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Lebensfragen

Lebensfragen beschäftigen sich mit Lebensführung. Bist Du an einem Wendepunkt und hast Lebensfragen, dann stelle sie hier. Vielleicht willst Du auch Deine positiven Erfahrungen in einer bestimmten Lebenssituation hier für andere wiedergeben?


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Alt 27.08.2011, 12:05   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #1 (permalink)
Argos
hat Nahlebenerfahrungen
 
Benutzerbild von Argos
 
Sternzeichen: Krebs
Registriert seit: 10.06.2010
Ort: Aachen
Alter: 33
Beiträge: 2.033
Was ist eigentlich Vertrauen?

Menschen wollen Vertrauen. Wieso eigentlich?

(Das habe ich mich heute gefragt. Und weil ich meine Gedanken zu wirr fand, hab ich sie aufgeschrieben und das ist dabei herausgekommen. Vielleicht haben einige von euch auch ein paar Gedanken dazu. Ich würde sie gerne hier lesen.)

Weil es sich mit Vertrauen gut leben lässt? Weil wenn man sich auf jemanden verlassen kann, das Leben mehr Tiefe besitzt und verbindet? Nein. Ich glaube, Menschen wollen vertrauen können, weil sie Angst haben.

Nimm einem Menschen alles weg: Job, Freunde, Partner, Familie, Geld oder gar Wohnung und Gesundheit und Du findest blankes Entsetzen und Panik, gewaltige Angst. Die ist nicht erst da, wenn es passiert, sondern sie ist schon immer da gewesen und wird geweckt. Man bemerkt sie nicht, weil sie begraben lag unter massenweise Schichten von Vertrauen. Vertrauen in den Partner, Vertrauen, das man in Freunde und Familie legt, Vertrauen zu Gott, Vertrauen in das eigene Glück. Es bildet sich oftmals dadurch aus, indem vertrauenstiftende oder ganz einfach beglückende Erfahrungen wiederholt werden. Mein Arbeitgeber hat mich letzten Monat bezahlt, er wird es kommenden Monat wieder tun. Mein Partner ist gestern neben mir aufgewacht, er wird wohl auch morgen wieder neben mir aufwachen… Dabei weiss man doch ganz genau, dass nahezu alles, was sich ständig wiederholt, sich eines Tages vermutlich nicht mehr wiederholen wird, sogar der eigene Herzschlag und vielleicht sogar der Sonnenaufgang.

Trägt man diese Schichten von Vertrauen alle ab, Stück für Stück für Stück – der Partner geht, die Freunde gehen, die Familie wendet sich ab, der Arbeitgeber, der Vermieter, und am Ende vielleicht sogar Gott –, dann liegt sie da, die Angst in ihrer ganzen Pracht.

Aber Angst wovor eigentlich? Angst vor Hilflosigkeit? Ja, sind wir denn wirklich so mächtige Wesen? Haben wir wirklich so viel Kontrolle über die Dinge und über uns selbst? Angst vor sozialem Abstieg und Scheitern? Ist es denn so wichtig, gesehen zu werden und beliebt zu sein? Angst vor Mittellosigkeit? Seltsam, Millionen von Menschen sind es, aber hat uns das jemals gejuckt? Angst vorm Sterben? Wir werden doch alle sterben.

Wir brauchen Vertrauen, um unsere Ängste zu vergessen? Für jede Angst suchen wir ein Vertrauen, das dafür Sorge trägt, dass sie weiterschläft? Und wenn es uns an Erfüllungsgegenständen für unser Vertrauen mangelt, dann forcieren wir es einfach? Wir sind nach einer Sekunde bis zum Anschlag verliebt, weil wir 10 Jahre Single waren? Wir sind sofort mit dem neuen Nachbarn oder einer Facebook-Bekanntschaft befreundet, weil wir keine Freunde haben? Erzengel Michael ist auf ein Mal unser engster Verbündeter, weil er uns hilft, einen neuen Job zu finden?

Ist es tatsächlich so, dass wir in etwas Vertrauen legen, um Sicherheit zu spüren, die unsere Ängste deckelt?

Clevere Menschen legen in etwas ihr Vertrauen, das niemals gehen kann: einen ewig liebenden gütigen Gott. Das ist etwas – mit schön viel Glauben gefüllt -, das einem mit schier unendlich viel Sicherheit erfüllt. Wer will Dir denn Deinen ewig liebenden Gott wegnehmen? Selbst wenn alles geht, er bleibt. Er ist in Deinem Kopf. Du hast ihn Dir ausgedacht. Du bricht Dir ein Bein? Kein Grund, nicht an ihn zu glauben. Dein Haus brennt ab, er hat damit nichts zu tun. Es sei denn, Du entscheidest es, dass es seine Schuld war und er Dich verraten hat und schon bricht alles zusammen.

