Nicht, dass ich sicher wüsste, was es mit den Pflanzen und der oder deren Magie auf sich hat, aber aus Gewissen Erfahrungen und Indizien könnte ich vielleicht eine eigene Deutung wagen... Heutzutage habe ich leider den Bezug zur Natur verloren. Die Gründe dafür spielen hier keine Rolle. Aber früher als die Tage noch unendlich lang waren und die Welt um mich herum ein unergründbares und deshalb umso aufregenderes Mysterium dargestellt hat, gelangte ich als hätte er mich zu sich gerufen an einen Ort der Rätsel und der Schönheit. Ich kann nicht mehr sagen wie alt ich genau war oder zu welcher Jahreszeit jenes geschah, aber bis heute ist mir nie mehr etwas so vergleichbar rätselhaftes und doch wunderbares zugestossen wie damals und so leben die Bilder dieses einen Tages noch immer so in meinen Erinnerungen, als wollten sie und der Ort den sie verkörpern jeden Tag wieder von neuem entdeckt und gefunden werden. Es geschah an einem Spaziergang und ich glaube, dass es einer von diesen Tagen war, an denen man wie durch lauwarmes Wasser gleiten konnte und man so frei war, als erstrecke man sich bis weit ins Unendliche. An diesem Spaziergang hatte ich kein Ziel und keinen Weg, denn wo wäre das Abenteuer, wenn man von vornerein wüsste was einen am Ziel erwarten würde. Ich glaube aber auch nicht, dass ich mir die Frage nach einem Ziel und einem Rückweg hätte stellen können, denn irgendwie und irgendwann wusste ich, dass ich mich nicht mehr in einer Welt bewegte, in der es ein Ziel oder einen Ursprung gab, aber auch nicht die Gedanken und Sorgen eines Menschen, sondern nur die Gefühle die mich und dieses rätselhafte Ort verbanden. Und so geschah es, dass ich mich an diesem Ort wiederfand, den ich noch nie in meinem Leben betreten hatte und die Zeit stand still. Der Ort wahr fahl und leblos. Wie ein grauer Schleier erstreckten sich seine Grenzen rund um mich herum und die Luft zeigte sich so blass und verschwommen als würde man gerade frühmorgens von einem Traum erwachen und sich müde und verschlafen die beiden Augen reiben. Doch sollte das alles nur dazu dienen die Aufmerksamkeit auf diesen einen Punkt zu lenken. Dort befand sich das eigentliche Wunder. Eine Blume. Aber nicht nur irgendeine Blume. Sie war mit solch wunderbaren, weissen Blütenblättern beschmückt, dass sie die Umgebung mit ihrem weissen Glanz erhellte so als seien sie in Wahrheit die Schwingen eines Engels, der sich von den unendlichen Höhen des Götterhimmels herabgeschwungen hat, nur um der Welt seine niemals endende und reine Schönheit zu offenbaren. Und ich war nicht fähig ein Wort zu sagen, oder es zu denken, denn in diesem Moment begriff ich was es heißt sich zu öffnen und einfach nur glücklich zu sein... Das nächste an das mich erinnern kann ist, dass ich mich auf dem Heimweg befand, wieder in dieser Welt. Ich erfuhr, dass ich an einem Ort war, den es nicht gibt, ich konnte mich ja nicht einmal an einen Weg dorthin und zurück erinern und mich dort während einer Zeit befand die niemals stattgefunden hatte, denn es war keine Zeit vergangen. Heute denke ich oft, dass es vielleicht nur ein Kindertraum war, nichts weiter als eine Fatamorgana meiner Fantasie, denn nichts davon schien wirklich echt gewesen zu sein. Aber eine Ausnahme gab es doch: das Gefühl dieses unendlich glücklichen Momentes, den ich erlebt hatte, das selbst bis heute weder an Stärke noch an Echtheit verloren hat. Und dieses Gefühl ist echt und kein Mensch und kein Wort der Welt könnte es mir heute noch entreißen, denn unsterblich sind nicht die Gedanken und Erlebnisse die uns mit einer Welt verbinden, es sind die Gefühle die wir mit ihr teilen. Und ähnlich erging es mir, auch wenn ich eigentlich denke, nun von der Natur entfremdet zu sein, an manchen Tagen vor nicht all zu langer Zeit. Wieder bei diesen mysteriösen Spaziergängen... Und zwar liebe ich es den Myriaden von unerzählten Geschichten des Sternenhimmels zu lauschen um in ihnen ein Leben führen zu können, welches den Märchen und Sagen meiner innigsten Träume und Wünsche entspricht. Daher pflege ich es auch hin und wieder mich des Nachts zu den Sternen auf zu machen. Und