Hallo, Nitassa!
Ich gehe davon aus, dass wir beide das gleiche Erlebnis hatten, da du die Dauer im Sekundenbereich angibst. Um das Phänomen angemessen erklären zu können, muss ich etwas ausholen:
Vor einigen Jahren war dieselbe Wetterlage und ich starrte den Mond an. Allerdings war ich nicht in einer mystischen Stimmung, sondern beobachtete den Vollmond. Auch da blieben plötzlich die Wolken stehen. Dann aber wanderten sie wieder weiter und blieben wieder stehen usw. Ich berichtete das meiner damaligen Hausärztin, welche meinte, dies Phänomen wäre untersucht worden. Ich beteuerte aber, vorher ein solches Erlebnis niemals gehabt zu haben.
Aufgrund deines Erlebnisses begann ich darüber nachzudenken: Das Auge kann nur starren. Wenn man die Linie zwischen Wand und Zimmerdecke mit den Augen nicht allzu schnell entlangfährt und ein wenig aufmerksam ist, lässt sich feststellen, dass das Auge die Bewegung nicht flüssig durchführt, sondern ruckartig. Es bleibt an verschiedenen Stellen für einen winzigen Augenblick stehen. Hält man einen ausgestreckten Zeigefinger vor die Augen und folgt seinen Bewegungen, hat man zwar eine flüssige Bewegung, die aber nur möglich, weil das Auge den Finger fixiert anstarrt.
Wenn man das weiß, kann man nun an das Phänomen der stehenden Wolken gehen. Wir starrten auf den stehenden Mond, während rundherum eine Bewegung der Wolken stattfand. Die den Mond fixierenden Augen verlangen eine Fixierung des sich Bewegenden. Da den Augen das durch das Anstarren des Mondes so nicht möglich ist, wie es bei der Linie an der Zimmerdecke ist, zieht es sozusagen die Notbremse und veranlasst den kurzzeitigen Stopp der Bewegung, die dann wieder bis zum nächsten Halt fließen kann. Das Auge kann dabei lernen, die Fixierung durch ruhigeres Ausharren der Augen etwas länger andauern zu lassen.
Es ist mir mittlerweile klar geworden, weshalb ich dieses Phänomen bis dahin noch nie wahgenommen hatte: Es ist nämlich an die oben genannten Bedingungen geknüpft, die eben nicht alltäglich sind
Du berichtest noch über andere Erscheinungen: den blauen Rand, die Krümmung des Fensters und die Nebelschleier.
Der blaue Rand mag ein Kontrastbild des sonst gelblichen Halos des Mondes gewesen sein. Der Mond bildet in halb duchsichtigen Wolken diesen gelben Halo. Die Gegenfarbe zu Gelb ist Blau. Starrt man nun für eine Weile auf ein gelbes, so entsteht im Auge die Kontrastfarbe Blau. Es dürfte sich mehr um ein Flimmern zwischen Gelb und Blau gehandelt haben, weil das Auge beim Starren immer geringfügig zittert.
Die Krümmung des Fensters wird vermutlich eine Wirkung des Spiels zwischen Starre un Bewegung gewesen sein, wobei die starre Form des Fensters sich zu einem Stück der Bewegung beugte.
Bei dem Nebel weiß ich nicht, ob er realistisch war oder nicht. Jedenfalls entsteht in unserem Auge ein Nebel, wenn eine schwarze Fläche angestarrt wird. Ich erlebte das einmal sehr eindrücklich, als ich einen Schwarzspiegel anstarrte. Es mag in deinem Fall eine Wirkung des teils schwarzen Himmels gewesen sein.
Nun ist das abschließend vielleicht mehr ernüchternd und eine mystische Stimmung scheint nicht die Ursache für die Phänomene gewesen zu sein, doch war sie in deinem Fall mittelbar dabei. Wirklich esoterisch wird es aber erst, wenn solche Phänomene im Zusammenhang mit dem menschlichen Wesen und der Außenwelt betrachtet werden. So lässt sich fragen, was es bedeute, dass unser Auge nur starren kann usw.
Ich hoffe, etwas Aufklärung verschafft zu haben, auch wenn es auf Kosten der mystischen Stimmung ging.

Sal