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Lebensfragen

Lebensfragen beschäftigen sich mit Lebensführung. Bist Du an einem Wendepunkt und hast Lebensfragen, dann stelle sie hier. Vielleicht willst Du auch Deine positiven Erfahrungen in einer bestimmten Lebenssituation hier für andere wiedergeben?


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Alt 14.03.2008, 15:47   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #1 (permalink)
maria45
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Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
"Bibliothek des Lebens"

Lieber Adam,

erlaube, daß ich dafür einen neuen thread aufmache, weil der doch dann etwas weg führt von Tulipans "Macht der Gedanken", auch wenn er das natürlich mit berührt.
maria45 ist offline  
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Alt 14.03.2008, 18:10   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #2 (permalink)
maria45
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Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
Lieber Adam,
Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
Liebe Maria
Ich bin sehr beeindruckt von dir und von dem Wissen, welches du hier im Forum weitergibst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so viele Bücher lesen kann, um sich so auszudrücken, wie du es tust.

Als ich dein Märchen über die Bibliothek gelesen hatte, dachte ich mir, dass ist so geheimnisvoll und spannend, wie die Lektüre der Offenbarung oder wie eine Szene aus "Herr der Ringe".

Du hast sicher schriftstellerisches Geschick, aber ohne die entsprechenden Gedanken, nützt das auch nichts. Deshalb weiß ich, dass du tatsächlich Lehrling in der "Bibliothek des Lebens" (=Akascha-Chronik?) bist.
ei, das ist gefährlich. Kennst du nicht den Spruch von Goethe: "Und wäre das Auge nicht sonnenhaft, so könnte es nimmer die Sonne sehn."?

Wer in mir einen "Lehrling in der Bibliothek des Lebens" erblickt, ist also... - selbst schon dort oder auf dem besten Wege dorthin.

Nun gehts aber los. Wir werden so ganz langsam die Dinge besprechen, wenn es recht ist, in der Reihenfolge, die sich gerade anbietet.

Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
Ich selbst werde niemals in der Lage sein, diese Bibliothek zu betreten, denn ich habe Angst davor.
das ist vollkommen richtig was du sagst. Niemals ist jemand selbst dazu in der Lage diese Bibliothek zu betreten. Wie ich beschrieben hatte, braucht es die Kleinheit eines Kindes, um überhaupt durch die Tür zu passen und selbst dann wird man von der "Haus-hälterin" der Bibliothek dort hineingetragen.

Auch richtig, daß du Angst davor hast. Da-vor stehen und in so ein winziges Loch hinein? das geht doch gar nicht. Niemand kann klein genug sein, um da hineinzugehen. Zum Glück hat der Bibliothekar dafür gesorgt, daß doch ein klein bißchen Aufklärung über den Zugang in diese Bibliothek auch in der Welt kursiert. So hast du vielleicht schon einmal von irgendjemandem den Spruch gehört:
"In der Welt habt ihr Angst. Doch seid getrost, ICH habe die Welt überwunden."

Solange man davor steht, ist es wie eine Tür. Eine Tür verbirgt, was dahinter ist. Unbekanntes ist da. Es könnten Feinde sein, oder Gefahren. Und wer weiß, ob man da zurechtkommt?

"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Königreich der Himmel gelangen."

Noch so ein Spruch. Es bedeutet nicht, daß man sich künstlich kindisch benehmen soll oder kindhaftes nachahmen. Es kommt von innen. Die Sehnsucht nach dem Ewigen ist wie ein Feuer, das das Herz reinigt und alle Falten der Sorgen und der Überlegungen hinwegnimmt, so daß man "EIN-fältig" wird.

Welche geometrische Figur entspricht dem "EIN-Eck"? Der Tropfen, wie eine Feuerflamme, die unten rund ist und oben spitz, oben in EINS gefaltet. Flüssiges Feuer. Oh, da erinnere ich mich an die Beschreibungen der jüdischen Mystiker, wie die Heiligen Zeichen im Ewigen aussehen: "Schwarzes Feuer auf weißem Feuer".

Das Blut entspricht dem Feuer. Es ist auch rot. Und es kann entbrennen mit den Leidenschaften und Begierden dieser Welt oder es kann in heiliger Sehnsucht brennen. Dann verzehrt es nur die Schlacken dieser Welt und reinigt sich immer weiter.

Ja, ich weiß auch nicht, warum ich dir gerade diese Worte sage. Ich hab nur so ein paar kleine Notizzettel heute gefunden mit der Hand-schrift des Bibliothekars. Es standen so Fragen darauf:

Zitat:
Wie aber bist du da hingekommen?
War es dein eigener Wunsch, oder hat dich die Bibliothek gezogen?
Ging dein Weg über Meditation?
und als ich sie anfing zu lesen wurden sie zu Antworten. Ich sah auf einmal die ganze Bibliothek. Und dann fiel mir auf, daß du ja diese Fragen gestellt hast. Das bestätigt doch wieder diese Beobachtung, die ich schon gemacht hatte, nur erweitert sie es um einen neuen Aspekt:

Der Bibliothekar ist listig und tarnt sich manchmal als Student der Bibliothek des Lebens und bringt mir ein paar Fragen. Listig, weil es meine eigenen Fragen sind. Er möchte mir damit nur helfen mich selbst zu erkennen, das weiß ich ja von Herzen. Ich habe gelernt, vollstes Vertrauen zu ihm zu haben.

