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Lebensfragen

Lebensfragen beschäftigen sich mit Lebensführung. Bist Du an einem Wendepunkt und hast Lebensfragen, dann stelle sie hier. Vielleicht willst Du auch Deine positiven Erfahrungen in einer bestimmten Lebenssituation hier für andere wiedergeben?


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Alt 12.06.2010, 19:48   Liebe vs. Partnerschaft (?) Beitrag #1 (permalink)
Argos
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Alter: 33
Beiträge: 2.033
Liebe vs. Partnerschaft (?)

Es gibt ein Thema, das mich schon seit vielen Jahren beschäftigt und mir immer noch offene Fragen beschert. Mehr als das aber ecke ich ständig damit bei anderen Menschen an – daran habe ich mich gewöhnen können – und würde einfach mal gerne eure ehrlichen Meinungen dazu hören.

Seit fast 20 Jahren bin ich nun Kartenleger und seit ca. 10 Jahren lege ich auch für andere Menschen Karten, sei es privat oder beruflich und darf somit das tun, was ich eigentlich immer schon am liebsten tat: die erlebten (Lebens-)Geschichten von Menschen sehen/hören, Teilnehmen an Schicksalen anderer und sei es nur als Beobachter oder Ratgeber. Thema Nr. 1 ist natürlich immer Liebe und Partnerschaft, dicht gefolgt von Job/Beruf/Berufung und persönlicher Entwicklung und Entfaltung.

Auch wenn es mir erst durch meine Arbeit überdeutlich ins Auge gesprungen ist, ich sehe es mittlerweile auch immer wieder in meinem Privatleben, dass es da grundlegend unterschiedlich ausgerichtete Menschen gibt in puncto Partnerschaft und Liebe.


Es gibt jene, die den Menschen lieben, mit dem sie zusammen sind. Und es gibt jene, die die Partnerschaft lieben, die sie mit jemanden haben. Oder anders gesagt: Es gibt jene, die eine Beziehung wollen und dann nach jemanden suchen, der ihren Vorstellungen entspricht und es gibt jene, die sich in jemanden verlieben und deshalb mit ihm zusammen sein wollen.

Manchmal werde ich gefragt „Kannst Du mal schauen, ob ich mit XY zusammenkomme?“ Wenn die Antwort nein lautet, dann folgt nicht selten die Fragen „Und was ist mit YZ? Werde ich mit ihm zusammenkommen?“ Ach, denke ich mir dann manchmal, den liebst Du auch?

Oft erlebe ich es auch, dass ich Menschen tröste, wenn ihre Partnerschaft gescheitert ist und obwohl die Trennung noch sehr frisch ist „Wann lerne ich denn jemand anderes kennen?“ Oder „O.k., er war es halt nicht, aber irgendwann werde ich meinen Herzensmann haben und glücklich sein!" (um mal einen Gegenentwurf zum letzten Satz zu machen: Ich kenne jemanden, dessen Partner nach zwei Jahren verstorben ist; bis heute denkt er nichtmal an neue Partner)

Und nun meine Frage: Spinne ich oder seht ihr da auch einen Unterschied zwischen der Liebe zu einem Menschen und der Liebe zu einer Partnerschaft? Ist die Liebe zu einem Menschen nicht etwas, das bereichern und befreien sollte anstatt eine Lücke auszufüllen, die man eigentlich selbst ausfüllen muss?

Aber das größte Rätsel gibt mir die Frage auf, ob es neben diesem Entweder-oder auch ein Sowohl-als-auch gibt? Also, ob es auch Partnerschaften gibt, in denen man sich gegenseitig mit der gleichen Intensität liebt wie das, was man miteinander hat.

Ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch. Ich will überhaupt nicht damit sagen, es gäbe eine richtige Form der partnerschaftlichen Liebe und eine falsche! Ich denke nur, es gibt unterschiedliche, die mit Sicherheit alle ihre Berechtigung haben und jeder Mensch lebt ohnehin immer in den Formen und mit den Wahrheiten, in denen er leben und die er annehmen kann. Wem nützt denn da schon ein richtig vs. falsch (falls es solche Kategorien im Universum überhaupt gibt, außer in den Köpfen der Menschen).


Ich frage mich nur, wieso Menschen, die eigentlich nur das lieben, was jemand für sie tun kann (das Gefühl geben, geliebt zu sein; Geborgenheit schenken; Sicherheit; etc.) so darstellen, als wenn es dabei tatsächlich um den Partner gehen würde.

