Möchte hier was zur Diskussion stellen - was ist für euch Wahrheit?
Ich beginne mal mit meinem Senf
Es gibt objektive und subjektive Wahrheit. Das Problem ist, dass viele ihre subjektive Wahrheit für die objektive Wahrheit halten.
Objektive Wahrheit ist ein Fakt, der vom Standpunkt der Person nicht beeinflusst werden kann.
Universale Wahrheiten sind die Universalgesetze Gottes und zeichnen sich dadurch aus, dass sie allezeit und an allen Orten absolute Gültigkeit besitzen und sich nicht verändern.
Subjektive Wahrheiten sind persönlichkeitsbezogene Wahrheiten die man selbst als wahr anerkennt. Sie hängen vom Standpunkt der Person ab, von deren Intellekt, magischer Reife, Erkenntnis und Weisheit.
Viele Menschen erkennen einige Universalwahrheiten an, etwa dass es ein Leben, Schmerz, ein Universum, Menschen und Tiere gibt etc.
Wie die einzelnen Begriffe jedoch vom Einzelnen interpretiert werden hängt wieder von dessen persönlicher Wahrheit ab.
Kein Mensch, ausser den höchsten Adepten, kennt alle Universalgesetze und keiner, ausser den höchsten Adepten, kann behaupten die Wahrheit wirklich zu kennen.
Die Wissenschaft beweist es von Generation zu Generation, von Theorie zu Theorie - sie kennt die Wahrheit nicht. Wäre dem so, würde die Wissenschaft sich nicht mehr entwickeln. Denn Entwicklung heisst ja, für wahr Gehaltenes als falsch zu erkennen und durch etwas zu ersetzen das der Wahrheit näher kommt.
Wahrheit kennt auch keine Kompromisse - sie ist. Wie viel man von ihr erfassen kann hängt von der Person ab.
Ebenso ist Wahrheit kein Mehrheitsentscheid - es reicht wenn eine Person sie erkennt und ausspricht.
Und da ist das Problem - verschiedene Reifegrade führen zu unnötigen Meinungskonflikten denn im Endeffekt hat keiner der Streithähne recht aber beide haben Aspekte der Wahrheit in ihrer eigenen eingebaut. Darum macht es wenig Sinn mit anderen Menschen über Ansichten, Auslegungen und Meinungen zu diskutieren oder zu streiten.
Selbst wenn man die universelle Wahrheit kennt, kann man sie einem Unreifen nicht verständlich machen und er würde die Wahrheit nur von seinem Standpunkt und seiner Reife aus interpretieren was zu sehr gefährlichen Halbwahrheiten führt die schon für viel Verderben sorgten.
So etwa die Wahrheit, dass das Karma gute Taten belohnt. Der Unreife verstand aber nicht, dass böse Taten auch bestraft werden und schämte sich nicht viel Unheil anzurichten und sich viel negatives Karma aufzuladen - als Beispiel.
Wahrheit zeugt also auch von Reife und je näher die eigene Wahrheit an der Universalen dranliegt umso weiter ist man fortgeschritten. Dennoch macht es keinen Sinn mit anderen Personen über die Wahrheit zu streiten. Es kann jeder seine Meinung kund tun und vielleicht lernt man vom Anderen, aber niemand versuche Andere zu überzeugen oder zu bekehren und sei tolerant ihren Ansichten gegenüber. Glaube jeder das was ihn zufrieden und glücklich macht - und die ganzen Religionskriege und Streite würden aufhören.
Ich lasse hier auch Franz Bardon zu Wort kommen (Weg zum wahren Adepten)
"Kein wahrer Eingeweihter wird jemandem, der nicht reif genug ist, seine Wahrheit irgendwie aufdrängen wollen. Die betreffende Person würde sie nur wiederum von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten. Deswegen wäre es zwecklos mit Uneingeweihten über höhere Wahrheiten zu sprechen, ausser wenn es sich um Menschen handelt, die höheren Wahrheiten zustreben, also für diese zu reifen beginnen. Alles andere wäre Profanation und vom magischen Standpunkt aus nicht richtig. Jeder Gedenke hier der Worte des Meisters des Christentumes: Werfet nicht Perlen vor die Säue.
Zur Wahrheit gehört auch die Fähigkeit, Wissen und Weisheit voneinander richtig zu unterscheiden. Das Wissen ist von Reife, Aufnahmefähigkeit und Intelligenz des Verstandes und Gedächtnisses abhängig...Weisheit hängt nicht im geringsten von Wissen ab, auch wenn beide zu einem gewissen Grade identisch sind. Die Quelle der Weisheit liegt in Gott und hängt daher von Reinheit, Reife und Vollkommenheit des Einzelnen ab...."
Und beides, Wissen und Weisheit sind sehr wichtig wenn man die Wahrheit erfassen und kennen will.
Objektiv steht man etwa vor einem Baum.
Subjektiv sieht der Künstler keinen Baum sondern ein Kunstwerk. Der Theologe ein Wunder Gottes. Der Biologe eine pflanzliche Lebensform. Der Botaniker eine Fichte. Das Kind ein Stück Holz mit grünen Dingern dran. Der Physiker in Materie gespeicherte Energie die sich etwa mit Verbrennung freisetzen liesse.
Der Holzfäller Arbeit. Der Chemiker Chloroplasten, Adenosintriphosphat, H2O und so weiter.
Alle haben Recht. Aber keiner sieht das ganze Bild. Objektive Wahrheit wäre das gesamte Bild - alle einzelnen Blickwinkel zugleich.
Der Magier (oder zumindest Hermetiker) strebt nach objektiver Wahrheit und versucht durch eifriges Studium möglichst vieler Sichtweisen der Wahrheit näher zu kommen. Indem man möglicht viele Betrachtungswinkel einnimmt erkennt man grössere Zusammenhänge – und diese bilden die Universale Wahrheit.