Und so langsam habe ich die Vermutung, daß hier echt jeder, den ich erblicke, eigentlich der Bibliothekar in Verkleidung ist. Er läßt das natürlich nicht raushängen, dazu ist er viel zu bescheiden.

Also vorsichtshalber, lieber Adam, werde ich dir so wie allem und jedem, wer und was mir hier begegnet, ebenfalls mit der allergrößten Aufmerksamkeit und Hingabe begegnen und einfach mal so tun, als wenn du auch wieder der Bibliothekar in Verkleidung bist, wenn dir das nicht zu peinlich ist. Also mir wäre es peinlich.

Wo war ich stehngeblieben? Ach ja, also als ich diesen Satz dann von dir heut morgen las:
Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
Weil ich Vertrauen in deinen Zugang zum Lebens-Wissen habe, frage ich dich die Frage meines Lebens:
da kriegte ich einen Schreck. Einen heiligen Schreck. Ich weinte, ich schrie (zum Glück sind meine Nachbarn schon ausgezogen), heulte und wankte hier durch die Hallen. NEIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Das ist ja so, als wenn du mich zum Bibliothekar machst! Und das auch noch vor allen Leuten hier. Was für ein grausamer Scherz. Oder Prüfung? Der Bibliothekar möchte wissen wie ich damit umgehe? Oh weh!!!

Wie soll ich denn, ein Lehrling, ein dreijähriges Mädchen, dir die Fragen DEINES Lebens beantworten? Och MENNO!!

Zitat:
Zitat von klein eva
"Menno!!!" schrie das kleine Mädchen und brach in Tränen aus. Sie rannte durch die Bibliothek völlig konfus, wußte nicht mehr wo Treppen und Türen waren, sah die Bücher nicht mehr, und wollte nur noch zu ihrer Mutter. Der Menno, ihr vierjähriger älterer Bruder, gab auch keinen Ton von sich und war nirgends zu finden. Leise wimmernd hockte sich die kleine Eva auf den Boden und weinte, weinte so lange, bis ihr Kleidchen ganz feucht von den vielen Tränen war. "Mama!!!" rief sie. "Da ist ein Mann, der will was von mir."

"Huschhh..." drang ganz zärtlich die Stmme zu ihr. "Huschhhhhhh...."
Sie erkannte die Stimme ihrer Mutter. Wie immer drang sie von überall und nirgendwo gleichzeitig in sie hinein und aus ihrem Herzen hervor. Und ihr fiel ein Buch in den Schoß. Ihr Lieblingskinderbuch. Da war sie wohl doch irgendwie in der Kinderabteilung der Bibliothek gelandet. Und sie las mit ihrem Herzen:

Gnade ist beschämend wie ein Schreck.
Ehre ist ein großes Übel wie die Person.
Was heißt das: "Gnade ist beschämend wie ein Schreck"?
Gnade ist etwas Minderwertiges.
Man erlangt sie und ist wie erschrocken.
Man verliert sie und ist wie erschrocken.
Das heißt: "Gnade ist beschämend wie ein Schreck".

Und sie tröstete sich mit diesen Worten. Eine dreijährige Bibliothekarin? Obwohl sie das auch verlockend fand. Und nun wußte sie in ihrem Herzen genau, daß es der Bibliothekar war, der ihr diese Frage stellte:

"Möchtest du nun Bibliothekarin sein?"

Aber sie wußte doch GAR NICHTS. Sie konnte doch nur in der Kinderecke der Bibliothek spielen gehen. Und manchmal machte sie sich einen Spaß daraus, die klugen Sätze aus den Erwachsenenbüchern abzuzeichnen, denn schreiben hatte sie auch noch nicht gelernt.

Aber sie hatte Spaß daran, in der Bibliothek zu sein. Ein wunderbarer Ort. Und man kann sogar Bibliothekar spielen und sich auf den Bibliothekarssessel setzen und so tun, als wüßte man schon alles. Und das beste, man kann auch die Studenten spielen. Sich als Student verkleiden. Oder als einer von den Burschen, die diese sonderbare Aufgabe hatten, die Bücher der Bibliothek mit Wasser anzusprühen.

Da hatte sie großen Spaß dran. Und die Bücher nahmen es ihr überhaupt nicht übel, die schienen regelrecht aufzublühen, wenn man sie mit Wasser besprühte. Normale Bibliotheken haben ja immer das Problem mit dem Staub auf den schönen Marmorböden. Aber hier gab es einmal überhaupt keinen Staub, und zum anderen wurden die kostbaren Bücher, die man doch eigentlich immer von Wasser fernhält, hier immer regelmäßig mit Wasser besprüht. Ja, wenn sie sich das genau betrachtete, dann wurden die Bücher richtig lebendig und räkelten sich und glätteten die Falten in ihren Seiten, erneuerten ihre Farbe in dem Wasser und - ja - dufteten.

Duftende Bücher!!! Nicht so was nach Staub und ollen Händen riechendes, sondern Bücher mit Düften wie Blumen im Garten Gottes. Ehe sie sich versah, hatte Eva schon wieder vergessen was da noch Grund der Aufregung war und spielte einfach wieder. Sie hüpfte durch die Bibliothek und sang. Ihre helle Kinderstimme füllte durch eine eigen-artige Akustik die heiligen Hallen, und die ehrwürdigen Bücher wedelten mit ihren Ein-bänden.

