Ich habe gestern einen Artikel über eine Heilpraktikerin und Sterbeamme gelesen.
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich ihn wohl anders aufgenommen.
Es ging nicht nur darum, dass Sterbende begleitet werden, sondern die Zurückgebliebenen in ihre Trauer begleitet werden.
Ein grösseres Problem ist, dass man sich wenig Zeit zum Trauern nimmt, die Gesellschaft teilweise wohl auch erwartet, dass man nach ein paar Wochen wieder 'funktioniert'.
Trauer und Trauerarbeit funktioniert aber so nicht und lässt sich nicht nach ein paar Wochen abhaken.
Oft fällt man vielleicht von einem Gefühlstief ins nächste und eigentlich weiss man gar nicht, was man genau machen soll.
Früher war es vielleicht leichter, da gab es Abläufe - Totenwäsche, Totenwache, Trauerzeiten, die man den Hinterbliebenen zugestand. Heute geht alles schnell schnell und ich vermute, oft hatte man nicht mal richtig Zeit, sich zu verabschieden oder etwas in Ruhe zu verarbeiten.
Im Artikel ging es darum, dass viele Trauernde Angst haben - gar nicht darüber nachdenken wollen, wie es dem Verstorbenen geht. Und öfter haben sie dann mit Begleitung festgestellt, dass sie 'noch da' sind.
Ich denke, deine Hündin wird auch weiterhin an deiner Seite sein. Und vielleicht hilft es dir ja, diesen Teil zu integrieren. Zu lernen, sie zu erkennen, zu spüren, ihre 'Sprache' zu verstehen.
Sie war dein Lebensinhalt, du kannst sie zwar nicht mehr streicheln, aber du musst dich auch nicht mehr sorgen, ob sie krank ist. Du kannst mit ihr reden, ihre Liebe und Trost spüren und mit ihr Spaziergänge unternehmen.
Vielleicht hilft es dir auch, einen Platz zuhause oder in der Natur zu haben, wo du Blumen oder auch Leckerli hinlegen kannst, einen Platz zu dem du gehen kannst.
Ich weiss nicht, ob du ein Grab für sie hast. Falls nicht, kannst du dir so einen Ort aussuchen/schaffen, wo du deine Trauer hingeben kannst, und auch Zwiesprache halten kannst. Manchmal ist es wichtig, einen solchen bestimmten Punkt zu haben.
Vielleicht eine Bank, oder ein Stein.
Ich denke eher nicht, dass sie gleich in ein anderes Tier wechselt, wenn überhaupt. Aber ich denke, dass sie dich begleitet und dass du manchmal 'sie' kurz oder länger in anderen Tieren sehen kannst. Du kannst dich von ihr führen lassen - zu neuen Lebensinhalten und vielleicht zu neuen Tieren.
Ein paar von meinen verstorbenen Tieren machen das. Und ich bitte sie manchmal darum, z.B. zu vermitteln, wenn ein neues Tier zu uns kommt.
Ich habe eines mal gebeten, zwischen zweien das Kennenlernen zu erleichtern. Und als die Annäherung ganz gut klappte, wollte ich das festhalten und habe Fotos gemacht.
Dabei zeigte sich eine Art Nebel- über den Tieren, zwischen den Tieren.
Ich habe die Linse gecheckt, sogar verschiedene Winkel gewählt und habe eine Serie von Fotos mit dem 'Nebel' (eine Seite war markant und trotz anderer Perspektive an der gleichen Stelle). Nun, was auch immer es war, es könnte durchaus sein, dass es Luna war.
Die Anwesenheit anderer verstorbener Tiere bemerke ich oft, wenn ich an sie denke und sich wie von selbst ein Lächeln ausbreitet. Es ist anders, begleitet von einer Gedankenstille, so als würde meine Seele nur verstehen, was die andere Seele 'sagt'. Das habe ich auch oft mit meiner verstorbenen Uroma.
Wenn jemand stirbt, fühlt sich der Verlust um so grösser an, weil man vielleicht erkennt, dass man keine Pläne mehr miteinander machen kann. Man wollte vielleicht noch so viel machen und das Schöne fortsetzen. Es ist aber kein Verlust. Jeder Tag war ein Geschenk und man weiss nicht, ob man Pläne tatsächlich umgesetzt hätte.
Jetzt kann man mit dem Tier vielleicht nicht mehr kuscheln, aber reden, zusammen sein.
Du kannst sie jetzt sogar überall mit hinnehmen. Und du hast vielleicht irgendwann wieder ein Tier - und hast dann zwei Begleiter.
Vielleicht hilft es dir, die Umstände neu zu betrachten, die Lücke wird dadurch vielleicht kleiner, ohne dass deine Hündin an Wichtigkeit für dich verliert. Und wenn sich andere Lebensinhalte ergeben, wird sie immer wichtig bleiben - du musst diese Lücke nicht offen halten, um das anzuerkennen. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke dabei, zu heilen.