Liebe Freunde,
bald ist Weihnachten und da dachte ich, wir könnten mal erzählen, wie wir Weihnachten verbracht haben, als wir noch Kinder waren. - Gut, manche von uns sind heute noch Kinder...

Um einen Anfang zu machen, erzähle ich kurz, wie es bei uns zu Hause war.
In der Adventszeit wurden fleißig kleine Kärtchen geschrieben, auf denen unser Adresse stand. Es waren meistens 25 dieser Kärtchen. Am Heiligabend zog meine Mutter los, um die Kärtchen zu verteilen. Nicht an Freunde oder Bekannte, oder Geschäftsleute. Nein, Mutter ging in die Armenviertel, in die Einkaufstraßen und suchte Menschen, die einsam waren. Menschen, die frierend auf der Straße saßen, in zerlumpten Kleidern und die mit ausgestreckten Händen sich ein wenig Wärme erbetteln wollten. Diesen Menschen gab Mutter eine ihrer Karten. Und so wurde das Weihnachtsessen im Kreise von zerlumpten, aber glücklichen Menschen verbracht, die so einmal im Jahr wieder Wärme - sowohl die menschliche, als auch die körperliche - empfinden durften.
Oft, wenn ich einem Bettler begegne, denke ich an diese Weihnachtstage zurück. Vielleicht liegt auch darin der Grund, daß ich heute kein Geld für die Behandlungen der Kranken verlange. Woher weiß ich, ob nicht eines Tages ich mit ausgestreckten Händen am Straßenrand sitze?
Liebe Grüße Euch allen
Semonel