzielt. Ich kam einst mit starker Malaria nach Europa zurück und ließ mich lange ärztlich behandeln ohne aber von den Fieber ganz befreit zu werden. Erst als ich in Brasilien wieder eine Kur mit frischer Chinarinde durchmachte, wurde ich es los.
Mit der Zeit bekam ich eine gewisse Übung im Heilen von Malariakranken und bin der Ansicht, daß das Chinin heute noch vielfach unrichtig verordnet wird. Wer die Malaria hat und sich selber ein wenig beobachtet, weiß ganz genau, wann der Anfall kommt. An diesem Tage muß gefastet werden und ein wirksames Abführmittel soll den Körper vollständig entleeren. Zehn Minuten vor dem zu erwartenden Anfall nimmt man ungefähr ein halbes Gramm Chinin oder ein halbes Glas voll angesetzter Tinktur und nach 15 Minuten abermals die gleiche Dosis. So trifft man sicherlich den Augenblick in dem sich de das Fieber auslösenden Bakterien teilen. Nach drei derartigen Kuren ist in 14 Tagen eine Malaria geheilt. Hält man sich jedoch lange in verseuchten Gegenden auf, wo man jeden Tag neu infiziert wird, so schützt nur das tägliche Einnehmen von Chinin vor der verheerenden Wirkung des Fiebers. Die Heilkur hat erst Erfolg, wenn man sicher ist nicht mehr neu infiziert zu werden.
Die ursprüngliche Heimat der Chinarindenbäume ist die östliche Abdachung der Anden, etwa zwischen dem 10. Grad nördlicher und dem 19. Grad südlicher Breite, wo er in 1000 bis 2000 Meter Meereshöhe vorkommt. Ähnlich wie beim Gummisuchen vereinigen sich acht bis zehn Mann und bilden eine sogenannte Chinerogruppe. Mit Lebensmitteln, Buschmesser und Axt versehen dringen sie in die unwirtlichen schwer zugänglichen Schluchten und Bergkämme vor. Der Baum ist nicht sehr häufig; ist aber einer gefunden, wird er gefällt und die Rinde von Stamm und Ästen geschält. An einer sonnigen Stelle wird sie unter steter Aufsicht getrocknet, denn bei unvorsichtigem Dörren der Rinde gehen die wirksamen Bestandteile der Rinde leicht verloren. Heute liefern Ceylon, Java und Ostindien, wohin der Chinabaum verpflanzt wurde, die meiste Rinde auf den Weltmarkt.
Entnommen dem Buch: Der Reiherjäger vom Gran ChacoAutor: Walter Burkartübermittelt von Dr. med. Frank Hesse, Santa Cruz de la Sierra - Bolivien