Ich finde deine Frage sehr interessant und kann sie auch ehrlich gut nachvollziehen. Ich habe mich zwar nie gefragt, wie oft ich schon als Mensch gelebt habe, aber ich habe mich schon gefragt, wie weit meine Seele entwickelt ist.
Als ich begann, mich mit
Reinkarnation zu befassen - mein erstes Buch dazu war "Die zahlreichen Leben der Seele: Die Chronik einer Reinkarnationstherapie" von Brian L. Weiss war ich hin- und hergerissen zwischen Euphorie über die Tatsache, dass ich plötzlich daran glauben konnte, dass mein "Leben" nicht vorbei ist, wenn ich hier sterbe und dem Unwohlsein an den Gedanken, dass ich vielleicht noch unzählige Male in ein Leben hier inkarniere, was vielleicht nicht halb so gut ist wie das, was ich führe. In Deutschland, ein Haus, einen Mann, zwei Kinder, zwei Autos, einen sicheren Job, gutes Aussehen, gute Auffassungsgabe, gutes Elternhaus, Gesundheit, immer was zu essen.... die Liste lässt sich beliebig fortführen.
Der Gedanke, ich könnte irgendwo inkarnieren, wo Hunger und Elend herrscht, wo mir vielleicht ein Kind oder sogar mehrere an Krankheit oder Hunger/Durst in meinen Armen wegsterben, ist mir unerträglich.
Also las ich weiter, weil ich mehr wissen wollte. Ich las weitere Bücher von Brian L. Weiss (die ich aber nur bedingt empfehlen kann, weil sehr deutlich wird, dass er sich inzwischen als eine Art Prophet sieht, was ich nicht gut ab kann) und weitere von Ursula Demarmels und Ian Stevenson (und weitere). Inzwischen bin ich der festen Ansicht, dass ICH der- bzw. diejenige bin, die wählt, ob, wann und wie ich noch mal leben möchte. Welche Aufgabe ich mir auferlege, ist allein meine Entscheidung. Ich inkarniere, um zu lernen und um "Gott" näher zu kommen. Ich glaube nach den Büchern, die ich gelesen habe nicht daran, dass ich schlechtes
Karma abtragen MUSS, wie eine immer wiederkehrende Hölle.
Bekräftigt wird diese Annahme dadurch, dass ich ein anderes Buch gelesen habe mit dem Titel: "Endloses Bewusstsein: Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung" von Pim van Lommel. Das ist ein rein wissenschaftliches Buch, das sich mit Nahtoderfahrungen auseinandersetzt und sehr zu empfehlen ist. Jedenfalls haben die tiefgehenderen Nahtoderfahrungen alle das gemeinsam, dass die Menschen zwar im Moment ihres Todes wussten, was sie in ihrem Leben alles falsch gemacht haben, dass dies aber nicht gewertet wurde. Es wurde einfach nur als Lebenserfahrung angenommen. Es gibt Berichte, wo Menschen erzählen, sie wären mal ein Lama gewesen (also ein buddhistischer Geistlicher). Diese Menschen sind ja an sich schon sehr weit moralisch entwickelt... trotzdem hat der Mensch seitdem noch viele Male gelebt...
Ergänzend zeigen diverse Rückführungsberichte auch aus dem Zwischenleben, dass es eher darum geht, dass wir uns mehrfach eine Lebensaufgabe auferlegen, weil wir sie im vergangenen Leben nicht bewältigt haben. So ist es beispielsweise in einem Fall so, dass eine Frau in der Vergangenheit immer wieder mit einer anderen Seele inkarnierte, mit der sie Probleme hatte. Neid, Eifersucht, Verlassenwerden, unerfüllte Liebe... immer hatte sie mit den gleichen Problemen mit dieser anderen Seele zu kämpfen und beiden schafften es nicht, das zu lösen. Dass sie sich aber immer wieder gemeinsam inkarnierten, war allein ihre Entscheidung. SIE entschieden sich dazu, es endlich zu lernen... Verstehst du, was ich meine?
