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13.11.2010, 09:12
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #1 (permalink)
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Vollkomposter
Registriert seit: 18.04.2006
Ort: vor den Bergen am See
Beiträge: 1.651
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so
Um den Polizisten-Beileidsthread nicht weiter zuzumüllen biete ich an die Kontroverse hierher auszulagern.
Zitat:
Zitat von Einhorrn
Ein Licht das hier für die Seele eines Verstorbenen virtuell gepostet wird, soll doch wohl auch als Wegweiser dienen?
Da ich aber (aus mehreren Gründen) in Zweifel ziehe, dass jede/r Kerzenspender hier die Fähigkeit hat die Kerze entsprechend aufzustellen, kann ich in diesem Zusammenhang berechtigt von Irrlichtern reden.
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Mir geht es auch darum etwas besser zu verstehen wozu diese Virtuellen Kerzen dienen Bzw. dienen sollen.
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13.11.2010, 09:34
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #2 (permalink)
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Mensch
Registriert seit: 15.06.2008
Beiträge: 247
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Hallo Einhorn,
sie haben den gleichen Effekt, wie Bonbons für traurige Kinder.
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13.11.2010, 10:32
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #3 (permalink)
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Vollkomposter
Registriert seit: 18.04.2006
Ort: vor den Bergen am See
Beiträge: 1.651
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Hi Nevin,
für lebende mag das zutreffen.
Für mich dreht es sich gerade um die Kerzen die für (teils unter tragischen Umständen) verstorbene Menschen (virtuell) erzündet werden.
Oder siehst du es als selbstgegebenes Trost-Bonbon für diejenigen die durch das Aufstellen der Kerze etwas deckeln, das bei nüchterner Betrachtung unangenehme Gefühle verursachen könnte?
Geändert von Einhorrn (13.11.2010 um 10:36 Uhr)
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13.11.2010, 11:05
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #4 (permalink)
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सच्चिदानन्द
Sternzeichen:
Registriert seit: 31.05.2007
Ort: नन्दन
Alter: 36
Beiträge: 4.515
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Hi Einhorn,
ich habe jetzt erst entdeckt das Du diesen Thread eröffnet hast, was ich ganz gut finde denn ich habe meine Gedanken nicht weiter erläutert, weil ich es in dem anderen Thread auch nicht als ganz passend angesehen habe.
Um mal die Situation zu beschreiben wie ich sie erlebte:
Samstag morgen machte ich mich auf den Weg nach Dannenberg.
Es fand die politische Kundgebung statt...die Gefühle waren enorm...
Große Spannung lag in der Luft, um das Wissen was die nächsten Tage geschehen würde...
Die Hubschrauber kreisten laut über dem Kundgebungsplatz, so das es teilweise schwer war, überhaupt zu verstehen was gesagt wurde.
Obwohl zugesprochen wurde von seitens der Polizei, die Kundgebung nicht mit den lauten Hubschraubern zu stören.
600 Traktoren sammelten sich.
Die Kundgebung ging vorüber und die Polizei sammelte sich mit verkrampft versuchter Stärke in einigen Gesichtern und stellte Ketten auf.
Die Emotionen bauten sich immer mehr auf....ein gewisses Kriegsgefühl durchzog das Land.
Ich suchte mir eine Gruppe mit der ich die nächsten Stunden gemeinsam in Aktion treten wollte...informierte mich was geschehen kann und wird wenn ich zu den Schienen gehen würde.
Ich führte ein Gespräch über die Sichtweise der Polizei...es war samstag ca. 22uhr..wir tranken noch ein Tee und aßen Suppe bevor wir uns ausruhen wollte um dann so früh wie möglich aufzubrechen...
Mitten in diesem Gespräch setzte sich einer neben uns und erzählte uns das sich ein Polizist erschossen hätte, hier in Dannenberg in der Kaserne, mit der Aussage er hätte ein Abschiedsbrief hinterlassen und es würde nichts mit dem Transport zu tun haben.
Erstes gefühl> ich war sehr betroffen...es ergriff mich...ich fand es gar nicht lustig...
Erster Gedanke> warum beteuern sie das es nichts mit dem Transport zu tun hätte...in einem Atemzug...was wäre wenn sie schreiben würden das es doch etwas damit zu tun hätte, was für Auswirkungen hätte dieses? Wie empfinden es die anderen Polizisten? Was für Auswirkungen hatte es auf ihre Gruppe? Was fühlen und denken sie...was fühlte und dachte er?
