Ich hab die Stadt für Dich bunt anmalen lassen - so sprach ich zu meiner Frau und versuchte sie zu einem Spaziergang durchs Wunderland zu begeistern.
Also ab in die S-Bahn und fahren fahren fahren. Aussteigen am Hauptbahnhof. Acht riesige Scheinwerfer bestreichen die Fasade mit einem roten Licht und schicken ihre Lichtkegel in die tiefhängenden Wolken. Es scheint sie wollen die Seelen da oben mit ihrem warmen Licht erfreuen.
Ich greife in die Tasche um meinem Laster zu fröhnen als mich eine Stimme aus dem Dunkel anspricht. Excuse me Sir. Do you have a cigarett for me? Please.
Gutlaunig wie ich bin greife ich erneut in meine Tasche. Sage offcourse.
Versuche mit meinen kalten Fingern eine Zigarette aus der Schachtel zu fummeln. Es gelingt mir nicht gleich. Und mein Über-Ich spricht in perfektem Englisch: Take them all - these is my last one. Ich reiche ihm die ganze Schachtel und er spricht zu mir ... Oh Lord - Thank you so much! Wen er mit Lord gemeint hat wagte ich nicht zu fragen

Mein geliebtes Weib konnte nur fassungslos staunen und fragte mich ob das mein Ernst sei. Sicher doch, dieser Gedanke schlummert schon seit Jahren in mir er hat nur vergessen den Wecker zu stellen.
Zurück zur U-Bahn und dann Richtung Brandenburger Tor. Aussteigen und staunen. Es ist fast so als wäre der Platz neu errichtet worden. Das Hotel Adlon wird mit "Werbebotschaften" angestrahlt. Die Amerikanische Botschaft leuchtet in Kaugummiblau und -rosa. Das Brandenburger Tor lebt. Die Farben wechseln, die Schatten bewegen sich und malen unteschiedliche Illusionen. Einfach phantastisch. Es sind zwar sehr viele Menschen unterwegs, aber alles ist friedvoll und fast lautlos.
Weiter geht es auf der Straße Unter den Linden. Die Bäume werden verschiedenfarbig angestrahlt um dem Herbst in seiner Kunst nocheinmal unter die Arme zu greifen. Es ist einfach irreal realistisch. Das Bild vom goldenen Oktober muss sich an diesem Anblick messen lassen und wird wohl den Kürzeren ziehen.
Weiter geht es in Richtung Lustgarten, als plötzlich an einer Hausfassade Schmetterling auftauchten. Diese flatterten über einen Himmel aus Laserstrahlen auf die andere Straßenseite. Ein gigantisches Naturschauspiel ganz ohne Natur.

Am Berliner Dom angekommen bestaunen wir eine Projektion auf die Außenwände, die wohl das Innere zeigen sollen. So etwas kann man nicht wirklich beschreiben und auf Fotos kommt es auch nicht so richtig rüber.
Unser Weg führt uns um den Dom herum über die Monbijou-Brücke. Zur gleichen Zeit schwebte ein Feuerschiff unter uns hindurch und tauchte das Wasser in ein irres Funkeln aus Licht und Farben. In der Ferne tanzten farbige Lichtsäulen durch die feuchtkalte Herbstluft. Vorbei am DDR-Museum und plötzlich begannen die Gespräche um uns herum mit "Weißt du noch?" ... Oh ja ich weiß noch.
Die Zeit rennt und wir müssen uns beeilen, also geht es schnell weiter Richtung Alexanderplatz. Der Blick auf einen Regenbogen am Nachthimmel sollte der Höhepunkt dieses Abends werden.
Am S-Bahnhof Alexanderplatz genehmigten wir uns noch einen Kaffee vom Imbiss und meine Frau sagte ..."Der schmeckt wie der Kaffee in Venedig auf dem Markusplatz".

Auf der Heimfahrt begann sie mich dann wieder zu verprügeln wenn ich zu offensichtlich begann in fremden Gesichtern zu lesen. Sie muss noch viel lernen.
LG aus dem Hasenbau
PS: Hat jemand meine Zigaretten gesehen?
