Teil 1: mein Berufsweg
Hallo,
gerade war es mal wieder so weit. So weit, dass ich den Telefonhörer danebenlegen musste. Es ist doch immer wieder schön, die Aufmerksamkeit der lieben Verwandtschaft zu haben

auch wenn man die eigentlich gar nicht will.
Ich habe zur Zeit absolut keine Ahnung, wie ich weiterkommen soll. Mein Lebenslauf war ein ziemliches Zickzack nach der Schule (und auch vorher schon). Ich begann mit einer Sprachenausbildung (die mir soweit gefiel) und brach diese nach einem Jahr ab, als es an die Wahl der Nebenfächer ging.
Weiter an die Uni, dann an die Schauspielschule - Theater erst ein Jahr theoretisch, dann praktisch, könnte man sagen.
Weil das Schauspielstudium eine irre nervliche Anspannung ist und die Schule im Begriff war, sich aufzulösen (war ne kleine Schule, ja), wieder Abbruch (außerdem reichten weder Geld noch Entschlossenheit, woanders weiter zu machen).
Ha, eins hab ich vergessen: die ersten drei Monate hab ich sogar versucht, die Sprachen parallel weiterzumachen. Bis buchstäblich die Schotten runtergingen, aber dass ich mich nicht ins Zeug gelegt hätte, kann man mir wohl nicht vorwerfen.
Dann wieder zwei Jahre woanders die Sprachen weitergemacht mit Abschluss. Dort war ich glücklich, hab auch freiwillig dort Sachen gemacht, hatte ein Semester sogar ein Stipendium.
Dann folgte sofort im Anschluss das Auslandsjahr. Das war schrecklich. Ich hab im Grunde sofort gewusst, dass ich mir damit was antue. Trotzdem habe ich mich dazu vergewaltigt, muss man sagen.
Was geschah - natürlich, ich wurde zeitweilig krank, verkrachte mich nicht nur mit einer Projektgruppe, sondern fiel auch durch zwei Prüfungen, die ich einige Monate später (letzten August) wiederholte und auch bestand. Das habe ich getan, um die Abschlussarbeit für einen akademischen Titel schreiben zu können, also um zugelassen zu werden.
Nur, letzten Sommer und Herbst waren meine Batterien einfach leer. Was ich seitdem gemacht habe? Nicht viel. Mich für ein paar Jobs beworben, ohne viel Erfolg. Zwei, drei Vorstellungsgespräche (ja, so wenige!). Ein paar vage Gedanken für ein Thema für die Abschlussarbeit gewälzt.
Und die ganze Zeit habe ich das Gefühl, mitten in einem grauen Fleck zu hängen. Nichts hat Kontur, und nichts interessiert mich richtig, und ich weiß nicht, wie ich da wieder heraus komme.
Jetzt habe ich mehr oder weniger beschlossen, doch diese Abschlussarbeit zu schreiben, sonst werde ich den Gedanken an dieses blöde Auslandsjahr nicht los.
Im Herbst habe ich geglaubt, ich schreibe dieses Ding nicht. Nie. Aber alles ist eben besser als das hier jetzt. Außerdem hat man mich beim letzten Vorstellungsgespräch gefragt, wie denn das zusammenpasst - ein technisches Nebenfach und meine Schauspieljahre - tja, weiß ich auch nicht, habe ich gesagt, das ist eben alles in mir drin.
Gerne würde ich - vielleicht - im Studio arbeiten - Synchronsprechen oder so etwas. Ach ja - seit ich 5 bin, spiele ich ein Instrument. Nur das letzte Dreivierteljahr nicht mehr, und in dem ...Ausland natürlich auch nicht. An der Schauspielschule hatte ich eine Gesangslehrerin, die meinte, ich müsste unbedingt ein Demo machen - ich hätte locker das Talent für die Studioarbeit (und fürs Singen auch).
Und ich habs einfach nicht gepackt. Keine Motivation, wie wenn eine Wolke drinsitzt in meinem Schädel, sobald ich an was denke wie "spritziges Demoband". Ich bin nicht spritzig. Irgendwann hab ich zu ihr gesagt, ich muss aufhören, ich komm nicht weiter. Das ist jetzt knapp 3 Jahre her.
Ich kenn mich so gar nicht - es geht nix mehr. Das heißt, ich kenn mich so schon, aber nicht in dem Maße. Langsam war ich ja immer schon.
Übrigens war ich vor 4 Jahren mal bei einer psychologischen Zuordnungs-Beratung, sag ich mal, weil ich dachte, irgendwas stimmt nicht. Ich glaube, ich hatte damals auch einen latenten Liebeskummer

deswegen bin ich gerade damals gegangen, und der Mann sagte mir, er habe nicht den Eindruck, dass ich eine Therapie bräuchte. Hat mich aber dann an eine Dame, die Selbstsicherheits-Trainings abhält, verwiesen. Die sagte auch, sie habe nicht den Eindruck, ... sondern ich bräuchte vielmehr einen Rahmen, um meine Persönlichkeit zu entwickeln (übrigens, das alles war während des Schauspieljahres).
Gibt es solche Rahmen irgendwo zu kaufen? Klasse Frage für unsere Gesellschaft, gell?
Meine Mutter ist immer der Meinung, sie muss mir irgendwelche Adressen von irgendwelchen Bekannten aufdrängen, die ja soo tolle Jobs für mich wissen.

Leider kann ich mich im Moment darauf nicht einlassen, und ich weiß nicht mal selbst warum.
Aber meine Mutter, das wäre ein längeres Thema - dieses ist schon lang genug. Jedenfalls erscheint es manchmal sinnvoll, den Hörer neben den Apparat zu legen...

Warum sie das (mit den Adressen) nur immer wieder macht, wenn ich eh nicht darauf reagiere. Und natürlich bin ich dann schuld, wenns mir schlecht geht, weil ich die gescheiten Ratschläge nicht brav befolge, und nicht die Leute anrufe, die so nett und gescheit und geradezu von Kontakten überbordend sind.
Nun, dagegen kann ich mich gerade noch abgrenzen. Nur, was ich will, das weiß ich nicht. Alle Kraft ist weg.