Geistige Phaenomene:
Wenn sich ein Anfaenger zur Mediation hinsetzt, wird er mit allerlei Phaenomenen konfrontiert, die mitunter eine sofortige Tiefe in der Mediation nicht zulassen.
Schließlich muss man verstehen, dass sich ein Geist, der sich bestaendig in der Außenwelt orientierte, nicht so einfach nach Innen richten kann.
Der Uebende wird bemerken, dass er ploetzlich mit einer Fuelle an Gedanken konfrontiert wird, die scheinbar vorher nicht vorhanden waren.
Tatsache ist es jedoch, dass diese Gedanken schon immer anwesend waren, doch waehrend der alltaeglichen Handlungen kaum bemerkt werden.
Im Grunde ist jede Handlung das Resultat eines Denkvorgangs, doch bei den meisten Menschen ist das Bewußtsein staerker an die Handlungen gebunden, waehrend das Denken eher einen passiven Stellenwert besitzt, obwohl es Ausloeser fuer das Handeln ist.
In der Meditation aber, wenn das Handeln zur Ruhe kommt, treten die Gedanken in den Vordergrund, so dass man mit einer derartigen Fuelle gar nicht gerechnet haette.
Sie scheinen sich regelrecht aufzudraengen, und kaum sind die einen verschwunden, werden sie umgehend durch andere ersetzt.
Vor dieser Gedankenflut darf man nicht zurueckweichen und sich einbilden, dass man unter diesen Umstaenden gar nicht meditieren kann.
In dieser Situation muss man jede Aufregung vermeiden und versuchen, weiterhin in entspannter Haltung zu sitzen, waehrend man sich sanft auf den Atem konzentriert.
Die Konzentration findet zuerst an den Nasenoeffnungen statt, wo der Atem die Nase verlaeßt und wieder in sie eintritt, um von hier aus in die Lunge zu gelangen.
Je feiner der Atem wird, um so mehr lassen die groben Formen des Denkens nach, denn das Atem-Feld ist der Traeger der Gedanken.
Ist der Atem ganz fein geworden, so dass man das Gefuehl hat: Oh, welch lieblicher Hauch, geht man dazu ueber, sein Bewußtsein in die Mitte des Kopfes zu verlagern.
Von hier aus steigt man kangsam durch das Kehl- und Herz-Zentrum zum Nabel-Zentrum herab, um sich dort der friedlichen Betrachtung hinzugeben.
Wesentlich ist, das man sich nicht mit den aufsteigenden Gedanken identifiziert, sondern sie vollkommen neutral betrachtet, als wuerden sie nicht zu uns gehoeren.
Es ist eine Tatsache, dass Gedanken nicht wirklich zu uns gehoeren, denn es handelt sich lediglich um Fragmente des Mental-Feldes, die von Menschen als Abbilder der Materie zum Leben erweckt wurden.
Atem- und Mental-Feld sind einheitlich miteinander verbunden.
Von Natur aus haben Gedanken keinerlei Inhalt; diesen bekommen sie erst durch die subjektive Identifizierung der einzelnen Menschen.
Durch die Identifizierung aber laden sie die Gedanken auf und entlassen sie wieder in den Raum des Mental-Feldes, wo sie [aufgeladen] eine Art Eigenleben fuehren.
So verbinden sie sich z.B. mit aehnlichen Gedanken und Mustern und erlangen dadurch eine immer staerkere Dichte und Praesenz.
Haben wir uns mit Gedanken identifiziert, wird es zwangslaeufig geschehen, dass diese immer wieder zu uns zurueckkehren, wobei sie, durch die Vereinigung mit anderen Fragmenten, eine viel staerke Wirkung haben als wie zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns vorher mit ihnen identifiziert haben.
Hier kann man auch sehen, welche Kraft ein Gebet oder eine Affirmation haben kann, wenn wir sie mit Hingabe sprechen oder rezitieren.