es ist seltsam, aber inmitten des Sternewanderns geschah es, dass sich mir ein Raum offenbarte, der ebenfalls die Zeit nicht zu kennen schien und nur die Gefühle die mich mit ihm verbanden bis über seine Grenzen entlassen konnte. Aber ich weiss mit Gewissheit nicht nur diesen Raum beschritten zu haben. Viel mehr schienen zu dieser Zeit diese Welt und der Raum eins geworden zu sein, wie es zwei sich liebende Hände tun, denn ich weiss um die Dinge die ich während dieser Zeit, so wie ich sie jetzt auch sehe, gesehen habe. Das hat schon fast einen Anschein von Ironie. Die Tür die ich schloss um im Licht der Nacht baden zu können ist nie wirklich verschlossen. Ich trat nämlich genau zur selben Zeit wieder ein wie ich sie eigentlich hätte schließen sollen. Und so war ich an einem Ort, zu einer Zeit, die niemals stattgefunden hatte... Das Problem, dass wir haben wenn wir von der Natur reden ist, dass wir sie mit unseren Sinnen kaum wahrnehmen können und höchstwahrscheinlich als die Menschen die wir sind auch gar nicht in der Lage dazu sind. Es ist nun sicherlich nicht die ganze Wahrheit, aber in irgend einer Form muss man einen ganz bestimmten Zustand von Geist und Psyche, wahrscheinlich auch verbunden mit dem Körper und dem was er beinhaltet oder darstellt, erreichen oder annehmen können. Und unser Freigeist, unser Verstand und unsere Verbindungen an alles Anfassbare sind nur Fassaden, die uns aufhalten. Alles was wir als Logik, Vernunft oder als gut, wahr oder falsch bezeichnen ist absolut entbährlich. Das sind ledliglich die Säulen, die unsere erstickend kleine Welt zusammenhalten. Deswegen sind wir auch heute kaum in der Lage durch die Welten zu gehen, wie es in den vielen Sagen die uns fremden Magier, Helden und Götterwesen taten, denn wir sind alles andere als frei und wären wir es, könnten wir dann jetzt hier stehen und von Dingen reden, die wir nie erreichen, verstehen oder wahrnehmen können? Von diesem Standpunkt aus scheint es absurd weiterzureden und doch lassen sich Formen erkennen, die in Wahrheit keine sind, aber dennoch Teile eines grenzenlosen Puzzles darstellen, dem wir ja schließlich auch mit angehören müssen. Natürlich erscheint es unglaubhaft, aber ich fühle, dass das Ereignis mit der Blume und dem Spaziergang fest mit dem was wir Magie nennen verwoben ist. Das Gefühl des Glücks und der Zeitlosigkeit, es war nicht nur ein bestandloser Zustand, es war ein Moment des Zusammenseins, nicht in dem irdischen Sinne, dass sich 2 Wesen gegenüberstehen, es war ein Verschmelzen zweier unendlicher, ursprünglicher Gegebenheiten, wie wenn sich ein Horizont in einen anderen ergießt. Das seltsame ist, dass ich das, eben wegen der Zeitosigkeit, Gefühl hatte, dass es so schon immer war und auch immer sein wird, so als ob dieses Ereignis fester Bestandteil meines Selbst ist und vielleicht auch andersrum. Dann war dieses Ereignis nur ein kurzes Erwachen aus einem Traum, den ich schon mein ganzes Leben gelebt hatte. Wiederrum ist das was ich Glaube, dass es die Magie ist auch genau so Teil von uns wie wir es wahrscheinlich von ihr sind. Wenn wir nun wirklich diese Wesen oder gar Zustände mit ihren sich ewig weit erstreckenden Facetten in alle Richtungen sind, dann ist die Magie nichts weiter als der Ausdruck unseres eigenen Selbst, wahrscheinlich aber auch wieder andersrum, so wie dann alles andere auch Ausdruck ebendieser ist. Was dann die Natur mit der Magie zu tun hat? Gerade wegen der Blume denke ich, dass die Natur einen von sich aus erhabeneren Zustand animmt, wie wir es als Menschen nicht können. Gerade wegen dem Gefühl der Gemeinsamkeit das ich an diesem wunderbaren Ort verspürte, glaube ich, dass alles mit allem verbunden ist, was nicht heißt das wir und die Natur ein und dem selben Wesen entsprechen. Daher sind wir genau so das Lied das die Natur über uns singt, wie die Lieder die wir für sie komponiert haben. Die Magie ist das was wir aus ihr machen, wie wir die Geschichten sind die wir für uns schreiben. Alles ist Teil dieser allesumfassenden Melodie die aus dieser Welt das gemacht hat worin wir unsere Existenz zu klingen verpflichtet haben...