"Ein wirkliches Wunderwerk!" dachte sie. Und wie sie so durch die Hallen und Gänge hüpfte, kam ihr eine neue Idee. Was wäre das spannend, wenn man sich als Buch verkleidet. Sie schaute an sich hinunter - und lachte. Die Falten ihres Kleidchens waren zu Buchseiten geworden. Das war ja lustig. Und jetzt hopp, sprang sie ins Regal und stellte sich ganz artig neben die anderen Bücher. Und da kam doch wirklich einer dieser Burschen, die die Bücher mit Wasser besprühen und stellte sich direkt vor sie.

"Pschhhhhhhhht" machte es, und sie kriegte eine Ladung Wasser mitten ins Gesicht. Doch es perle dort nicht etwa ab, sondern drang direkt durch sie hindurch und verband sich mit ihrem Wesen. Das war schön. Jetzt wußte sie, WIE lebendig sich diese Bücher anfühlen, und besonders, wenn jemand kommt, der sie mit Wasser besprüht. Und obwohl sie schon vorher nicht den Eindruck gehabt hatte, dreckig zu sein - na gut, doch, diese ganzen Tränen und so, aber sie dachte, das gehört doch dazu - fühlte sie sich völlig sauber. "Porentief rein?" Hihihi! Sie kicherte. Bis in die Knochen drang es ihr. Und irgendwie war es ihr, als wenn das Wasser ihre tiefsten Sehnsüchte erspürte und sie erfüllte.

"Heute ist aber wirklich ein Tag voller Entdeckungen!" staunte sie. Was es nicht alles neues zu erleben gab. Dieser Mann Adam ist doch wirklich Gold wert. Wenn der nicht gewesen wäre und seine komische Frage gestellt hätte.
- fortsetzung folgt -
maria45 ist offline  
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Alt 15.03.2008, 06:40   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #3 (permalink)
IchBin
nixda
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: in Herz Kopf und Bauch
Beiträge: 2.703
danke Maria sehr lebendig geschildert - die Akasha-Chronik ist nicht irgendwo, es gibt keinen Ort, den wir suchen müssen, es geht nicht ums finden sondern nur ums Bewusst-werden. Pflanze einen Baum, zeuge ein Kind, drücke ein Gefühl aus, denke einen Gedanken und du bist Teil der Akasha-Chronik.
LGIchbins
IchBin ist offline  
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Alt 15.03.2008, 18:49   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #4 (permalink)
maria45
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Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
"ER-zählst du nun weiter?"

Die süße Stimme von Menno drang in sie. Sie sah sich um, aber sah ihn nicht. Nicht direkt jedenfalls. "Erzählst du nun weiter, bitte!!!" klang es immer noch süß und ein bißchen intensiver. Sie wollte ihm wieder sagen, daß sie doch gar nichts erzählen konnte, daß sie selber gar nichts zu erzählen hatte. Er-zählte nur. Er zählte nur für sie. Und sie konnte auf ihn zählen, daß wenn sie nicht zählen konnte, er für sie ER-zählte.

Eigenartig, immer wieder dieser Impuls, ganz von vorn anzufangen. Dieses so leer sein. "ich" kann doch nichts tun. "ohne mich könnt ihr nichts tun", sagte ER einmal. Sich vergewissern, wo man steht. Klein, nicht-wissend. Sie schaute an sich herunter und auf den Boden. Heute war sie aber auch wieder besonders klein. Heute vormittag schon diese Geschichte mit dem Vogel Strauß. Und nun hier weiter. Das war ein anderer Raum als der, den sie kannte.

Irgendwie kleiner und doch größer. So wie sie selbst. Kleiner und doch größer. Sowieso erstaunlich, daß man in dieser Bibliothek seine Größe und Kleine ändern kann. Ein Gedanke reicht. Sie sah einen Teppich auf dem Boden. Quadratisch. Sie stand nun auf dem Teppich. Ohne wirklich bewußt zu wissen wie sie da hingekommen war. Ach, das ist doch so eine Frage gewesen:

Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
Wie aber bist du da hingekommen?
und sie erinnerte sich. ER-innerte sich sehr. Damals war die Frage ein bißchen anders: "Wo bist du?" fragte ER den Adam. Und weil es ja in der Bibliothek des Lebens keine Zeit gibt, ist die Frage damals wie heute, immer gleich: "Wo bist du?"

Aber wenn so ein Adam fragt, wie man da hingekommen ist, möchte er ja sicher nicht wissen, wie "ich", wie sie selbst persönlich dorthingekommen ist. Jeder Weg ist doch einzig-artig. Sicher möchte er nicht einfach neugierig sein, sondern für sich selbst wissen, wie man da hingekommen sei und auch diesen Weg gehen.

Sie hatte gelernt von der Haushälterin, daß es nicht artig ist, daß es regelrecht unhöflich ist, wenn man eine Frage mit einer Gegenfrage beantwortet. Und sie hatte gesagt: "Ach so! Also immer erst antworten?" Und die Haushälterin sagte: "Auch das Ant-Worten ist unhöflich." "Ja, wie denn dann? Muß man schweigen, wenn man gefragt wird?"