Ich habe in meiner Kindheit etwas sehr Schlimmes erlebt und ich habe mich, als ich begann, mich mit dem Thema zu befassen, kurz gefragt, ob ich etwas ganz Schlimmes in meinem letzten Leben gemacht habe und dafür büßen musste. Die Antwort, die ich mich inzwischen selber gegeben habe, nicht zuletzt auch durch Gespräche mit anderen und durch das Studium weiterer Bücher, ist die, dass ich dadurch kein schlechtes Karma abtragen musste. Im Gegenteil. Ich glaube, ich musste das erleben, weil ich es wollte und weil ich es ertragen KONNTE. Ich behaupte, die allermeisten Menschen, die das erlebt haben, was ich erleben musste, wenn sie es denn überleben würden (was eher selten vorkommt), haben für den Rest ihres Lebens seelische Probleme. Ich hatte das nicht, jedenfalls nicht so, dass mein Leben dadurch negativ beeinflusst wurde. Im Gegenteil, ich hab mich immer als Glückskind betrachtet, weil ich es überlebt habe. Ich glaube daher, dass ich genau DIESE Lektion lernen wollte und das auch geschafft habe.
Verstehst du? Und wenn ich mich frage, wie fortgeschritten meine Seele ist, dann liegt das daran, dass ich einfach keine Ahnung habe, was denn nun wirklich die Maßstäbe für ein "gutes" Leben sind. Ich bin sehr empathisch, ich verurteile Menschen nicht schnell, jedenfalls nicht auf den zweiten Blick. Ich bin sehr hilfsbereit (ohne einen Helferkomplex zu haben), gleichzeitig aber auch sehr sensibel und verletzbar, weil ich mir über viele Dinge mehr Gedanken mache als manch anderer in meinem Umfeld.
Ich war immer sehr skeptisch in Bezug auf "Esoterikkram" und ich habe nie an etwas wie
Wiedergeburt geglaubt. Alles, was nicht nach unseren Maßstäben beweisbar ist, kann nicht sein. So dachte ich.
Das hat sich geändert, ich fange an, einen Sinn für Spiritualität zu bekommen, ohne den Begriff bis jetzt wirklich fassen zu können (ich arbeite dran). Ich denke, seit ich mich damit befasse, viel mehr über mein Verhalten nach und bin nachsichtiger mit anderen Menschen.
Bin ich wegen all meiner o.g. Eigenschaften auch gleich eine fortgeschrittene Seele? Wieviel wiegen meine Unzulänglichkeiten gegen das, was ich schon gut mache? Ein Lama ist mit Sicherheit ein tausend Mal besserer Mensch und wurde zumindest in dem Fall, den ich kenne, noch x Mal inkarniert. Wie weit muss ich dann noch von der nächst höheren Ebene entfernt sein, wenn sogar ein Lama noch nicht "am Ende" ist???
So stellt sich halt jeder seine Fragen. Manche in diesem Forum scheinen bereits weit über all den Dingen zu stehen, die unsereinen interessieren

. Dich interessiert, wie oft du schon gelebt hast, mich interessiert, wie fortgeschritten meine Seele ist. Im Grund interessiert uns wahrscheinlich sogar die gleiche Frage, nur dass wir sie anders formulieren. Mich interessiert noch, welche zentrale Aufgabe ich mir für dieses Leben hier gestellt habe. Ich möchte sie gerne lösen, bin mir aber überhaupt kein bisschen klar, was sie sein könnte.
Von einigen hier hört man bei sowas nur die Antwort: Konzentriere dich auf das Jetzt und lebe dein Leben... Sowas hilft mir nicht und dir auch nicht, so wie ich das rauslese. Das sind ganz toll Ratschläge von Leuten, die offenbar schon zu sich selbst gefunden haben. Tja, sorry Leute, da bin ich noch nicht und die Threadstellerin auch nicht.
So, nun bin ich sehr ausführlich geworden, aber ich wollte das auch mal loswerden, weil es mir genauso geht wie dir. Wir sind Anfänger auf dem Gebiet der Spiritualität und haben nun mal viele Fragen, auf die wir Antworten wollen, weil wir sie in uns nicht finden.
Ich kann dir nur empfehlen, lies, lies und lies. Wir können uns sehr gerne über das Postfach austauschen über Bücher, die empfehlenswert sind und unsere Fragen beantworten. Woran du allerdings nicht glauben musst, ist dass man 12 Mal wiedergeboren werden muss und all sowas. Von solchen Zahlen habe ich bei all den Reinkarnations- und Zwischenlebensberichten noch nie gehört. Manche Seelen schreiten schneller voran, manche lernen viel langsamer. Das lässt sich sicher nicht an allgemeingültigen Zahlen festmachen.
LG