J. Derrida, ein vor kurzem verstorbener Philosoph wurde mal in einem Interview gefragt, wie er Liebe definieren würde. Er weigerte sich schlichtweg, eine Definition zu versuchen, mit der Begründung, dass dieser Begriff schließlich dermaßen „groß“ sei, dass man ihn als Mensch kaum fassen könnte, schon gar nicht definitorisch. Aber, so meinte er, er würde in seiner Philosophie stets zwischen „jemand“ und „etwas an jemandem“ unterscheiden und fragte sich, ob das nicht vielleicht auch für die Liebe gilt: Liebt man jemanden oder etwas an jemanden.

Und meine Frage wäre hier: Muss man sich entscheiden oder geht auch beides? Und wenn man das eine wählt, wieso tut man so, als hätte man sich für das andere entschieden?

LG

Argos
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Alt 12.06.2010, 22:15   Liebe vs. Partnerschaft (?) Beitrag #2 (permalink)
Mediainvita
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Registriert seit: 09.06.2010
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Beiträge: 143
Zitat:
Zitat von Argos Beitrag anzeigen
Es gibt ein Thema, das mich schon seit vielen Jahren beschäftigt und mir immer noch offene Fragen beschert. Mehr als das aber ecke ich ständig damit bei anderen Menschen an – daran habe ich mich gewöhnen können – und würde einfach mal gerne eure ehrlichen Meinungen dazu hören.

Seit fast 20 Jahren bin ich nun Kartenleger und seit ca. 10 Jahren lege ich auch für andere Menschen Karten, sei es privat oder beruflich und darf somit das tun, was ich eigentlich immer schon am liebsten tat: die erlebten (Lebens-)Geschichten von Menschen sehen/hören, Teilnehmen an Schicksalen anderer und sei es nur als Beobachter oder Ratgeber. Thema Nr. 1 ist natürlich immer Liebe und Partnerschaft, dicht gefolgt von Job/Beruf/Berufung und persönlicher Entwicklung und Entfaltung.

Auch wenn es mir erst durch meine Arbeit überdeutlich ins Auge gesprungen ist, ich sehe es mittlerweile auch immer wieder in meinem Privatleben, dass es da grundlegend unterschiedlich ausgerichtete Menschen gibt in puncto Partnerschaft und Liebe.


Es gibt jene, die den Menschen lieben, mit dem sie zusammen sind. Und es gibt jene, die die Partnerschaft lieben, die sie mit jemanden haben. Oder anders gesagt: Es gibt jene, die eine Beziehung wollen und dann nach jemanden suchen, der ihren Vorstellungen entspricht und es gibt jene, die sich in jemanden verlieben und deshalb mit ihm zusammen sein wollen.

.... und es gibt jene, die nicht alleine sein möchten und mit einem Partner leben, der nicht einmal ihren Vorstellungen entspricht .... oder eine Beziehung führen, die sie so eigentlich nicht wollten ....

... und jene, die anfangs den Partner lieben und zunehmend auch die Beziehung, die sie formen .......

... und jene, die anfangs den Partner lieben und im Laufe der Zeit, ohne es zu merken, nur noch das Bild, das sie sich von der Beziehung machen ....

... und jene, die von Anfang an das Bild lieben, das sie sich vom Partner machen ....

... was davon ist Liebe? Was ist überhaupt Liebe?

Manchmal werde ich gefragt „Kannst Du mal schauen, ob ich mit XY zusammenkomme?“ Wenn die Antwort nein lautet, dann folgt nicht selten die Fragen „Und was ist mit YZ? Werde ich mit ihm zusammenkommen?“ Ach, denke ich mir dann manchmal, den liebst Du auch?

... das überrascht mich total, ich hatte spontan angenommen, man würde sofort dein Kartenbild anzweifeln oder dich für unfähig halten.

Oft erlebe ich es auch, dass ich Menschen tröste, wenn ihre Partnerschaft gescheitert ist und obwohl die Trennung noch sehr frisch ist „Wann lerne ich denn jemand anderes kennen?“ Oder „O.k., er war es halt nicht, aber irgendwann werde ich meinen Herzensmann haben und glücklich sein!" (um mal einen Gegenentwurf zum letzten Satz zu machen: Ich kenne jemanden, dessen Partner nach zwei Jahren verstorben ist; bis heute denkt er nichtmal an neue Partner)

Vermutlich gab es da nicht sehr viel zu trennen.