Die Haushälterin erzählte: "Stelle dir ein ganz kleines Mädchen vor. Sie hat ein Spielzeug in der Hand, so sieht es aus. Es ist aber ein Messer! Und wenn man möchte, daß es das weglegt, was muß man tun? Schreit man es erschrocken an, daß es das Messer weglegen soll, erschrickt es selbst und umkrampft vielleicht mit der kleinen Hand die Klinge, und verletzt sich so. Sagt man: "Behalte ruhig das Messer", dann könnte das Mädchen denken, es ist wirklich ungefährlich und sich auch verletzen. Eine kluge Haushälterin geht anders vor. Sie setzt sich gegenüber dem Mädchen hin und hat auch ein Messer in der Hand und spielt auch damit. So spielen beide vergnügt. 'Oh', sagt die Haushälterin plötzlich, "was habe ich für einen Hunger. Wie gut, daß ich einen Apfel mitgenommen habe." und sie ißt den Apfel und läßt es richtig krachen, wenn sie abbeißt. Und das kleine Mädchen legt das Messer weg und streckt seine Hände nach dem Apfel aus und sagt: 'Ooh, ich will auch!'."

Mit so einem Gleichnis könne man schweigen und doch reden. Und jeder Würdige, jeder, der sich selbst würdige, nehme sich die Worte heraus, die in ihm Anklang fänden. Das seien dann seine eigenen Worte.

Darüberhinaus, so erzählte die Haushälterin weiter, ist es so mit dem Ant-worten, daß man dem anderen seine Würde raubt. Man traut ihm nicht zu, selbst Ant-Wort zu sein, in sich selbst das Wort und das Ant-Wort zu finden. Draußen, in der Welt, da sei es völlig normal, daß man auf Fragen Antworten haben wolle, und zwar zackzack. Wer nicht antworten könne, der werde auch als dumm angesehen.

Auch seien die Antworten auf die Fragen eigentlich dort schon streng vorgegeben. Wenn man besonders entwürdigt wird, dann bekommt man solche Multiple - Choice - Fragen, wo man nur noch eine Antwort auswählen kann. Wie als wenn über so einem Fragebogen ein Schild hängt: "Denken strengstens verboten!!!"

Und erst das Fühlen! Das Fühlen ist sogar allerstrengstens verboten. Es wird auch sofort ent-wertet. "nur" so ein Gefühl. "nur" so eine Ahnung. Natürlich keine Gewißheit. Die Welt verlangt Gewißheit. Für die Welt und deren Lauf ist es ja auch gut, wenn sie so etwas verlangt. Man kann solche Spiele spielen. Aber wenn es um Fragen geht, die das Ganze berühren, Fragen, wo man sich dem nähert, was als "Studienfach Leben" benannt werden kann, da sind vorgefertigte Antworten und das Ausblenden von eigenem Denken und eigenem Gefühl geradezu tödlich. Dann landet man schnell in den weit ausgebreiteten Armen derjenigen, die auch gerne so tun, als hätten sie die Ant-worten. Und die verkaufen sie einem dann auch noch scheinbar besonders günstig. Oder für teures Geld, daß man denkt, daß man wer weiß was erworben hätte.

Dabei gäbe es ein ewiges Prinzip, das für das "Studienfach Leben" gilt:
Zitat:
Umsonst habe ich es empfangen, umsonst gebe ich es weiter.
Und überhaupt, Fragen nach dem Ewigen, nach dem Ewigen Leben, können doch keine Antworten haben. Jede Ant-Wort wäre eine Pseudo-Antwort. Pseudos, erklärte sie, bedeute "Lüge". Denn jede Ant-Wort, die von außen kommt, kann nur Ersatz sein, nur anstelle der eigen-en, eigent-lichen Antwort von innen treten. So wie der Anti-Christ sich so gerne an die Stelle des Christ setzt, so ist eigentlich eine Ant-Wort auch nur ein Wort, das anstelle des Wortes tritt, eine Ersatz, ein Surrogat. So wie der Christus das Wort Gottes ist, so ist der Anti-Christus das Surrogat, der äußerliche Ersatz , eine Ant-Wort Gottes, eine Parodie des Wortes Gottes. Völlig widersinnig also. Man könne doch nur selbst Wort sein. Und selbst das Selbst-Wort-Sein ist verführerisch. Eigentlich ist da eine Leere, wie ein Kelch, ein heiliges Gefäß, indem sich das Wort, das Wasser des Ewigen Lebens, von ALL-EINE sammelt.

Jede Frage nach dem Leben könne man also eigentlich (wenn das nicht so fürchterlich unhöflich wäre) kurz und bündig beantworten mit: "Lebe!" Lebe das, und du bist Wort, bist Leben, erzählst selbst was Leben ist. Lebe es völlig, als wenn es alles ist was du hast, denn so ist es. Gib es alles hin, und behalte nichts zurück. Und im Zurückbehalten des NICHTS kommt ALLES in dich.