Gedanken an sich haben kaum eine Wirkung; diese bekommen sie erst durch die Energie unserer Emotionen, mit denen wir die Gedanken aufladen.
Darum ist es innerhalb des spirituellen Weges von großer Wichtigkeit, ein emotinales Gleichgewicht herzustellen, so dass man durch aeußere Phaenomene nicht erschuettert wird.
Ein emotionaler Mensch stuerzt von einem Chaos ins Naechste, und er kommt erst zur Ruhe, wenn er es lernt, sich nicht ueber jede Angelegenheit kuenstlich zu erregen.
Jede Erregung ist ein guter Naehrboden fuer die Fragmente des Denkens.
Dynamisierte Gedanken koennen mitunter eine Staerke erreichen, dass man sie kaum noch los wird, und wenn, dann nur mit groeßter Willenskraft.
Dieser Wille muss nach und nach aufgebaut und gestaerkt werden, denn er ist notwendig, dass wir dem Denken in neutraler Haltung begegenen.
Innerhalb dieser Haltung bekommen sie keine Kraft mehr, und alles, was kraftlos wird, loest sich naturgemaeß ganz von selbst vom entsprechenden Traeger ab.
Es kann mitunter Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Denken langsam zur Ruhe kommt, waehrend die Praesenz des Bewußtseins immer deutlicher wird.
Die Meditation ist dann auch nichts anderes als die Wache Praensenz des Geistes, der an nichts haftet und dadurch immer mehr an Tiefe und Einsicht gewinnt.
Man muss dem inneren Chaos mutig entgegentreten, denn eigentlich existiert in uns nichts, wovor man sich fuerchten mueßte.
Furcht entsteht lediglich als Resultat einer Identifizierung und hat aus sich selbst keinerlei Bestand; ohne Identifizierung gibt es nichts, vor dem wir Angst haben muessten.
Wie schon erwaehnt, ist der Atem der Traeger allen Denkens; je ruhiger der Atem wird, um so mehr beruhigt sich das Denken.
Der Buddhismus gibt den Rat, dass man sich unter Einfluß aufsteigender Gedanken sagt: "Das bin ich nicht, das gehoert nicht zu mir, alles Denken ist von Natur aus leer!"
Dies ist eine gute Hilfe dafuer, dass die Gedankenmuster neutral bleiben und sich wieder entfernen, denn wir laden sie dann in keiner Weise auf.
Eine andere Redensart sagt: "Wo es keine Nahrung gibt, da entfernt sich jeder, der nach Nahrung verlangt, ganz von selbst!"
In diesem Sinne werden sich die Gedanken allesamt auflosen, wenn wir ihnen keine emotionale Nahrung anbieten, die sie staerken und kraeftigen.
Man darf nicht dem Irrtum verfallen, dass die Mediation vielleicht nicht der richtige Weg sei, nur weil man nicht sofort zur Ruhe kommt.
Ohne Mediation kann niemand zur Erkenntnis der Selbst-Natur gelangen; sie ist das einzige Mittel, um die sinnlichen Phaenomene zu transformieren.
Wer mit Hingabe meditiert, wird auch im Alltagsleben reichlich davon profitieren, denn das daraus erwachende Bewußtsein sorgt fuer eine sorgfaeltige Unterscheidung aller Dinge, so dass einem deutlich wird, was dem Leben nuetzlich ist und was nicht.
Von Vorteil ist es auch, sich das Bild eines Meditierenden offensichtlich an die Wand zu haengen, denn es erinnert einen bestaendig an die Wirkungsweise der Meditation.
Ob man sich jetzt fuer Buddha, Shiva, Krishna oder wen auch immer entscheidet, oder ob man sich selbst ein Bild herstellt, ist nicht von großer Bedeutung; das Wichtige dabei ist, dass sich die Person - im Frieden des Selbst verweilend - in der Haltung der Meditation befindet.
Viel Freude beim Meditieren.
Mit guten Gedanken
Anzeraq