Es kommt darauf an, wer sie macht, ob es eine Art "graphologisches Büro" ist, das auf Referenzen bzw. Erfahrung verweisen kann oder jemand, der mal ein Buch über Graphologie gelesen hat und sich "Graphologe" nennt.
Es ist in der Tat möglich, in Schriftproben Anhalte über den Charakter zu erkennen, aber überaus schwierig, die zutreffende Aussage zu treffen und tatsächlich Scharlatane von Ernsthaften zu unterscheiden. Jedes Merkmal, das zur graphologischen Analyse herangezogen wird, kann in zwei Richtungen gedeutet werden, im positiven oder negativen Sinne (z.B. Selbstbewusstsein vs Geltungssucht, Integration vs Duckmäusertum usw).
Ich hatte mich im Studium mal ein wenig außerhalb der Seminare damit beshäftigt, ließ es aber bald wieder fallen, da die ganze Angelegenheit äußerst komplex ist und eine sehr genaue Anleitung und Ausbildung verlangt und anschließend die Gratwanderung zwischen den Merrkmalen vorgenommen werden muss. Ich fühle mich daher auch nicht in der Lage, ernsthafte Deutungen vorzunehmen (obwohl ich mich hin und wieder bei solchen Gedanken erwische, wenn mir Schriftstücke im Rahmen meines Berufsalltags vorgelegt werden).
Weiterhin wage ich zu behaupten, dass alle Aussagen, die über die Aussagekraft von Tendenzen hinausgehen, mit Skepsis und der Möglichkeit der Fehliterpretation zu betrachten sind - ich kann mich in dem Zusammenhang an Deutungen erinnern, die anhand von Lebensläufen angefertigt und als abschreckende Beispiele angeführt wurden. Da wurde z.B. behauptet, eine Probandin stamme aus einer Drogensucht-gefährdeten Familie und ein Proband neige zum übermäßigen Onanieren. Es ist schlimm, wenn solche Dinge bei beruflichen Bewerbern angewendet werden und nach meinem Dafürhalten durch Schriftproben bestimmt nicht zu belegen sind.
Aber ganz ohne ist die Graphologie nicht, das steht für ich auch fest.
Beste Grüße - manubrius