Über dem ganzen Erzählen der Haushälterin war die kleine eva ganz müde geworden. So viele Worte für eine so einfache Sache. Und sie schlief in der Mitte des Teppichs ein.
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Alt 15.03.2008, 18:55   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #5 (permalink)
maria45
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Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
Und sie träumte von diesem Teppich und seinem Muster. Der Teppich hatte einen großen Wunderblühtenbaum, umgeben von köstlichen Gewächsen und lauter herrlichen Tieren, wie ein Garten Gottes. Und sie sah sich, wie sie groß war, erwachsen. Und träumte diese Stimme:
Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
Wie aber bist du da hingekommen?
Und sie wußte es nicht. Sie wußte es wirklich nicht. Und überlegte, wen sie wohl fragen könne, der ihr sagen kann, wie sie da hingekommen ist. Und sie schaute sich um, und sah den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, und lächelte. Ja, der wunderschöne Baum. Und die Schlange darinnen. Sie ging zu dem Baum, es waren nur wenige, aber bedeutungsvolle Schritte, vier, um genau zu sein, und stand wieder vor diesem Baum. Und die Schlange räkelte sich auf einem Ast dieses Baumes wie eh und je. Räkelte sich so sehr, so lebendig und wellenartig bewegt waren die Bewegungen der Schlange daß es fast so aussah, als wenn der ganze Baum voll Schlangen wäre, ja, als sei der Baum selbst nur aus Schlangen zusammengesetzt.

Und sie erinnerte sich an ihre schlimmsten Alpträume. Wie sie draußen in der Welt davon geträumt hatte, immer und immer wieder, wie böse die Schlange ist, und wie sehr sie sich vor ihr gefürchtet hatte. Und wie sie von Adam geträumt hatte. Hatte der Kerl ihr nicht verraten können, daß sie von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nicht essen sollte?

Und sie schaute an sich herunter. Sie erbebte. Sie sah, daß sie ein Kleid anhatte, das mit Milliarden von Sternen besetzt war, Milliarden von Milliarden lebendiger Sterne. Und jeder schien ihr zuzuwinken und zuzuzwinken. Und die Bewegungen des Kleides waren wie die einer Schlange. Irisierend, in Wellen und langsamen und schnellen Zuckungen, hypnotisch fast. Und sie konnte durch das Kleid hindurchsehen auf ihren Leib, und durch den Leib hindurch das Nichts sehen. Und der Leib trug die Form einer Wunde, wund und geheilt, und doch nicht wund, sondern ganz. Und sie schaute wieder die Schlange im Baum an, und den Baum in der Schlange.

Und die Schlange sah nicht mehr so aus, wie sie sie in ihren Alpträumen gesehen hatte. Sie durch-schaute auch die Schlange. Und irgendwie schien es ihr, als wenn sie selbst die Schlange sei und die Schlange sie sei. Aber das konnte natürlich auch eine Täuschung sein, bei diesen Schlangen weiß man ja nicht. "Oder weiß man doch?" kam eine Stimme in ihrem Herzen. Und sie sah die Schlange klar und ihre Zahl, und ihre Zahl war 358.

Und sie erinnerte sich an ein Gedicht, das sie geschrieben hatte, ob in der Bibliothek oder außerhalb der Bibliothek (spielt das eigentlich eine Rolle?), sie wußte es nicht, aber das Gedicht schien so sehr auf diesen Moment geschrieben zu sein:
Zitat:
Zitat von Eva-Maria
ich schmelze - ein Ring auf der Spitze des Nichts
ich vergehe - ein Ring ohne Grenze
ich sterbe - ein Ring aus unendlichem Licht

Die Schöpfung ist mein Kleid,
Leben sind meine Schritte,
Liebe ist mein Wesen,
Ich bin die Urmutter,
doch du, du bist mein Sohn.
Und nun sah sie klar. Eva, die "Mutter aller Lebendigen", so wurde sie genannt. Nicht sie selbst hatte sich diesen Namen gegeben. Eva wurde die genannt, die "ische" gewesen ist. Und sie sah die Zahl des Namens "ische" und diese Zahl war 306. Und die Zahl des Sohnes, sie war 52. Und die Zahl des Sohnes Gottes, des Christus, des Gesalbten, des Maschiach, die 358. Und wie 306+52=358 ergaben.

Und die Schlange sagte lächelnd und diesmal ohne Lispeln: "Na, wie isses? Habe ich dir zuviel versprochen? Bist du nicht wie Gott geworden? Und welchen wahren Wunderblühtenbaumleib du dir erworben hast. Da könnte man ja glatt neidisch werden. Na, dann werde ich mich auch mal auf den Weg in die Materie machen. Scheint sich ja doch zu lohnen. Ich wollte nur sicher sein, daß es kein Trick ist. Kennst ja mein mangelndes Vertrauen. Deshalb mußte ich dich überlisten."

Und sie sah die Schlange an und hatte tiefstes Erbarmen mit ihr. Sie WUSSTE, was ihr bevorstand. Doch sie sagte: "Halt, noch eine Frage. Ich möchte wissen, wie mein Weg zurück gewesen ist. Kannst du mir diesen Gefallen tun? Du weißt doch sonst alles."

Und die Schlange schwieg - ganz entgegen ihrer Gewohnheit. Und Eva spürte das Wissen in sich aufsteigen - wie eine Schlange. Und sie erinnerte sich vollkommen an ihren Weg. Und sie wußte, daß sie, wenn sie ihn erzählen würde, ihn verbauen würde. Genau dieser Weg, den sie erzählen würde, würde dann für andere die Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse sein, und sie würden dahinein fallen. Und deshalb schwieg sie auch.

Und die Schlange sprach: "Ah, ich sehe, du bist eine bessere Hüterin des Baumes als ich selbst. Würdest du mir denn auch einen Gefallen tun und den Baum solange behüten, bis ich wieder zurück bin? Ich hab da unten wohl so ein paar Dinge zu erledigen. Ich möchte schließlich auch so ein Kleid haben."

