Hallöchen ihrs,
Ich kann nur über mein eigenes Land sprechen, dennoch fällt mir zur Zeit wieder etwas auf, was Worte betrifft. Gestern hat mich nämlich jemand angesprochen, der bei uns im Land solche Zettelchen mit Reklame verteilt, dass Dr. Soundso all unsere Probleme löst, den Partner wieder zurückbringt, uns einen neuen Job schafft und uns Geld gewinnen lässt.
Als ich an ihm vorbeiging, wollte er mir unbedingt einen solchen Zettel in die Hand drücken, doch ich lehnte freundlich ab. Doch er liess nicht ab, wollte mir unbedingt klarmachen, dass man die Hilfe eines Menschen, der mit Gott in Kontakt stünde, nicht ablehnen sollte. Ich verbiss mir sarkastische Bemerkungen wie "ich bin doch Gott" oder "Sie wollen Seher (so werden sie im französischen genannt) sein und sehen nicht, dass ich mich selbst mit solchen Dingen befasse?" und versuchte ihn freundlich aber dennoch bestimmt loszuwerden. Und dann plötzlich die Frage: Sind Sie gläubig?
Natürlich bin ich gläubig, ich habe meinen Glauben. Er meinte daraufhin, dass ich also Gott nicht verschmähen könne, wenn ich doch an ihn glaubte!
Ich war erstaunt und versuchte klarzustellen, dass gläubig sein eigentlich bloss bedeute, an "etwas" zu glauben und nicht unbedingt an Gott. Als er mir dann wieder konterte, fiel mir auf, dass es hier oft vorkommt, dass das Wort "gläubig" nur im Sinne von "an Gott glaubend" akzeptiert wird. Ich wusste nicht, dass Gott ein Monopol auf dieses Wort hätte.
Allerdings hatte er mir damit dann doch Futter gegeben und dieses Mal konnte ich mir meine Bemerkung nicht verkneifen. "Nun, wenn für Sie das Wort gläubig nur im Sinne von 'an Gott glauben' in Frage kommt, dann bin ich nicht gläubig. Dann muss ich wohl wissend sein," meinte ich daraufhin. Sein Gesicht zeigte mir, dass das Gespräch zu Ende war.
Dennoch, wie ist das bei euch? Sehen die Menschen in eurem Umfeld auch so, dass für sie "gläubig" Hand in Hand geht mit "an Gott glauben", oder wird nachgefragt, woran ihr denn glaubt?
Neugierige Grüsse
Kangiska