Hallöchen,
Nach längerer Krankheit möchte ich mich mit der zweiten, von mir angekündigten Begebenheit zurückmelden. Ein Krankenhausaufenthalt hat mich bisher davon abgehalten.
Vorweg: Mitte 1999 musste ich mich einer schweren Herzoperation unterziehen, die von den meisten Kliniken aufgrund der Situation abgelehnt worden war. Nur einer der besten Herzspezialisten erklärte sich bereit, Hand an mich zu legen. Mit seiner „Goldenen Hand“ war er - wie so oft – erfolgreich. Beim OP-Vorgespräch wunderte er sich lediglich über meine relative Angstfreiheit vor dem Tod, wo hingegen das Legen des „Schlauches“ auf heftigste Abwehrreaktionen- bzw. Diskussionen meinerseits stieß. Die Wahrscheinlichkeit des Gelingens der OP war sehr gering und ich verzichtet per Verfügung auf jegliche Aufklärung über Nebenwirkungen (Schlaganfall, Lähmung, Tod, etc). Einzig der Anästhesist musste mir Rede und Antwort stehen, wie es sich mit der damals häufig diskutierten Möglichkeit der „Scheinanästhesie“ verhält. In solch einem Zustand sind alle Muskeln bis auf die Augenmuskeln gelähmt wo hingegen der Patient jedoch bei vollem Bewusstsein die gesamte OP mit sämtlichen damit verbundenen Schmerzen ertragen muss. Ihm steht – außer heftigen Augenbewegungen – keine Möglichkeit offen, sich bemerkbar zu machen. Er spürt somit, wenn das Brustbein der Länge nach durchgesägt wird, um anschließend die Brust „aufklappen“ zu können. Viele solcher armen Geschöpfe haben sich auch Jahre später nicht von dem damit verbundenen Horror erholt. Sie vegetieren in psychiatrischen Kliniken vor sich hin und er gibt keine Therapie, ihnen zu helfen. Logischerweise hatte ich vor einer solchen Möglichkeit eine Riesenangst und ließ mir peinlich genau erklären, auf welche Weise er so etwas zu verhindern beabsichtigt. Da die moderne Ausstattung in der Klinik mich selbst dann ohne Bewusstsein hält, falls der A. das seine verlieren sollte, war mir etwas wohler zu Mute. Das System arbeitet autark und ein Computer überwacht ständig die Betäubungsmittelkonzentration in meinem Blut. …
Schließlich klappte dann alles ohne jegliche Schwierigkeiten. Ich bekam eine Injektion in meinen venösen Zugang und zählte rückwärts. … Nach dem Erwachen wunderte ich mich lediglich, wie leicht und angenehm doch das Atmen ist. Reiner Sauerstoff direkt in die Lunge gepumpt lässt sich aushalten. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten verlief dann alles nach Plan.
Doch nun zu meinem übersinnlichen Erlebnis, welches im Herbst 98/99, also ein halbes Jahr nach dem Tod meines Vaters stattgefunden hat. Meine Mutter ist katholisch und besuchte zu der Zeit stets die Kirche in einem ca. 5 Km entfernt gelegenen Ort, da es in unserem Dorf nur eine evangelische Kirche gibt. Da sie nicht Auto fährt, habe ich sie jede Woche zum Samstagsgottesdienst gefahren und auch wieder abgeholt.
An einem solchen Samstag erreichte ich während der „Abholtour“ den Parkplatz etwa 10 Minuten vor dem Ende des Gottesdienstes. Das Rote Gold des Herbstlaubes war ein phantastischer Anblick weshalb das Warten nicht wirklich als langweilig zu bezeichnen war. Plötzlich erblickte ich einen Mann, der neben einem etwa 20 m entfernten Baum stand. Grundsätzlich ist das absolut nichts Besonderes, außer, wenn es sich bei der gesichteten Person um einen selbst handelt. Sofort schloss ich die Augen um sie sogleich wieder zu öffnen, er war noch da! Ich änderte meine Sitzposition, drehte den Kopf in die andere Richtung und schaute wieder zurück. Seine Position war unverändert. Ich schauderte. Das Blut stockte mir in den Adern und fühlte, das Auftreten einer Gänsehaut am ganzen Körper – so extrem wie fast nie zuvor. Ich bekam grauenvolle Angst. Jetzt prüfte ich meine Klamotten visuell: Blau-weiße Turnschuhe, Blue – Jeans, blau – weis – rot quer gestreifter Pullover. IDENTISCH! Das Loch in der Jeans am Knie – war vorhanden! Mein Kopf wird puterrot. Angst ohne Ende. Was soll ich tun? Scheibe runter und ihn ansprechen? Dazu fehlte mir der Mut. Außerdem öffnete in diesem Moment meine Mutter die Beifahrertür und stieg ein. Sie erzählte etwas über den jungen Pfarrer, was ich nicht richtig mitbekam. Lediglich auf den Typ habe ich sie hingewiesen u.a. mit der Frage, ob sie ihm ebenfalls sehen kann. Schnell startete ich den Motor und fuhr davon. Ich frage dann meine Mutter, ob sie den Mann auch gesehen hat. Sie verneinte. Oh je, kaum etwas anderes interessierte mich in diesen Tagen.