Und sie willigte gerne ein, schließlich war das eine wunder-volle Aufgabe. Ein paar Milliarden Gottessöhne warteten auf ihre Weisheit. Nicht mehr eine gefallene Weisheit, sondern die vollkommene, wiederhergestellte Weisheit, die noch größer ist als sie im Anfang war.

Eva schaute sich um im Garten. Und irgendwie war sie selbst dieser Garten und war es auch nicht. Wie eine Einheit in Vielheit und eine Vielheit in Einheit. Sie erinnerte sich der Geschichte von Joseph und seinen Träumen, wo er sich als Herrscher über Ägypten sah, und wie seine Brüder neidisch auf ihn wurden und ihn in die Grube warfen, er aber befreit wurde und wirklich zum Herrscher über Ägypten wurde. Sie erinnerte sich auch der Geschichte von Jesus von Nazareth und seiner Kreuzigung durch alle die, die es weder ertragen konnten, selber Gottessöhne zu sein noch einen Sohn Gottes unter sich wandeln zu sehen. Und wie er auferstand und wirklich zum König der Könige wurde.

Und sie spürte, daß man sie, wenn sie diesen Traum erzählte, genauso kreuzigen würde wie Joseph und Jesus und alle anderen, natürlich dem Gewand der jetzigen Zeit angepaßt. Doch sie erinnerte sich auch der Worte der weisen Haushälterin: Gib alles hin, behalte nichts zurück...
So beschloß sie, daß die kleine eva sich an diesen Traum erinnern durfte.

Und die kleine eva erwachte und erinnerte sich an diesen Traum. Sie schaute sich um. Die Haushälterin war nicht mehr da. Sie sah, daß sie immer noch auf diesem Teppich stand mit seinem unglaublich komplexen Muster, was gleichzeitig ganz einfach war. Und sie stutzte. Sie hielt doch etwas in der Hand. Es sah aus wie ein Apfel. Doch es war ein goldener Apfel.

Und sie kriegte schon wieder einen Schreck. Sie wußte sofort, was dieser goldene Apfel war. Es war das Zeichen, das ihr der Bibliothekar genannt hatte. Er hatte irgendwann einmal beiläufig erwähnt, daß sie, wenn sie den goldenen Apfel in der Hand halten würde, reif genug sei, sein Nachfolger zu werden. Sie hatte ihn nämlich einmal dabei beobachtet, wie er mit goldenen Äpfeln jonglierte. Und sie hatte ihn gleich gefragt, ob sie auch so einen bekommen könnte und wo die Äpfel denn her seien. Und er hatte - ganz gegen seine sonstige Gewohnheit - nur kurz und knapp geantwortet: "Vom Baum."
"Wie, vom Baum?" hatte sie gefragt. "Erzähl, bitte!"
Dann ließ er sich doch bereden und sagte: "Wenn du soweit bist, wirst du auch einen goldenen Apfel in der Hand halten. Er ist der Schlüssel, der alle Türen der Bibliothek des Lebens öffnet. Und du wirst auch wissen, welcher Baum dies ist und wo er steht und dir soviele Äpfel ohne Gefahr nehmen können wie du magst. Dann darfst du auch losgehen und einfach deine eigenen Fragen beantworten."

Und sie begriff, welcher Baum gemeint war. Der gefährliche Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Und sie wußte auch, warum der Baum nun ungefährlich war für sie. Es war wieder EINS geworden, was vorher zerteilt ausgesehen hatte wie zwei Bäume, der des Lebens und der der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Schreck saß ihr trotzdem noch in den Gliedern, sie hatte ganz weiche Kniee. Und die Bibliothek. Jetzt, wo sie ein bißchen sortierter war, sah sie, daß die Bibliothek geschrumpft war. Oder? Sie guckte an sich runter. Bin ich gewachsen? Was ist denn das für ein lustiges neues Spiel?

Wie kriegt man das denn jetzt raus? Sie war doch neugierig, ob sie nun groß oder klein war. Sie erschien jetzt so groß wie der Bibliothekar, ging auf derselben Augenhöhe durch die Türöffnungen durch. Ah, fiel ihr ein. Der Apfel. Der goldene Apfel war doch der Maßstab. Sie schaute und sah, daß ihre Hände wirklich größer geworden sein mußten. Sie hatte nämlich damals den Apfel nicht halten können, sie hatte viel zu kleine Hände. Doch jetzt paßte er ganz genau in ihre Hand. Exakt sogar. Wie dafür gebaut.

Aber sie war aber doch irgendwie immer noch ein Kind im Herzen. Da fielen ihr die Worte von Erich Kästner ein, einem ihrer geliebten Kinderbuchautoren: "Die Kunst ist es, erwachsen zu werden und im Herzen ein Kind zu sein."

Und die Worte aus ihrem Lieblingskinderbuch gewannen neue Konturen für sie:
Zitat:
Zitat von Tao Te King, aus dem 13. Kapitel
Was heißt das: "Ehre ist ein großes Übel wie die Person"?
Der Grund, warum ich große Übel erfahre, ist,
daß ich eine Person habe.
Habe ich keine Person,
was für Übel könnte ich dann erfahren?

