vor genau 9 jahren habe ich meine berufstätigkeit aufgegeben, weil ich nicht länger opfer des kapitalismus sein wollte und auch nicht opfer falsch verstandener emanzipation. ich hatte ein eigenes geschäft, haushalt, zwei kinder und war chronisch überarbeitet, was sich z.b. in einer immensen gewichtszunahme äußerte. als dann der kleine mich bat zuhause zu bleiben, habe ich spontan innnerhalb kürzester zeit mit hohem finanziellen verlust mein geschäft aufgelöst.
ich hab immer gespürt, dass geld verdienen und sich abrackern nicht der einzige lebensinhalt sein kann.
zur selben zeit hatten wir auch noch irrsinnige probleme mit unseren vermietern, die uns nach über 12 jahren aus der wohnung mobben wollten.
vorausgegangen war die totale sonnenfinsternis, der wir entgegenfieberten und an diesem tag nahmen wir uns frei.
unsere familie fuhr ein stück weit in richtung süden, immer der totalen finsternis entgegen. zuerst saßen wir am waldrand neben einem großen feld und haben die sukzessive sonnenfinsternis bei klarem himmel beobachtet. kurz bevor der zeitpunkt gekommen war, schob sich ausgerechnet eine regenwolke dazwischen, sodass wir schnell unser lager auflösten und der freien sicht entgegenfuhren.
da kamen wir durch einen kleinen ort, der in beschaulich gedämpften licht lag, alle menschen standen in ihren gärten und guckten gen himmel.
auch auf der b12 hielten einfach die autos an, auch polizeiwagen, lkw alles. jeder starrte in den himmel. irgendwie waren plötzlich alle menschegemachten gesetze null und nichtig geworden, alle waren vor dem firmament gleich geworden und ganz klein.
es war ein unbeschreibliches idyll wie ich es nie je zuvor sah und ein unbeschreiblicher frieden und ruhe hing über allem.
die letzte minute vor der finsternis kam näher und wir vier sprangen aus dem wagen, standen neben einem maisfeld, hielten uns an den händen und der unbeschreibliche moment passierte. zuvor hatte ich mich noch gefürchtet, jetzt aber war für mich mein weg ganz klar, mein erstes spirituelles erlebnis, sozusagen mein schlüsselerlebnis.
danach fuhren wir wie paralysiert im stau im schritttempo zurück und ich weinte unaufhörlich.
(übrigens war der uns damals unbekannte ort, wo das maisfeld war, marktl am inn, wo der spätere papst herkommen sollte.)
erst ein halbes jahr später habe ich dann mein geschäft an den nagel gehängt.
mein spiritueller weg begann...