Ein, zwei Wochen später bemerkte ich ein leises „Surren“ hinter einem Ohr. Dieses erwähnte ich bei einem Hausarztbesuch. Obgleich ich dem keine weitere Bedeutung zuschrieb, schien ihm das gar nicht zu gefallen. Er vereinbarte einen Termin beim Kardiologen. Dieser diagnostizierte eine Herzerkrankung. Das Jahr 1999 habe ich dann zu 75% in Krankenhäusern zugebracht. In der Reha lernte ich am Tag der Sonnenfinsternis eine Thailänderin kennen, die meine Frau werden sollte. Ziemlich genau ein Jahr nach der Operation wurde unser Sohn geboren.
Leider reichte mein Einkommen als Selbständiger nicht für eine Familie. Ich bewarb mich bei einer Schweizer Firma, die in der Nähe ein technisches Support-Center für PC-Probleme eröffnet hatte. Glücklicherweise wurde ich übernommen.
Um die Tätigkeit zu erlernen, reiste unser Team Mitte März 2001 für sechs Wochen in die Schweiz, wo sich die Firmenzentrale befand. Dort arbeiteten wir nach Schweizer Tarif, und die Arbeitatmosphäre entsprach der eines Schweizer Unternehmens. Niemals zuvor hat mir eine Arbeit derartig viel Freude bereitet. Die meisten aus unserem Team empfanden das Ganze eher als Urlaub und wir alle hatten glückliche 6 Wochen. In den Leerlaufphasen, d.h. wenn kein Kunde am Telefon war, surften wir im Internet. Dies war außer auf Porno- Nazi- und Hackerseiten generell gestattet und auch erwünscht. Schließlich diente es u.a. der Allgemeinbildung welches die Kenntnisse des Call Center Agent allenfalls erweitert (jedenfalls damals). An einem Abend in der Spätschicht hatte ich nun den zweiten Teil des Erlebnisses, welcher allerdings nur im Auffinden eines Artikels in einem Nachrichtenmagazin bestand. In der Ausgabe vom 30.04.2001 fand sich ein Artikel mit dem Namen „Spuk im Morgengrauen“. Darin ging es um eine solche Begegnung, wie sie mir einige Zeit zuvor widerfahren war. Ich erfuhr, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der eine solche oder ähnliche Begegnung mit sich selbst hatte. Insgesamt weiß man nur sehr wenig über dieses Dinge. Allenfalls gilt es als sicher, dass sie üblicherweise auf ein in der Zukunft liegendes Ereignis hindeutet, welches meist eine schwere Erkrankung oder so ist.
Ein Teamkollege, der von Beruf Diplom-Psychologe ist, erhielt diesen Artikel von mir per Mail. Er hat sich jedoch nicht dazu geäußert. Auch eine Nachfrage einige Tage später winkte er ab mit der Begründung, den Artikel nicht gelesen zu haben, was mich sehr verwunderte, wie so vieles an diesem Mann (wobei ich in dieser Hinsicht nicht der Einzige war …). Außer mit dem Psychologen konnte ich mit vielen Kollegen über dieses Erlebnis reden, jedoch mit wenig Erfolg. Wie vermutet hatte Niemand eine ähnliche Erfahrung hinter sich.
Daher nun meine Frage an Euch: Wer hat so etwas oder etwas Ähnliches erlebt? Und wenn ja, gab es dann auch Folgen wie z.B. eine schwere Erkrankung ???????
Gruß
scara.