Darum: Wer in seiner Person die Welt ehrt,
dem kann man wohl die Welt anvertrauen.
Wer in seiner Person die Welt liebt,
dem kann man wohl die Welt übergeben.
und sie wußte plötzlich, wer keine Person hat. Die Kinder im Herzen! Und mit einer Vision, daß die Welt in Zukunft von Menschen mit Kinderherzen regiert werden wird, fing sie an, durch die Bibliothek zu hüpfen, auf zu neuen Abenteuern.
maria45 ist offline  
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Alt 16.03.2008, 13:42   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #6 (permalink)
maria45
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Registriert seit: 06.11.2007
Beiträge: 1.387
Eva erwachte. Sie war gestern abend eingeschlafen und hatte tief geschlafen. Nun machte sie die Augen auf und streckte sich. Oh! Wie war sie denn hier hingekommen? Wer hatte sie hierhin gebracht? Sie saß unter dem Wunderblühtenbaum und blickte nach oben in seine herrliche Krone. Hatte sie es sich gewünscht, hierher zukommen? Oder war es wie ein Hingezogenwerden? Ui, war das denn nicht auch eine von diesen Fragen gewesen, die der Mann Adam ihr gestellt hatte? Sie schaute auf ihre Hand. Und da stand geschrieben:
Zitat:
Zitat von Adam Beitrag anzeigen
War es dein eigener Wunsch, oder hat dich die Bibliothek gezogen?
Nein, dachte sie, das ist jetzt aber doch zu komisch. Hab ich das da hineingeschrieben? Sie konnte sich nicht daran erinnern, daß sie es da reingeschrieben hätte. Sie wußte mal wieder gar nichts. War sie denn jetzt eigentlich groß oder klein? Träumte sie oder wachte sie? Oder träumte sie, daß sie wach sei? Oder vielleicht war sie wirklich wach und hielt dies für einen Traum?

Na, wie auch immer. Sie beschloß, diese Frage auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Wichtige Fragen kommen ja immer wieder. Sie ahnte zwar schon, daß es gar keinen späteren Zeitpunkt gibt, aber naja. Ist ja auch nur so ein Modell. Jetzt war erstmal diese Frage von dem Adam dran.

Eigentlich wollte sie heute morgen von diesem goldenen Apfel essen. Doch sie hatte zum einen gar keinen Hunger, und zum anderen bemerkte sie gerade erst, daß der goldene Apfel nicht da war. Hm. Was ist denn bloß in dieser Nacht passiert? Sie gab das Bemühen auf, sich zu erinnern und fing lieber an zu fühlen. Das machte Freude. Einfach das Leben spüren. Ihr Herz war fröhlich und jubelte. Der Jubel war wie ein warmer Ton, der den ganzen Körper in Wellen durchhallte, wie ein Gesang und jede Zelle trug ihren Teil dazu bei. Ein milliardenfacher Chor mit Wunderharmonien. Und als sie so in ihr Herz spürte, sah sie den goldenen Apfel darinnen, seine Essenz. Und spontan seufzte sie tief und streckte ihre Hände in den Baum hinein. Und verwundert spürte sie, wie sie der Baum selbst war und seine Äste und Zweige wie Arme, Hände und Finger waren. Und so streckte sie sich und auch der Baum streckte sich, in Einem. Und es kam ein wunderliches Gefühl, als ob ihr Körper selber sich öffnen würde.

Als wenn ihr Brustkorb weit offen stünde und ihr Herz sich ausbreitete bis an die Enden der Schöpfung. Und sie sah, wie lauter Vögel aus ihrem Herzen flogen, golden-weiße Vögel, und sie flogen in die Schöpfung und setzten sich überall dorthin, wo sie willkommen geheißen wurden. Und immer mehr und mehr Vögel flogen aus ihrem Herzen, es nahm einfach kein Ende, unzählbar war die Zahl.

Sie erinnerte sich an ihren Namen. Mutter aller Lebendigen wurde sie genannt. Und so sah sie, wie die Vögel das reine Leben selber waren. Und sie erinnerte sich wieder der Frage von Adam. Ob sie so etwas begehrt hatte? Sie hatte sich ja nicht im entferntesten vorstellen können wie es jetzt war. Sicher, ein Wunsch nach Gottes Nähe war da gewesen, eine Sehnsucht im Herzen.

Nur wenn man von der anderen Seite her schaut, ja. Immerhin hatte sie begehrt, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu nehmen. Und irgendwie übte dieser Baum selbst eine geheimnisvolle Anziehung auf sie aus. Also war es wohl beides, innigstes Herzensbegehren aus der Ewigkeit schon und gleichzeitig einfach ihre Natur. Und in dem Maße, wie sie die Liebe zu sich selbst, zu ihrem innersten Kern, entfachte und entflammen ließ, in dem Maße wurde sie einfach in diese Dinge hineingetragen - in der Liebe und durch die Liebe. Und nun verstand sie auch, wie sie unter diesen Baum gekommen war und gleichzeitig eins mit diesem Baum geworden war. Und sie verbeugte sich in tiefster Demut vor Adam, der ihr dies eröffnet hatte.
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Alt 16.03.2008, 17:01   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #7 (permalink)
Adam
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Registriert seit: 11.03.2008
Beiträge: 16
L(i)ebe Maria
Ich habe deine Beiträge voller Spannung gelesen und danke dir für die Zeit, die du mir und allen anderen, die diesen thread lesen, zur Verfügung stellst.
Ich weiß dass all die Anregungen, die du uns gibst, zu dir zurückkehren werden.

