Was Du schreibst klingt für mich sehr danach, als wenn schon ordentlich was bei Dir in der Schieflage war lange bevor Du alleine warst. Im Alleinsein hast Du die Möglichkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Im Alleinsein wird sichtbar, was Du sonst durch Job und Beziehung und Freundschaften überdecken konntest.
Wenn Du Dich darauf konzentrierst, dass jemand anderes nicht da ist, bist Du
einsam und das tut - wie jeder Magel - weh. Wenn Du Dich aber eher darauf besinnst, dass DU da bist, dann bist Du
allein und beginnst Dein Leben mit Dir selbst auszufüllen. Einsamkeit und Alleinsein sind nicht das selbe!
Du brauchst vor dem Alleinsein genausowenig Angst zu haben wie vor dem Zusammensein mit anderen. Es sind einfach nur zwei verschiedene Zustände, nicht mehr und nicht weniger. Nichts von beidem ist mehr oder weniger wert, als das jeweils andere.
Du hast nun die Möglichkeit, Dich mal ganz ungeschminkt wahrzunehmen - nutze diese Chance, solange sie anhält! Ich würde gar nicht mal versuchen, krampfhaft irgendwo Anschluss zu finden, sondern erstmal im Alleinsein anzukommen. Was macht Dir auch alleine Spaß? Lesen (vielleicht Bücher über das Alleinsein)? Spaziergänge? Kuchen essen in einem netten Cafe? Meditieren?... Bist Du da erst angekommen, wirst Du wieder festen Boden unter den Füßen spüren und von diesem Punkt aus kannst Du wesentlich souveräner im Leben weitergehen.
Du im Alleinsein ist genauso ein Teil von Dir wie Du in Gesellschaft. Dass Alleinsein abzulehnen bedeutet einen Teil Deiner selbst abzulehnen. Und Du wirst feststellen, dass je weniger Du dagegen kämpfst, umso leichter wird es. Wenn Du alleine bist, dann bist Du mit Dir selbst. Das Alleinsein nicht zu ertragen, bedeutet sich selbst nicht zu ertragen. Und das ist auch für das Zusammensein mit anderen keine gute Grundlage.
Wenn Du so viel zu geben hast, aber nicht weißt wohin damit: die
Tafeln suchen immer jemanden, der mit anpackt.
Die Zeit kannst Du auch dafür nutzen, Dich beruflich neu zu orientieren. Ich kann mir gut vorstellen, das so ein tiefes Ausloten deinerselbst auch neue Interessen in Dir hervorbringt und Dir somit auch die Augen öffnet für andere Arbeitsbereiche.
...Ich möchte wetten, dass Die depressiven Gedanken in dem Maße zurückgehen werden, wie Du die Wendungen in Deinem Leben akzeptieren kannst. Dennoch wäre es nicht verkehrt, sich in dieser Zeit auch von einem Therapeuten begleiten zu lassen, der einfach ein Auge darauf hat, dass Du Dich innerhalb gesunder Parameter bewegst und Dir ein versierter Gesprächspartner ist in Deiner neuen Lebenssituation.
Du kannst Dein Alleinsein jederzeit beenden und unter Leute gehen. Ich würde Dir nur empfehlen, es dann zu tun, wenn Du richtig Lust dazu hast und nicht, um nur das Alleinsein zu verhindern. Ebenso würde ich es beim Thema Beziehung angehen, denn Angst vorm Alleinsein ist keine gute Grundlage für eine Partnerschaft. Liebe ist eine gute Grundlage!