Hallo Ihr Lieben,
ich hoffe, ich habe hier die richtige Ecke erwischt, um meine Gedanken niederzuschreiben und Euch um Hilfe zu bitten.
Ich lebe derzeit in einer Beziehung und stelle fest, daß ich immer wieder an den gleichen Punkt komme, an dem ich Distanz brauche und fühle und wenn ich mir den Raum nicht nehme, bekomme ich Herzrasen und Angstgefühle.
Mein größter Wunsch nach der Trennung vom Vater meiner Tochter war immer, wieder mit jemandem zusammen leben zu können. Ich habe danach zwei längere Beziehungen gehabt, bei denen ich auch immer wieder an den Punkt gekommen bin, wo ich den anderen nur noch als störend empfunden habe. Bei der ersten Beziehung war es auch tatsächlich so, daß der Mann mich eher behindert als unterstützt und begleitet hat. Da war die Angst berechtigt, denn er war gefühlsmäßig ein Fass ohne Boden. Da es mir sowieso schwerfällt mich abzugrenzen, hätte ich nur gemeinsam mit ihm untergehen können, denn es ging ihm oft schlecht und mir dann mit ihm. Die Trennung von ihm brachte mir ungeheure Energien zurück.
Seit einem halben Jahr bin ich nun mit einer Frau zusammen. Ich habe mich in sie verliebt ohne zu wissen, was passierte. Mit ihr zusammen habe ich ganz viel Ruhe gewonnen und auch das Gefühl, daß sie an meiner Seite steht und nicht irgendwo drunter oder drüber. Sie ist ein wunderbarer Mensch und wir können über alles reden.
Trotzdem komme ich IMMER wieder an den Punkt, an dem ich nur noch allein sein will. Wir können den schönsten Tag erlebt haben, am nächsten Tag fühle ich mich eingeengt oder habe Angst, daß das passieren könnte. Ich werde verkrampft und fange an, viele Dinge nervend zu finden. Ich hinterfrage meine Absichten und meine Fähigkeit, Beziehung zu führen. Ich frage mich, woher es kommt, daß ich solche Angst habe und komme doch nicht weiter.
Wir haben schon einige solcher Momente erlebt und sie werden leichter, weil meine Freundin sie nicht mehr so sehr persönlich nimmt, aber ich finde sie trotzdem unschön und für mich überhaupt nicht leicht sondern eher erschreckend. Es ist fast wie bei einer Erkältung, die man schon am leichten Halskratzen fühlen kann. Ich fühle mich ein bißchen distanziert und weiß, am nächsten Tag ist es dann noch schlimmer.
Wir führen derzeit eine Entfernungsbeziehung, d. h. wir sehen uns immer wieder mehrere Tage am Stück und dann wieder länger nicht. Wenn sie einmal hier ist, dann stecke ich in der Übung, für mich Zeiten des Alleinseins abzustecken und allein damit fühle ich mich schon unwohl, weil sie ja nun gerade da ist und in ein paar Tagen eben nicht mehr.
Manchmal würde ich am liebsten das Handtuch werfen, weil ich es nicht geregelt bekomme und dann wieder gibt es Momente, da weiß ich, daß ich noch nie eine schönere Beziehung geführt habe.
Habt Ihr Intuitionen, was ich vielleicht nicht sehe? Oder praktische Hinweise? Welche Erfahrungen macht Ihr mit Beziehungen und nötigen Freiräumen?
Ich bitte um ernstgemeinte Hilfen, weil ich dabei bin, meinen Weg zu finden.
Vielen Dank dafür!
nb