Mein Bild von Gott und der Welt hat eine neue Gestalt angenommen, angeregt durch deine Beiträge und das Lesen hier im Forum.

Wie du weißt ging ich davon aus, dass wir Gott sind, aber ich hatte keine klare Vorstellung davon, wie das aussehen könnte. Inzwischen erkläre ich mir das so:

Gott schuf die Welt, indem er sich selbst materialisierte (Gott ist in allem!). Er materialisierte sich in Form der Pflanzen, er materialisierte sich in Form der Tiere und damit eben auch in Form der Menschen. Diese waren aber noch nicht bewusst. (evolutionsgeschichtliche Vorläufer des Menschen).


Jede Pflanze, jedes Tier war eine reine Leinwand, auf die sich Gottes Bild unverzerrrt projizierte.
Gottes Wissen und seine Macht war in allem verborgen, aber es war niemand da, der sie erkennen konnte. Es gab ja nur Unbewusstsein.

Darum entschloss er sich, das Bewusstsein zu erschaffen (evolutionsgeschichtlich die Vergrößerung des Kortex). Damit gewann die Leinwand die Macht, eigene Bilder zu produzieren, und machte von dieser Möglichkeit auch Gebrauch.
Doch die Eigenbilder trübten die Projektion des Unbewussten auf die Leinwand des Bewusstseins (wie wenn man Dias auf eine gemusterte Tapete projiziert), und das Bewusstsein (= Ego) verlor den Kontakt zu Gott (=Unbewusstes). Dargestellt in dem Bild der Vertreibung aus dem Paradies. (Das Paradies ist die Einheit mit dem Unbewussten, die wir noch heute bei Pflanzen und Tieren finden.)

Im Laufe der Zeit wurden die eigenen Muster immer deutlicher sichtbar (Ausdifferenzierung des Ego), während das Bild des Unbewussten (das Wissen und die Macht Gottes) immer mehr verblasste. Es kam der Zeitpunkt, wo das Bewusstsein das Vorhandensein des Unbewussten völlig vergaß und glaubte weit und breit alleine auf der Welt zu sein.
Diese Entwicklung wiederholt sich in jedem neugeborenen Menschenkind.

Doch die Stimme des Unbewussten war immer da. Sie ist ja die Grundlage, die Quelle.
Wie oben, so unten, sagt die kabbalistische Weisheit. Deshalb betrachte ich die neurologischen Vorgänge in unserem Gehirn und leite daraus mein Gottesmodell ab.
Die Arbeitsweise der unteren Anteile unseres Gehirns ist unbewusst, die Ergebnisse der Verarbeitungsprozesse werden weitergeleitet an den Kortex.
Nur die Vorgänge im Kortex sind uns bewusst. Hier werden die Daten noch einmal neu bearbeitet. Das sind dann die Gedanken, die wir denken.

Der Kortex selbst kann keine Impulse aus der Umgebung aufnehmen, er hat keine eigenen Sinnesorgane. Unsere Sinnesorgane schicken ihre Impulse zu den unteren Gehirnarealen (Unbewusstes), welche sie dann weiterleiten an den Kortex (Bewusstsein)
Wenn die unteren Gehirnanteile (in meinem Gleichnis Gott) aus irgendeinem Grund sterben, stirbt auch das Bewusstsein, da es keinen Input mehr bekommt. (Auch die Erinnerung liegt in den tieferen Gehirnarealen).
Deshalb die biblische Aussage: Du kannst nichts ohne Gott tun.

Doch das Ego (Bewusstsein) ist nicht nur abhängig von Gott (Unbewusstsein), sondern Gott ist auch abhängig vom Ego. Denn es ist sein gewählter Weg, seine gewählte Möglichkeit "aufzusteigen", d.h. Bewusstsein zu erlangen. Tiere und Pflanzen bieten diese Möglichkeit nicht.

Die Schlange verspricht dem Bewusstsein: "Du wirst sein wie Gott" - und sie hat nicht gelogen. Genau das ist das Ziel Gottes. Er möchte das Unbewusste auf die Stufe des Bewusstseins heben.

Was also ist unsere Aufgabe?
Das Bewusstsein weiten, damit alle Inhalte des Unbewussten aufsteigen können und den Transformationsprozess des Bewusstseins durchlaufen können.
Wenn dieser Kreislauf ungehindert stattfinden kann, dann ist die ursprüngliche Einheit, die wir durch Erlangung des Bewusstseins verloren haben, wieder hergestellt.

Dann sind wir erleuchtet und und unser Bewusstsein ist auch zu Gott geworden.

Das ist mein jetziger Standpunkt. Für weitere Anregungen bin ich dankbar.

Viele Grüße
Adam
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Alt 17.03.2008, 07:59   "Bibliothek des Lebens" Beitrag #8 (permalink)
IchBin
nixda
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: in Herz Kopf und Bauch
Beiträge: 2.703
Adam
Zitat:
Das Bewusstsein weiten, damit alle Inhalte des Unbewussten aufsteigen können und den Transformationsprozess des Bewusstseins durchlaufen können.
Genau so seh ich das auch - aber erst wenn die verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten werden wir einen Sprung machen können - oben (Cortex) und unten (limbisches System), rechts und links (Analyse und Synthese) müssen sich dafür ergänzen - es ist nicht nur eine Befreiung des Geistes sondern auch der Seele und der Körper ist das Gefäss dazu.

LGIchbins
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