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Alt 29.10.2010, 21:33   Ich bin Benjamin Beitrag #1 (permalink)
Sophia-Isis
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Ich bin Benjamin

Ich bin Benjamin, der Esel und werde euch eine Geschichte erzählen. Der Anfang der Geschichte ist nicht gerade ruhmreich, aber so ist es halt mit der Welt und den Menschen
und den Tieren.






"Vermaledeites, gottloses Geschöpf du!“, schnaubte Absalom mich mürrisch an. Aber damit nicht genug: seine Vorwürfe, unterstrich er mit mehreren Stockhieben.

Es war meist derselbe Ablauf. Ich wusste genau, was nun folgen würde, denn Absalom hatte wenig Einfallsreichtum, was seine täglichen Beleidigungen an mich betraf, um mich einzuschüchtern. Es waren nur billige Projetionen seines miserablen kleinen Egos: „Ich werde dich auf dem Markt verkaufen, du wirst schon sehen, du gottloses Biest!“

„Wer ist denn hier gottlos?“, fragte ich Absalom indigniert. „Wer ist von uns beiden verkäuflich?“ Aber Absalom verstand meine Sprache nicht, oder wollte sie nicht verstehen.
Im Gegensatz zu Absalom, verstehe ich die Menschensprache sehr wohl, er aber ist einfach nicht in der Lage, die Sprache der Esel zu kapieren.
Normalerweise bleibe ich dann einfach stehen und bewegte mich keinen Schritt weiter. Heute aber, war ich es einfach leid, mir seine ewigen Vorwürfe anzuhören. So wankte ich schnaufend mehrmals hin und her, worauf die beiden Säcke mit den getrockneten Feigen verrutschten und mit einem dumpfen Schlag zu Boden fielen, zusammen mit mir. Da lagen wir nun am Boden und das war die reinste Wohltat, denn eine kleine Verschnaufpause ist in meinem Alter immer willkommen.

Wie es mir zu Ohren kam, soll der Name Absalom ein ganz besonderer sein. Absalom bedeutet Vater des Friedens. Ich glaube, es war Esau. Esau der Ochse, er ist mein guter Freund und wir teilen uns friedlich den Stall und die Futterkrippe.

„Ich werde dich zur Schlachtbank bringen!“, schrie Absalom mich an. „Du elende Kreatur du, taugst zu gar nichts mehr!“ Kopfschüttelnd dachte ich mir, dass er seinem Namen wahrhaftig keine Ehre machte.

Nachdem ich auch noch die gewohnten Fuβtritte einkassierte, es war immer die gleiche Nummer, die da ablief. Ich drücke auf bestimmte Knöpfe und wie der Hund von Pawlov, reagierte Absalom und tracktierte mich mit Fuβtritten, solange bis ihm seine Füβe schmerzten und er mich dann normalerweise verfluchte.

Was soll ich dazu sagen? Der Klügere gibt nach… Seufzend erhob ich mich. Es nützte ja alles nichts.

Während Absalom sich laut schimpfend mit seinen zwei Säcken abmühte, erinnerte ich mich an den Traum von letzter Nacht: ein Engel erschien und sprach zu mir:
So ganz verstand ich nicht, was der Engel damit meinte, aber eines Engels Botschaft werde ich ernst nehmen und abwarten, was das Schicksal mit mir auf meine alten Tage noch vorhat.

Absalom hatte es inzwischen geschafft, mir die beiden Säcke mit den Feigen aufzuladen. Ich schlug den Weg zum Markt ein. Es war heute ein herrlicher Tag. Die Strahlen der Morgensonne schienen auf das Laub der Olivenbäume und schmückten die ehrwürdigen alten Bäume mit einem feinen Gespinnst aus Gold. In der Ferne die bläulich schimmernden Berge und die Luft war frisch und würzig nach wilden Thymian duftend. Ich schnupperte zufrieden und sog die Luft in mich hinein. Lass den Alten reden, entschied ich. Der ist immer nur mies drauf und will seine Unlust auf mir abladen. Zwei Sack Feigen, das reicht schon, da brauche ich nicht noch Absaloms Sorgen, Absaloms Frust und Absaloms Zweifel.

Ich setzte den Weg betont langsam fort und lahmte mit dem rechten Hinterbein, um Absalom zu zeigen, was er mir angetan hatte. Genoss den vielversprechenden Morgen und humpelte so mit den Feigen zum Markt.


es geht bald weiter...