Die Gesichter der Polizei:
verschiedener Art:
1 tu mir nichts..es tut mir leid...sorry...aber ich kann nicht anders
2 ich bin betroffen...sieh ...bitte...ich bin betroffen....
3 scham
4 was wollt ihr...???...ich mach euch fertig!!
5 ihr seid Verbrecher!!! ich stehe für das Recht ein, was ich tue ist legal was ihr tut ist ein Verbrechen
6 ich hasse euch
7 Ungeziefer müßte man ausrotten
8 (junge polizisten) geschockt...adrinalin pur...krampfhaftes versuchen die Situation unter kontrolle zu behalten...scheinbare Stärke
9 alle samt konnte einem nicht in die Augen schauen, drehten ihren Blick zu Seite schauten schnell nach unten...nur wenn sie in den Ketten waren versuchten sie so hart wie möglich ihre Fassade aufrecht zu erhalten...
10 sie suchten sich leute um Example zu statuieren was sie recht hart taten
FRAGE: WAS FÜHLEN SIE WENN SIE ZU HAUSE IM BETT LIEGEN UND DIE SACHE REVUE PASSIEREN LASSEN....wo ist ihr mitgefühl? es kann nicht sein das man ihnen dieses komplett wegtrainiert hat...
was geschieht wenn sie sehen was sie tun...
so nun habe ich eine Art Brain-storming gemacht....
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13.11.2010, 11:33
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #5 (permalink)
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Mensch
Registriert seit: 15.06.2008
Beiträge: 247
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Zitat:
Zitat von Einhorrn
Hi Nevin,
Oder siehst du es als selbstgegebenes Trost-Bonbon für diejenigen die durch das Aufstellen der Kerze etwas deckeln, das bei nüchterner Betrachtung unangenehme Gefühle verursachen könnte?
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Genau, Einhorn.
Den Toten nutzen die "Kerzen" nichts.
Denen genügt es, sie im Kreise derer, die sie wirklich kannten, in der stillen Erinnerung zu behalten und zu ehren. Sie wollen einen Platz im Herzen, nicht auf der Festplatte eines Servers.
Wer hier für Unbekannte eine Kerze aufstellt, fühlt sich durch das Ereignis an etwas in ihm selbst gerührt.
Er/sie stellt die Kerze auf, um sich selbst besser zu fühlen. Man mag das nicht gern wahr haben wollen. Es klingt ja "egoistisch".
Das ändert daran aber nichts.
Nevyn
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13.11.2010, 13:33
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #6 (permalink)
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 16.07.2010
Beiträge: 343
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Mitgefühl zeigen ist nicht per se schlecht, auch wenn man den Menschen nicht kannte.
Entscheidend ist die Motivation hinter allem:
1. Ist die Motivation tatsächlich ehrliches Mitgefühl?
2. Ist die Motivation, dass man sich selbst besser fühlen will, weil man sich durch alles schlechte in der Welt so schlecht fühlt und leidet?
3. Ist die Motivation, dass man ein schlechtes Gewissen beruhigen will?
1. ist in Ordnung, Menschen fühlen schließlich auch, ob eine Geste von Herzen kommt, ob sie ehrlich ist oder nicht.
2. ist so...Mitleid nach dem Gießkannenprinzip, jeder kriegt was ab, weil ja alles so schrecklich ist. Ist wohl größtenteils einfach nur nervig, aber nicht schlimm.
3. ist in meinen Augen des schlimmste, da es besonders viel Schaden anrichtet, ein gutes Beispiel ist diese unsägliche Spendenindustrie, der wir Geld für Afrika reinschieben, weil wir uns so schlecht fühlen, dass wir den Kontinent ausbeuten. Das ist fatal, da diese Gelder zum einen oft in den Händen grausamer Diktatoren landen, zum anderen die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Menschen dort lähmen, was den Status der Ausbeutung sogar noch zementiert, anstatt ihn zu bekämpfen.
Das schlechte Gewissen kommt auch gerne im Einklang mit moralischer Arroganz und Blindheit, die dann z.B. dazu führt, dass Menschen in Afrika, Hilfsgüter, die an einer Stelle DRINGEND gebraucht werden, VERWEIGERT werden, weil da Genmais drin ist, der ja böse ist! So lässt man die Menschen also eher verhungern, als ihnen unmoralische Nahrung zu geben.
