Schon früh reifte in mir der Gedanke, dass sich die Welt nicht mit den Gesetzen von Stoß- und Gegenstoß definieren lässt, d.h. sie kein Automat sein kann. Der Laplacesche Dämon, der alle Elementarteilchen und ihre Wechselwirkung kennt, und die Welt somit vorausberechnen könnte, wäre also nur ein Phantasiegebilde. 4 wesentlichen Gegenargumente sind auf Wikipedia beschrieben:
HIER
Wenn ich durch die Natur gehe, sehe ich Dinge, die dynamisch sind, scheinbar unbestimmbar und zufällig. Pflanzen wachsen sporadisch aus toter Materie, Luft wirbelt, Blätter rauschen und Wolken quellen, Wasser springt in Millionen Facetten, Lichteffekte und anderes runden die Szenerie ab. Was ist daran statisch und berechenbar?
Eine Wolke sieht niemals gleich aus. Die erste Frage, die ich mir überhaupt stellte, war die nach der Wiederkehr desselben Himmels. Könnte es sein, dass der Himmel einmal genauso aussah?
Die vielen Teilchen werden also durch irgendetwas zufälliges immer wieder gemischt und sozusagen durcheinandergewirbelt. Natürlich ist heute bekannt, dass dem bestimmbaren Makrokosmos ein unbestimmbarer Mikrokosmos gegenüber steht. Die individuellen Szenen sind also weitgehend zufällig, erst im Zusammenspiel (Wechselwirkung) ergeben sie eine determinierte Welt.
Mit den Gesetzen der Luftthermik kann man also nicht bestimmen, wie die einzelne Wolke aussieht, aber man kann bestimmen, wie sich eine Großwetterlage aus vielen Wolken verhält.
Der generelle Zufall ist schon im Dreikörperproblem erkennbar bzw. in logistischen Gleichungen. Die Wechselwirkungen zwischen drei Himmelskörpern lassen sich nicht universell berechnen, sondern nur iterativ annähern, es gibt keine analytische Lösung. Eine logistische Gleichung, in der die Ergebnisse wieder in die Eingangsvariablen einfließen, verhält sich oft chaotisch, produziert also rein zufällig Ergebnisse.
Wie kommt es also, dass die Gesellschaftstheorie (denn die Gesellschaft ist ein System von Billionen Variablen, die sich selbst beeinflussen) immer noch von linearen Prinzipien, von Berechenbarkeit und Planung, ausgeht? Warum denken viele linear von einem Jetzt-Zustand in die Zukunft und verfallen damit in Fatalismus? Warum wird der Tod als das Ende angesehen, wenn doch auf der Hand liegt, dass die dynamische physikalische Welt permanent neue Zustände und Systeme erzeugt, also in ihr begründet schon die Idee der Schöpfung liegt?
Ich jedenfalls bin vom Determinismus und Fatalismus abgekehrt, wenngleich ich niemals wirklich dieser Weltsicht anhing. Wahrscheinlich ist dieses Weltbild auch nicht nordisch, sondern orientalisch, basiert auf den Ideen eines zentralen Gottes, eines Weltgerichtes, eines Paradieses und einem Endpunkt der Geschichte.
---