LG Isis

Geändert von Sophia-Isis (29.10.2010 um 21:39 Uhr)
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Alt 30.10.2010, 19:51   Ich bin Benjamin Beitrag #2 (permalink)
Sophia-Isis
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aufenommen am 5.September 2010



Der Rückweg verlief harmonischer, Absalom hatte eine gute Summe für seine Feigen erzielt und war zufriedener. Obwohl ich weiterhin mein rechtes Hinterbein betont langsam nachzog und so besonders viel Zeit brauchte, um nach Hause zu kommen, fasste sich Absalom in Geduld.

Ich musste nochmals an den Traum von heute Nacht denken. Ich fragte den Engel, wann dies alles eintreten werde, worauf der Engel sprach: „Die Botschaft wird sich bald erfüllen und ich werde dich nicht mehr verlassen!“


LG Isis

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Alt 02.11.2010, 17:18   Ich bin Benjamin Beitrag #3 (permalink)
melpomene
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Zitat:
Zitat von Sophia-Isis Beitrag anzeigen




aufenommen am 5.September 2010




Der Rückweg verlief harmonischer, Absalom hatte eine gute Summe für seine Feigen erzielt und war zufriedener. Obwohl ich weiterhin mein rechtes Hinterbein betont langsam nachzog und so besonders viel Zeit brauchte, um nach Hause zu kommen, fasste sich Absalom in Geduld.

Ich musste nochmals an den Traum von heute Nacht denken. Ich fragte den Engel, wann dies alles eintreten werde, worauf der Engel sprach: „Die Botschaft wird sich bald erfüllen und ich werde dich nicht mehr verlassen!“




LG Isis


Du bist eine sehr gute Erzählerin, liebste Isis, und ich bewundere Dich dafür! Auch das Photo ist Dir gut gelungen.

Allerliebste Grüße

Deine Menschin
melpomene ist offline  
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Alt 02.11.2010, 21:55   Ich bin Benjamin Beitrag #4 (permalink)
Sophia-Isis
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Zitat:
Zitat von melpomene Beitrag anzeigen
Du bist eine sehr gute Erzählerin, liebste Isis, und ich bewundere Dich dafür! Auch das Photo ist Dir gut gelungen.

Allerliebste Grüße


Deine Menschin

Danke liebe Mel

da fällt mir gerade ein
das Foto ist vom 5 Oktober

ich bin ganz schön durch den Wind!



LG Isis
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Alt 02.11.2010, 23:20   Ich bin Benjamin Beitrag #5 (permalink)
Anka
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Wunderschöne Geschichten liebe Isis, wie all deine Geschichten.
Aber der Ali hat es mir angetan mit Schrenk und denn Kamelen.

Danke dir herzlich für die Geschichten.
Alles liebe, Anka
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Alt 03.11.2010, 21:01   Ich bin Benjamin Beitrag #6 (permalink)
Sophia-Isis
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Zitat:
Zitat von Anka Beitrag anzeigen
Wunderschöne Geschichten liebe Isis, wie all deine Geschichten.
Aber der Ali hat es mir angetan mit Schrenk und denn Kamelen.

Danke dir herzlich für die Geschichten.
Alles liebe, Anka
danke, liebe Anka


herzliche Grüsse von Isis
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Alt 03.11.2010, 21:03   Ich bin Benjamin Beitrag #7 (permalink)
Sophia-Isis
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Der Rückweg verlief harmonischer, Absalom hatte eine gute Summe für seine Feigen erzielt und war zufriedener. Obwohl ich weiterhin mein rechtes Hinterbein betont langsam nachzog und so besonders viel Zeit brauchte, um nach Hause zu kommen, fasste sich Absalom in Geduld.

Ich musste nochmals an den Traum von heute Nacht denken. Ich fragte den Engel, wann dies alles eintreten werde, worauf der Engel sprach:




Mit einem Ruck blieb ich augenblicklich stehen. Der Engel wird mich nicht mehr verlassen! Das hat er zu mir heute Nacht gesprochen. Ich drehte mich um, blickte hinauf zum Himmel und rief aufgeregt und so laut ich konnte besagten Engel.
Er wird sich auf eine kleine Wolke gesetzt haben, überlegte ich. Er kann ja nicht den ganzen Tag hinter mir her schweben, das wäre für ihn sicher zu anstrengend. Oben am Himmel entdeckte ich eine kleine Wolke und zu ihr wandte ich mich mit lauter Stimme.

Absalom starrte mich mit offenem Mund an.

„Was willst du Benjamin?“, tönte es vom Himmel. „Fürchte dich nicht!“
„Warum soll ich mich fürchten?, rief ich hinauf.
„Weil ich ein Engel bin.“
„Ich fürchte mich nicht einmal vor Absaloms Stockhieben, warum sollte ich mich da vor dir fürchten? – Ach du meinst wegen deiner lauten Stimme und dem Donnerkrachen? Ein Grinsen huschte über mein Gesicht.