Und nun meine Frage: Spinne ich oder seht ihr da auch einen Unterschied zwischen der Liebe zu einem Menschen und der Liebe zu einer Partnerschaft? Ist die Liebe zu einem Menschen nicht etwas, das bereichern und befreien sollte anstatt eine Lücke auszufüllen, die man eigentlich selbst ausfüllen muss?

Bis heute ist es mir nicht gelungen, der Liebe auf die Spur zu kommen, obwohl ich viel zu diesem Thema gelesen habe (als letztes "Liebe - das unordentliche Gefühl" von Richard D. Precht) und immer wieder darüber diskutiere. Wenn es nicht einmal die Philosophen wissen ... aber ich hoffe, dass viele sich zu diesem Thema äussern werden.

Aber das größte Rätsel gibt mir die Frage auf, ob es neben diesem Entweder-oder auch ein Sowohl-als-auch gibt? Also, ob es auch Partnerschaften gibt, in denen man sich gegenseitig mit der gleichen Intensität liebt wie das, was man miteinander hat.


Ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch. Ich will überhaupt nicht damit sagen, es gäbe eine richtige Form der partnerschaftlichen Liebe und eine falsche! Ich denke nur, es gibt unterschiedliche, die mit Sicherheit alle ihre Berechtigung haben und jeder Mensch lebt ohnehin immer in den Formen und mit den Wahrheiten, in denen er leben und die er annehmen kann. Wem nützt denn da schon ein richtig vs. falsch (falls es solche Kategorien im Universum überhaupt gibt, außer in den Köpfen der Menschen).


Ich frage mich nur, wieso Menschen, die eigentlich nur das lieben, was jemand für sie tun kann (das Gefühl geben, geliebt zu sein; Geborgenheit schenken; Sicherheit; etc.) so darstellen, als wenn es dabei tatsächlich um den Partner gehen würde.

... ich nehme an, weil ihnen der Unterschied nicht bewusst ist.

J. Derrida, ein vor kurzem verstorbener Philosoph wurde mal in einem Interview gefragt, wie er Liebe definieren würde. Er weigerte sich schlichtweg, eine Definition zu versuchen, mit der Begründung, dass dieser Begriff schließlich dermaßen „groß“ sei, dass man ihn als Mensch kaum fassen könnte, schon gar nicht definitorisch. Aber, so meinte er, er würde in seiner Philosophie stets zwischen „jemand“ und „etwas an jemandem“ unterscheiden und fragte sich, ob das nicht vielleicht auch für die Liebe gilt: Liebt man jemanden oder etwas an jemanden.

Und meine Frage wäre hier: Muss man sich entscheiden oder geht auch beides? Und wenn man das eine wählt, wieso tut man so, als hätte man sich für das andere entschieden?

Ich denke, ein "Ja" ohne wenn und aber, wie man es nur in totaler Offenheit sagen kann, schliesst beides ein.

LG

Argos
Liebe Grüsse
Mediainvita
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Alt 12.06.2010, 22:29   Liebe vs. Partnerschaft (?) Beitrag #3 (permalink)
Milwido
gedeiht im N8-Schatten
 
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Ort: Berlin
Alter: 26
Beiträge: 120
liebe ist ein sehr komplexes thema...
jedem,der sich solche fragen stellt,empfehle ich das buch :"die kunst des liebens" von erich fromm zu lesen....

so wie sich mensch a von mensch b unterscheidet,unterscheiden sich natürlich auch die brdürfnisse zum teil sehr stark voneinander.(was oft auch mit der lebenserfahrung,den lebensumständen und der persönlichen "reife" zu tun hat)

du hast recht!jede "form der liebe" hat seine berechtigung.
fas sich für den einen richtig anfühlt,kann für den anderen schonwieder zuviel des guten bzw. ein zuviel an nähe bedeuten.

ich für meinen teil bin schon lange single und suche nicht nach einer liebesbeziehung.bis jetzt hat sie sich leider auch nicht ergeben.aber ich lasse den dingen ihren lauf und würde mich auf keinen fall auf eine einseitige bindung einlassen,nur der "beziehung" oder z.b. des sexes wegen.
es würde einfach nicht zu mir,meinen bedürfnissen und meiner persönlichkeit passen.
ich verurteile aber auch niemanden,für den sich eine einseitige beziehung richtig anfühlt!

lg. milwido


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