Und es sind Punkte wie diese, die in mir einen regelrechten Hass auf Moralisten und selbsternannte Weltverbesserer aufkommen lassen. Wolkenkuckucksheimbewohner, die sich einen auf ihre moralische Überlegenheit und ihre überlegene Ideologie runterholen und sich standhaft weigern, an der Realität auch nur mal als Gast teilzunehmen! 
Solche W****** wie Al Gore, Bono oder Bob Geldof sollte man mal für ein paar Jahre in die Favellas von Sao Paolo verfrachten, damit sie mal die Realität kennenlernen.
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13.11.2010, 14:17
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #7 (permalink)
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Tanzende FreiSeele
Sternzeichen:
Registriert seit: 28.10.2005
Ort: Weit, weit weg^^
Alter: 46
Beiträge: 1.175
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Zitat:
Zitat von Einhorrn
Um den Polizisten-Beileidsthread nicht weiter zuzumüllen biete ich an die Kontroverse hierher auszulagern.
Mir geht es auch darum etwas besser zu verstehen wozu diese Virtuellen Kerzen dienen Bzw. dienen sollen.
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Ja, es dient den lebenden, Anteilnahme hilft über vieles hinweg, vorallem ist man nicht allein.
Wo wir doch alle eins sind, wo wir doch oft nicht verstehen warum sich der eine nicht um den anderen sorgt, hier geschieht das ganz zwanglos aus der Ferne und Fremde..............was in den Familien oftmals nicht geschieht.
Im weiteren, glaube ich, symbolisiert das Licht auch den Weg durch das dunkle, lebende möchten den gegangen hilfreich sein..........
Auch wenn dem vielleicht nicht der Tatsache enstpricht, das sie Licht brauchen, so darf doch jeder glauben was er mag und auch jenen hilfreich sein mit denen sie nicht im unmittelbaren Kontakt stehen.
Für mich bleibt es auch eine Geste für die lebenden, Trauer ist immer "das erste mal" und für viele ein neues Thema weil es zu wenig Raum hat in unserer Kultur. Zudem wird der Tod durchweg als schlimmer Verlust dargestellt, viele finden sich in Ihrer Trauer garnicht begriffen und verstanden, weil kaum einer weiß wie er angemessen reagieren kann.
Ich habe das gerade selbst erlebt, ich kann aus meinem eigenen Gefühl berichten es tat mir sehr gut wenn ich sah das Menschen bemerkt haben was geschehen ist und mir Ihre Anteilnahme ausgesprochen haben und das waren zum Teil Menschen die ich vorher noch nie bemerkt habe.
Wir sollten Dankbar sein, ob virtuell oder real wenn Anteilnahme, Mitgefühl, Respekt und vorallem "be-merken" zunimt, meine ich.
Virtuell ist nicht unreal, denn es bleibt wie es ist hinter JEDEM PC sitz ein Mensch und wenn der sich Zeit nimt und am anderen Teil hat finde ich das sehr positiv. JA, mit Sicherheit sind die meißten diesen Gefühlen begegnet erinnern sich, spenden Trost und beteiligen sich daran das Thema in die Gesellschaft zu tragen.
Herzlichst
Silvia
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13.11.2010, 20:08
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Virtuelle Leuchtfeuer oder so Beitrag #8 (permalink)
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Gast
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Klar sind die wenigsten Menschen dazu in der Lage, die Gefühle & Gedanken eines Selbstmörders selbst zu erleben, ohne sich selbst zu ermorden. Liegt wohl in der Natur der Sache.
Aber was ist so verwerflich daran seinem Mitgefühl, seiner Trauer, seiner Anteilnahme ausdruck zu verleihen?
Sinnlos ists doch nur dann (meiner Meinung nach), wenns zu einem abgestumpften Ritual wird. Wenn die Bedeutung verloren geht. Da könnte man allerdings noch viele weitere Rituale anklagen...
Also Hinterfrage sich jeder selbst, worum es eigentlich geht: Um Schein oder Sein?
Schön finde ich das du diese Frage hier zur Debatte stellst. 
Hauptsache du bist nicht sauer, wenn sich doch nix ändert. Erzwingen kann man nix, zumindest nicht ohne Gewalt. Und selbst dann wirds kaum Bestand haben.
Geändert von Gast9518 (13.11.2010 um 20:10 Uhr)
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