Ok, es ist ein langer Text. Das weiß ich aber ich bitte euch ihn zu lesen und ihn möglichst kritisch zu hinterfragen und mir vielleicht die Haken darin aufzuzeigen. Viel Spaß beim Lesen.
Warum bekommen wir nicht das was wir wollen? Es ist nicht die Art wie wir sind, sondern es ist die Art wie wir fordern. Jede Aktion erzeugt auch eine Reaktion und eine Bitte ist eine Aktion. Es kommt dabei jedoch auf die Geisteshaltung an und dementsprechend wird die Reaktion ausfallen. Eine Bitte, die mit innerer Wut hervorgebracht wird, wird nie Beachtung, sondern nur mehr und mehr Abwehr finden. Selbst wenn die Worte schön sein mögen, so spielt das nicht die geringste Rolle. Die Bitte richtet sich immer an jemanden und dieser jemand ist mein Ebenbild. Bitte ich also um etwas, so sollte ich mich fragen, unter welchen Umständen ich diesen Wunsch erfüllen möchte. Bittet man mich und denkt, dass man es verdient hat, dass der Wunsch erfüllt werde, dann schwingt schon Zwang mit und die Bitte ist nutzlos. Einem Bittsteller, der auf Knien vor mir kriecht würde ich ebensowenig eine Bitte erfüllen, denn er verliert sein Rückgrat, seine Würde und gibt sich selbst auf. Dies ist genauso wenig unterstützenswert.
Welches also ist die richtige Geisteshaltung? Es ist ein Wünschen ohne Wollen oder Fordern. Von der Erfüllung oder Nichterfüllung der Bitte darf nichts abhängig sein. Bitte ich also jemanden um etwas mit dem Hintergedanken, dass dieser jemand verpflichtet ist, mir den Wunsch zu erfüllen und er tut es dann nicht, so bin ich schuld dass die Bitte nicht erfüllt wurde, denn ich habe nur zu meinem Eigennutz gehandelt, dem Anderen keine Wahl gelassen. Im Endeffekt bin ich wütend auf denjenigen, der mir die Bitte nicht erfüllt hat aber welches Recht habe ich dazu? Keines, denn die Bitte darf den status quo nicht verändern. Im Grunde sollte man immer so bitten, als ob man nicht bittet. Ob der Wunsch in Erfüllung geht spielt im Leben beider Parteien keine Rolle. Ist jedoch die andere Partei bereit den Wunsch zu erfüllen, so wird es auch ihm nützen, denn er kann dadurch seine Rolle im Leben besser verstehen. Der Wunsch war Ursache für beiderseitiges Glück.
Ursachen von missbräuchlichem Verhalten liegen generell in der Kindheit und rühren aus dem Erfüllen und Nichterfüllen der kindlichen Wünsche. Ein Kind, dass ständig bittet und nichts bekommt, wird das Bitten aufgeben und nichts mehr wünschen. Das Leben wird nicht gefüllt werden, denn das Kind erwartet nichts mehr. Keine Wünsche – keine Erfüllung. Die Wünsche werden unterdrückt, da die Nichterfüllung zu viel Frust hervorbringen würde. Das ist eine Schattenseite.
Bekommt das Kind auf Bitten hin alles was es will, so wird meist ein viel schwereres Problem auftauchen. Das Erfüllen der Bitten wird zur Selbstverständlichkeit und es entsteht ein starker Egobezug. Der Fordernde wird den Gebenden letztlich nicht mehr als Person, sondern nur als Wunscherfüller betrachten und ihn zu einer Dienstleistungsfigur degradieren. Wird dann eine Bitte mal nicht erfüllt, so wird der Fordernde aggressiv werden und verlangen, dass seinen Wünschen entsprochen wird. Dies sind die zwei Seiten der Medaille.
Was befindet sich auf dem Rand? Es ist das Wissen um den eigenen Wert, der es ermöglicht zu verstehen, dass man nicht wertlos ist und dass es erlaubt und erwünscht ist zu wünschen. Man sollte sich damit in keinster Weise zurück halten, nur erwarten dass die Wünsche in Erfüllung gehen sollte man nicht, denn damit würde man der Kausalitätskette „Bitte – Reaktion“ ein unnötiges weiteres Glied hinzufügen, nämlich Frust über Nichterfüllung und das führt zu Wut. Ebenso wichtig ist der Respekt demjenigen gegenüber, der die Bitte erfüllen soll. Warum, das wird später klar werden.
An wen richtet man nun seine Bitten? In der Kindheit sind es zwangsläufig die Eltern. Wird man atheistisch erzogen, so bleibt das auch noch eine ganze Weile länger so. Wird man religiös erzogen, so kommt ein weiterer Ansprechpartner hinzu, der auf dem eigentlichen Weg zu Erkenntnis weiter führen kann. Was ist die Adresse? Letztenendes sind es wir selbst. Wir sind es, die uns geben was wir brauchen. Daher ist die höchste Kunst nicht länger zu bitten, sondern sich zu lieben, sich selbst alles Gute zugestehen, sich nicht zu entwerten und selbst jede Bitte zu gestatten. Alles Gute strömt jederzeit auf uns ein. Wir können es annehmen oder nicht. Die Konditionierung steht uns dabei oft im Weg, da wir nicht bitten durften oder nur das nehmen wollten, was uns gerade passte.
Wir wurden aus dem Paradies vertrieben als man Gott als jemanden anderen betrachtete als wir selbst. Erst als wir unsere Bitten an eine andere Instanz richten sollten, begannen wir zu vergessen, dass wir selbst es sind, die uns Glück und Reichtum gestatten. Wir selbst haben es in der Hand uns das zu geben was wir uns wünschen. Wir müssen es nur zulassen. Wir sind nicht mehr die kleinen Kinder (der Kirche) und wir sind nicht so unwichtig, dass wir uns hinten anstellen müssten, wenn etwas Gutes verteilt wird. Es ist bei weitem genug für Alle da.
liebe Grüße - Raphael