Hallo Slevin,
Zitat:
Ein Beispiel ist dass ich ein Geschenk bekommen habe und ich mich darüber total gefreut habe aber dann hat sich jemand in meiner Umgebung über irgendetwas aufgeregt und dann habe ich auch auf einmal angefangen mich total aufzuregen obwohl ich keinen grund hatte.
Das war mir richtig peinlich.
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also ich finde an dieser Situation drei Punkte wichtig:
1. du selbst hast dich über das Geschenk total gefreut - das waren deine Gefühle.
2. weil ein anderer sich über etwas aufgeregt hat, hast du den Kontakt zu deiner Freude verloren
3. weil du dich aufgeregt hast, war dir das vor den anderen peinlich.
Ich finde es hilfreich, wenn man die Situation so beschreibt:
es gibt einen inneren Kreis - das sind deine Bedürfnisse, deine Wünsche, deine Ziele - und einen äußeren Kreis: das sind die Bedürfnisse, Gefühle, WÜnsche, Perspektive der anderen.
In Beziehungen ist es z.B. oft so, dass nach dem Verliebtsein, das symmetrisch erlebt werden kann, oft eine Phase des Machtkampfes folgt: es stellt sich die Frage, wer sich eher um den inneren Kreis - sich selbst - kümmern darf und wer sich für den äußeren Kreise, die Harmonie zwischen beiden und somit den äußeren Kreis, verantwortlich fühlt.
Oft gibt es dann einen, der eher dominant seine Gefühle in den Vordergrund stellt - das kann bis zu kindlichem Egoismus gehen - und einen anderen, der sich für den anderen verantwortlich fühlt und der seinen Kreis nahezu bis ganz aufgibt, um die Harmonie des GANZEN zu bewahren.
Menschen, die sich mit dem äußeren Kreis identifizieren, haben genau das Problem, das du beschreibst. Sie bleiben nicht bei sich, bei ihren Gefühlen, sondern sie identifizieren sich immer wieder damit, was die anderen sagen und fühlen.
Das ist übrigens auch kein MIT-GEFÜHL, sondern das ist "Gefühlsansteckung" und "Identifikation". MIT-GEfühl ist es nur dann, wenn du deine eigenen Gefühle weiterhin spürst und aus diesen mit dem anderen mitfühlst, also diese Ambivalenz zwischen dir und ihm aufrecht erhältst. Sobald du nur noch die Gefühle und Gedanken der anderen siehst ist es - wie gesagt - Identifikation und Gefühlsansteckung.
Es ist wichtig, dass du dir klar machst, dass du in derartigen Situationen immer wieder deine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele verleugnest und dich stattdessen mit den anderen identifizierst und dort deine Harmonie suchst - obwohl du genau hierdruch dich selbst unterdrückst.
Mach dir klar, dass du DIR und auch den anderen Menschen, insbesondere in einer Beziehung, keinen Gefallen tust, auch wenn es im ersten Moment so scheint. Indem du dich selbst aufgibst, spielst du den anderen einfach etwas vor und schenkst du dich ihnen nicht als INDIVIDUUM - das kann vor allem in Beziehungen sehr problematisch werden, weil du damit deine gesamte Attraktivität für deinen Partner langfristig aufgibst, wodurch die Beziehung zugrunde geht.
Je nachdem, wie stark diese Veranlagung bei dir ist, kannst du dir erst einmal kleine Ziele stecken. Mach dir bewusst, wann dies immer schon passiert, selbst in kleinen Situationen. Und nimmt dir dann immer wieder vor, BEI DIR SELBST zu bleiben. Versuche das wirklich als spirituelle Praxis zu verstehen, die für deine eigene Zufriedenheit und für deine Beziehungen sehr, sehr wichtig ist.
Eventuell wirst du zu Beginn Probleme mit anderen Menschen bekommen, weil diese dich nicht aus den alten Strukturen gehen lassen möchten. Versuche dir klar zu machen, dass diese dich als INdividuum gar nicht sehen, sondern einfach nur an deiner gespielten Rolle festhalten. Du tust dir und ihnen einen Gefallen, wenn du dich aus dieser Struktur herauslöst.
Liebe Grüße,
SS