oder was Gebete nicht sind:
Ihr Lieben,
ich lese gerade wieder einmal ein Buch. Ich las es früher schon einmal, nahm es aber jetzt in einer Zeit der Ruhe zur Hand um es noch einmal zu lesen. Es ist von Thich Nhat Hanh: Wie Siddhartha zum Buddha wurde\". Auf dem Umschlag steht: Der Autor erzählt auf wunderbar poetische Weise die ganze Lebensgeschichte des Buddhas. Und gibt gleichzeitig eine hervorragende, sehr persönliche Einführung in die geistige Welt des Buddhismus.
Viele Dinge wären erwähnenswert, doch ein Satz darin schwingt seit Tagen in mir und es drängt mich, ihn mit euch zu teilen:
<B>Wenn Du an einem Fluß stehst und zum anderen Ufer möchtest, dann kannst Du beten, dass das andere Ufer zu Dir kommen möge. Es wird nicht kommen. Du wirst schon hinüberschwimmen müssen, um es zu erreichen.</B>
In diesem Satz steckt so viel Weisheit, zeigt er doch auf ganz leichte Weise, was Gebete vermögen und was nicht. Du magst darum bitten, das Dir Kraft gegeben wird, etwas zu tun. Doch tun mußt Du es selbst. Du magst darum bitten, dass es Dir besonders leicht fällt, dass die Elemente Dir gewogen sind. Doch letztlich hast du selbst die Verantwortung alles zu tun, was wichtig ist oder zu unterlassen, was Dir nicht dienlich ist. Du magst darum bitten, das auf der geistigen, energetischen Seite alles bereit ist, für einen Weg, für eine Veränderung. Doch gehen mußt Du selbst.
Als mir dies klar wurde, lachte ich herzlich über mich selbst, betete ich doch jahrelang, das ich aufhören möge, zu rauchen. Ebensogut hätte ich an einem Flussufer stehen können!
Und noch ein zweiter Satz darin ist bemerkenswert. Der Buddha sagt an einer Stelle zu seiner Sangha, seine Lehre ist ein Weg zum Erlangen der Wirklichkeit in sich, doch nicht die Wirklichkeit selbst. Und so wie der Finger, der zum Mond zeigt nicht der Mond selbst ist, so ist diese Lehre, jede Lehre nur ein Gefährt, ein Mittel um etwas Bestimmtes zu erreichen. Ist es erreicht, ist das Mittel, die Lehre nicht mehr notwendig. Sie mit sich herumzutragen, daran festhalten und sie verehren, hieße nach der Überquerung eines Flusses mit einem Floß das Floß weiterhin mit sich zu tragen.
Möge Dein Tag wie eine Lotusblüte im klaren Sonnenschein sein
Sorinamo