Der gängigste Zugang zu Gott (ich nehme jetzt einfach mal eine populäre christliche Gottesvorstellung) ist eine Vorstellung im Kopf. Wir können sie erschaffen und wir können sie auflösen oder sie verändern. In fast jedem Fall aber ist sie erlernt. Einige wenige haben „Gotteserfahrungen“. Sie sind nie teilbar mit anderen, nicht wirklich beschreibbar und schon gar nicht erklärbar. Ein Verweis auf Authentizität? Aber: ein kräftiger Schlag auf den Schädel, eine Hirnläsion, die das Langzeitgedächtnis zerstört und Gott und die Gotteserfahrung sind futsch. Als hätte es sie nie gegeben. Der Schöpfer aller Dinge existiert auf einmal nicht mehr.

Vertrauen schafft Sicherheit und Sicherheit hält Angst in Schach, die schon immer da war. Und irgendwie scheint jede Angst – wenn man sie nur lange und konsequent genug analysiert – immer auf der Angst vor Schmerz, Leid oder Tod zu fußen. Dinge also, die uns ohnehin niemals erspart beliben. Oder hat jemand noch nie Schmerzen gehabt, gelitten oder ist unsterblich?

Samarpan sagte mal bei einem Satsang etwas zum Thema Sicherheit: Du willst Sicherheit? Du befindest Dich auf einer winzigen Kugel namens Erde, die sich mit tausenden von Kilometer pro Stunde in einem gigantischen Universum bewegt mit anderen Kugeln, die ebenso schnell durch Raum und Zeit flitzen. Das ist kein sicherer Ort. Dies hier ist ein Ort für Abenteuer...

Geändert von Argos (27.08.2011 um 12:31 Uhr)
Argos ist offline  
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Alt 27.08.2011, 13:19   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #2 (permalink)
lululuna
Benutzer
 
Benutzerbild von lululuna
 
Registriert seit: 05.08.2011
Beiträge: 90
Blog-Einträge: 4
hallo ,

diese fragen mit dem vertrauen hab ich mir auch gestellt.
meine meinung zu vertrauen ist:gut dass es da ist,es gibt uns hoffnung
auf unser leben nimmt uns irgendwo für eine gewisse zeit die angst.
aber man sollte sich nicht ewig in vertrauen wiegen.da sollte man dann schon gucken
wovor man angst hat.und wenn man jemanden hat dem man VERTRAUEN kann ist das schon super!
dann ist man erlich zu sich selber und zu anderen.
evtl. findet man gemeinsam eine lösung die uns versichern kann
das dieses vertrauen REAL ist.das es sich lohnt der zukunft zu trauen.
es gibt aber auch menschen die sind alleine in ihrer angst und haben NIEMANDEN mit dem sie reden können.
egal ob reich oder arm,die angst ist in uns allen.die art wie man mit ihr umgeht ist unsere sache.
wir haben unsere zukunft selber in der hand und deshalb bin ich der meinung dass man sich selber in dem sinne "gott" ist
in dem man an sich selber glaubt.sicher erlebt man auch entäuschungen,zb. wenn man an etwas hofft was nicht
erfüllbar ist,aber selbst da sollte man sich vertrauen können.egal was kommt,es kann nur noch besser werden ;-)

luna
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Alt 27.08.2011, 13:30   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #3 (permalink)
Kontemplator
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Sternzeichen: Wassermann
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Ort: Berlin
Alter: 45
Beiträge: 452
Blog-Einträge: 5
Schönes Thema.

Ich glaube auch, dass Vertrauen eine Art Schutzwirkung für einen hat. Ob es nun Ängste überspielen soll, bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube eher es lenkt uns von unserer eigenen Verantwortung ab. Wie viele Schuldzuweisungen beginnen mit 'Ich habe dir vertraut..."? Wenn das Vertrauen erstmal augenutzt wurde dann bleibt nicht nicht viel positives übrig.
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Alt 27.08.2011, 13:41   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #4 (permalink)
Argos
hat Nahlebenerfahrungen
 
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Sternzeichen: Krebs
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Alter: 33
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Zitat:
Zitat von Angsthasi Beitrag anzeigen
Wie viele Schuldzuweisungen beginnen mit 'Ich habe dir vertraut..."? Wenn das Vertrauen erstmal augenutzt wurde dann bleibt nicht nicht viel positives übrig.
Na ja, das ist der Deal: Ich schenke Dir Vertrauen, dafür gibst Du mir die Sicherheit (dass die Dinge so laufen, wie ich möchte, dass sie laufen?). Jeder tut das, das ist nicht der Punkt. Aber was ich mich frage ist: Ist das genauer betrachtet nicht total bescheuert? Man kommt besser zurecht, wenn man vertraut. Das hat irgendwie Ähnlichkeit mit positivem Denken, aber ist es letztenendes nicht einfach nur ein Trick?

