Ich wollte euch mal fragen, ob das Empathie ist.
Ich weiß fast immer, was Menschen fühlen. Erst letzte Woche kam ich in eine neue Klasse (als Lehrerin) und sah direkt einen Schüler in der letzten Reihe. Er saß nicht alleine, aber ich fühlte sofort seine Einsamkeit.
Bei der Gruppenarbeit dachte ich direkt, oje, der wird sicher alleine sitzen und hatte richtig Panik vor der Gruppenarbeit. Tatsächlich hat er die Gruppenarbeit alleine gemacht.
So geht es mir ganz oft, wenn ich Menschen treffe, die ich nicht kenne. Teilweise kann ich ihren Schmerz fühlen.
Das ist nicht nur bei menschen so. Heute hab ich mit meinen Sechsern lebendige Heuschrecken angeschaut. Sie waren in Petrischalen, damit man sie in Ruhe ansehen kann. Als ich gerade zu einem Schüler schaue, sehe ich wie er die Schale schüttelt, damit die Heuschrecke runterrutscht und er sie besser sehen kann (außen war ein Aufkleber drauf und darunter saß die Schrecke).
Mir isses sofort ins Herz gefahren und ich hab regelrecht Angst bekommen. Ich bin hin, hab den Schüler zurechtgewiesen und ich hab richtig gespürt, wie die Heuschrecke Angst hat. Ich habe die Schrecken dann ziemlich schnell eingesammelt und in ein Terrarium gesetzt, da hinein haben die Kids frische Zweige mit Blättern daran gelegt und viel Sand reingemacht (Wüstenheuschrecken, die kann ich hier nicht freilassen).
In dem Moment als ich die Schrecken im Terrarium hatte, wo sie Blätter fraßen und sich unter den Zweigen versteckten (sie kamen aus dem Zooladen. Futtertiere eingepfercht in eine kleine Schachtel), wurde ich ganz ruhig. Alles war gut. Ich war richtig glücklich.
Ist das jetzt Empathie oder bin ich einfach nur ein Sensibelchen?
Dazu ist es oft so, dass ich sofort sehe, wenn jemand was hat. Die Leute können noch so gute Schauspieler sein. Sie kommen zur Tür herein und ich frage sofort "was ist los?".
Ich weiß immer nicht, ob ich tatsächlich von mir behaupten kann, dass ich empathiefähig bin. Empathie wirklich im Sinne von Leid fühlen.
Was sagt ihr?