"Ich habe eine kleine Frage wegen dem König. Was soll das für ein König sein, der auf einem alten humpelnden Esel reitet?“

„Dein Humpeln ist nur vorgetäuscht. Aber damit du nicht mehr zu lügen brauchst, werde ich dem gleich Abhilfe schaffen!“ Ein stechender Schmerz fuhr augenblicklich in mein rechtes Hinterbein. Ich schrie auf, knickte ein und fiel zu Boden.

„Du gottloses Geschöpf!“ schrie mich nun Absalom an. „Gottlos, krank und jetzt auch noch meschugge“, begann er zu jammern und raufte sich die Haare. „Wie soll ich einen kranken und obendrein verrückten Esel los werden?“ Absalom in seiner Verzweiflung rief diese Frage nun auch, so wie ich, nach oben. Ich vermute mal, er wandte sich an den Herrn persönlich…

„Siehst du, was du angerichtet hast, du holder Engel. Wie heiβt du überhaupt?“

„Gabriel werde ich genannt, denn ich bin für die Mutter des kommenden Königs verantwortlich und darum auch für dich!“

„Gabriel?“, fragte ich argwöhnisch. „Gabriel ist einer der ganz hohen Engel, ein Erzengel. Ein Führer für einen ganzen Volstamm. Warum soll ausgerechnet Gabriel für mich unwichtigen Esel zuständig sein?“

„Du bist ein wichtiger Esel!“

Das hatte ich eigentlich immer schon vermutet. Der Ochse Esau, blickte mich abends im Stall oft bewundernd an. Es tat gut, von einem wichtigen Engel dies zu hören. Ich wedelte erfreut mit den Ohren.

„Oh Herr, bitte hilf mir!“, rief nun Absalom auch nach oben. Im Grunde genommen waren wir beide damit zugange hinauf in den Himmel zu rufen und das war nicht einfach, da Absalom sich Gehör zu verschaffen versuchte und mich mit meinen Rufen übertönen wollte. Aber da kannte mich Absalom schlecht. Ich schlug einfach eine noch lautere Gangart ein und es war eine wahre Freude, wie wir um die Wette in den Himmel schrien.

„Oh Herr, sorge dafür, dass mir jemand diesen verrückten Esel abkauft!“
„Oh Gabriel, ich schätze mich ungemein glücklich!“, rief ich hinauf. Zu Absalom aber richtete ich folgende Botschaft:

„Du elender Geizkragen. Willst dich vor dem Herrn in der Opferrolle darstellen, aber das nimmt ER dir sowieso nicht ab. Und undankbar bist du obendrein. Das hast du davon, mich tagein, tagaus zu beleidigen, zu beschimpfen und zu schlagen! Aber das geht in deinen Kopf nicht rein, dass es ein Universalgesetz ist, das Gesetzt von Ursache und Wirkung, du Trottel!“ Worauf ich mich wild am Boden herumwälzte und alle viere von mir streckte.

„Benjamin!“, ertönte es donnernd von oben. „Auch du bist kein Opfer. Steh auf und geh mit deinem Absalom heim!“

Ich befolgte augenblicklich die Aufforderung des Engels und erhob mich vorsichtig. Immerhin hatte mir Gabriel meine Wichtigkeit gerade zugesichert. Auch war es inzwischen empfindlich kalt geworden. Ich sog die Nüstern ein und hatte so ein Gefühl, dass es heute Nacht schneien würde. Und da ich nicht schon wieder an Rheuma erkranken wollte, beschloss ich humpelnd, aber hurtig meinen gemütlichen Stall aufzusuchen, um Esau alles zu berichten. Auch fühlte ich mich nun ein wenig für Absalom verantwortlich, der sich in seiner Verzweiflung auch am Boden wälzte.
„Oh Herr, so erhöre mich doch bitte“, stammelte er immer und immer wieder.

Wenigstens einer sollte Vernunft annehmen und den ersten Schritt machen, dachte ich seufzend.
Nachdem ich auf allen vieren stand, setzte ich vorsichtig einen Schritt vor den anderen und begann nach Hause zu humpeln.

Gefolgt von einem jammernden Absalom…


LG Isis

Geändert von Sophia-Isis (03.11.2010 um 21:05 Uhr)
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Alt 04.11.2010, 13:17   Ich bin Benjamin Beitrag #8 (permalink)
Anka
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Der Benjamin macht mir Freude, mein inneres Kind jubelt und hat sich gleich auf seine Seite gestellt.

Alles liebe,
Anka
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