K. Gibran meinte mal, der Pessimist ist jemand, der Salz ins Meer streut. Der Optimist sitzt daneben und streut Zucker ins Meer. Beiden geht es nicht um die Wahrheit. Aber vielleicht sucht man nur nach der Wahrheit, damit man weiß, worauf man wirklich vertrauen kann...? Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt. Man kann ne Menge mit dem Begriff anstellen.
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Alt 27.08.2011, 13:43   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #5 (permalink)
Riva57
dies diem docet
 
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Ort: Deutschland
Beiträge: 305
Zitat:
Zitat von Argos Beitrag anzeigen

Vertrauen schafft Sicherheit und Sicherheit hält Angst in Schach, die schon immer da war. Und irgendwie scheint jede Angst – wenn man sie nur lange und konsequent genug analysiert – immer auf der Angst vor Schmerz, Leid oder Tod zu fußen. Dinge also, die uns ohnehin niemals erspart beliben. Oder hat jemand noch nie Schmerzen gehabt, gelitten oder ist unsterblich?
Sehr schön erkannt!

Vertrauen schafft Sicherheit und wir bauen uns rundherum
einen Panzer an scheinbaren Sicherheiten auf ohne die wir
wie ein Blatt im Wind konfus hin und her taumeln würden.

Trotzdem brauchen wir das!
Wenn wir das Vertrauen in unsere Sicherheiten verlieren dann
wären wir tagein tagaus auschließlich mit der Sicherung unseres
Überlebens beschäftigt und könnten an nichts anderes denken.

Aber was wäre dann mit Bildung und Kultur?
Mit Forschung und Entwicklung...mit Selbstverwirklichung?

Um es kurz zu machen...genau deswegen brauchen
wir Vertrauen in unsere Sicherheiten.

LG Riva
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Alt 27.08.2011, 13:51   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #6 (permalink)
Argos
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Zitat:
Zitat von Riva57 Beitrag anzeigen
Trotzdem brauchen wir das!
Wenn wir das Vertrauen in unsere Sicherheiten verlieren dann
wären wir tagein tagaus auschließlich mit der Sicherung unseres
Überlebens beschäftigt und könnten an nichts anderes denken.

Aber was wäre dann mit Bildung und Kultur?
Mit Forschung und Entwicklung...mit Selbstverwirklichung?
Das ist ein Effekt von Vertrauen, das seh ich auch so. Er schafft eine (angstfreie) Basis, um sich anderen Dingen zuzuwenden. Oder vielleicht anders gesagt: Durch Vertrauen, das die Angst bedeckt hält, können wir unsere aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden, als dem Überlebenskampf.

Aber:

Zitat:
Zitat von Riva57 Beitrag anzeigen
Um es kurz zu machen...genau deswegen brauchen
wir Vertrauen in unsere Sicherheiten.

LG Riva
...Sicherheit vor Dingen, die sowieso passieren? Hast Du dieses Jahr noch nicht gelitten? Hattest Du dieses Jahr noch keine Schmerzen gehabt? Und Du vertraust trotzdem, das Dir das nicht mehr passiert? Wenn wir wetten würden, dass Dir diese Dinge nochmal passieren, ich würde vermutlich leider gewinnen.
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Alt 27.08.2011, 13:52   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #7 (permalink)
Kontemplator
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Ist denn Vertrauen immer auf eine Gegenleistung ausgelegt? Vertrauen ist ein Geschenk. Was der Beschenkte damit anstellt ist eigentlich seine Sache und sollte den Schenkenden nicht berühren. Ich denke, beim Vetrauen steckt auch noch eine egoistische Komponente dahinter.
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Alt 27.08.2011, 13:54   Was ist eigentlich Vertrauen? Beitrag #8 (permalink)
Argos
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Zitat:
Zitat von Angsthasi Beitrag anzeigen
Ist denn Vertrauen immer auf eine Gegenleistung ausgelegt? Vertrauen ist ein Geschenk. Was der Beschenkte damit anstellt ist eigentlich seine Sache und sollte den Schenkenden nicht berühren. Ich denke, beim Vetrauen steckt auch noch eine egoistische Komponente dahinter.
Ich glaube sogar, dass Vertrauen immer rein egoistisch ist (es sei denn, man schenkt jemanden Vertrauen, nur um ihn zu ermutigen). Und dass Vertrauen eine Gegneleistung einfordert, merkst Du dann, wenn Menschen Dein Vertrauen missbrauchen. Du hast nichts davon, einem Menschen zu vertrauen, der sich ständig als nicht vertrauenswürdig erweist... Hm, es sei denn, man würde darauf vertrauen, dass jemand nie vertrauenswürdig ist! Und auch dann merkt man, wie auf einmal die Angst Ruhe gibt.
Argos ist offline  
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